Letzte Woche bekamen wir Besuch von Gemini aus München. Im Schlepptau: Eine Vorserienversion des im November in den Handel kommenden Gemini CDJ-700. Und wenn wir schon Besuch aus dem fernen München bekommen, nach Münster sind es von München aus immerhin über 650 km, dann wollen wir natürlich auch darüber berichten. Erst recht, wenn wir laut Aussage von Gemini einer von nur fünf auserwählten Händlern Deutschlandweit waren, die den Gemini CDJ-700 vor Erstauslieferung, die mittlerweile auf Mitte November verschoben wurde, vorgestellt bekamen.
Wie ich bereits vor ein paar Wochen geschrieben habe, ist der Gemini CDJ-700 unmittelbar an Pioneers CDJ-2000 angelehnt. Dieser Eindruck wird sogar noch deutlicher, wenn man den Gemini CDJ-700 vor sich hat, denn selbst die Obenflächenstruktur wurde dem Pioneer CDJ-2000 nachempfunden. Die gewollte Ähnlichkeit zu Pioneers CDJ-2000 will bei Gemini auch keiner verheimlichen. Stattdessen geht man offen damit um, dass man mit dem Gemini CDJ-700 versucht, dem Kunden für 599 € das größtmögliche “Pioneer-Gefühl” zu geben.
Jog Wheel: Das Jog Wheel hat durch das verwendete Material (anscheinend Metall ) ein recht hohes Eigengewicht. Über einen Poti lässt sich der Drehwiderstand des Jog Wheels verstellen. Der Jog Adjust Poti lies sich recht schwer verstellen, was wohl daran liegt, dass das Jog Wheel des Gemini CDJ-700 mechanisch und nicht wie bei Pioneer magnetisch (?) gebremst wird.
Bei einem Backspin ist mir zudem aufgefallen, dass die Scratchumsetzung des Gemini CDJ-700 Vorserienmodells noch nicht ganz ausgereift war. Das schnelle zurückdrehen des Tracks klang für mich unnatürlich und erweckte den Eindruck, als würde der Track gleichzeitig höher gepitcht werden.
Grundlegende Funktionen wie das Setzen von Cue-Punkte und Pitchbends erfolgten akkurat. Erstaunt war ich über den “Slip Mode”, der mir wirklich ausgereift erschien. Ebenso wie das im Jog Wheel verbaute Display.
Touch Screen: Über den Touch Screen im Gemini CDJ-700 kann man geteilter Meinung sein. Eine sehr nützliche Funktion ist, dass durch Tippen auf die Wellenform im Display zur entsprechenden Stelle im Track gesprungen wird. Darüber hinaus kann über das Display beispielsweise auch in Ordnern navigiert werden und Effektintensitäten eingestellt werden. Die beiden letzten Funktionen halte ich jedoch für nicht wirklich sinnvoll, da die Reaktion des Displays dafür zu träge ist (das Display ist nicht mit aktuellen Smartphone Touch Screens vergleichbar). Gemini wäre meines Erachtens besser gekommen, wenn sie einen berührungsempfindlichen Streifen (wie Numark oder Pioneer, Stichwort “Needle Drop”) integiert hätten und den Touch Screen gegen ein normales LCD-Display getauscht hätten.
Einlesezeit: Das Einlesen von CDs und USB-Sticks verlief schnell und problemlos. Mehr gibts hier nicht zu sagen.
MIDI: Über den MIDI-Betrieb kann ich leider nicht sonderlich viel berichten, da wir den CDJ-700 ausschließlich im CD- und USB-Modus vorgeführt bekamen. In Virtual DJ soll der Player wohl sogar als HID-Gerät implementiert werden, was bei entsprechender Umsetzung eine präzisere Steuerung der Software ermöglichen würde. Für Traktor wird dieses Feature nichts nützen, da nur Native Instruments selbst HID-Geräte implementieren kann und der Gemini CDJ-700 nicht entsprechend unterstützt wird. Der CDJ-700 wird auch nicht als “Traktor Ready”-Gerät ausgeliefert. Ein normales MIDI-Mapping für Traktor Pro 2 wird es natürlich trotzdem geben. Unterschied zu “Traktor Ready”-Geräten ist dann, dass der CDJ-700 nicht im Setup Wizard implementiert ist und die Konfiguration somit etwas aufwendiger ausfällt.
On Board Effekte: Bei On Board Effekten in DJ CD-Playern scheidet sich die DJ-Gemeinde. Die einen finden es sinnvoll, die anderen sehen als unprofessionelle Spielerei an. Die Effektsteuerung beim Gemini CDJ-700 ist derzeit noch etwas verwirrend gelöst. Die verwirrende Steuerung soll aber bis zur Auslieferung über ein Softwareupdate behoben werden. Grundlegend lässt sich sagen: Der Effektanteil (Dry/Wet) wird über das Jog Wheel gesteuert, die Parameter über einen entsprechenden Poti. Der Klang der Effekte mag brauchbar sein, auch wenn der Klang nicht einer Pioneer Effekteinheit vergleichbar ist.
Qualität der verwendeten Bauteile: Das Gehäuse machte einen stabilen Eindruck, weniger schön empfinde ich jedoch das insgesamt eher verspielte Design. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der CDJ-700 deutlich von seinem großen Vorbild, dem Pioneer CDJ-2000. Der Pitchfader soll laut Gemini Deutschland gegen einen höherwertigen getauscht werden, was nötig erschien, denn der im Vorserienmodell verbaute war äußerst wackelig und hatte kein schönes Lauferverhalten. Bis auf die CUE- und PLAY-Buttons wirkten alle Buttons sehr günstig verarbeitet. CUE und PLAY hinegen machten einen deutlich besseren Eindruck. Natürlich lässt sich von ein paar Mal darauf rumdrücken nichts über die Langlebigkeit sagen, aber an und für sich arbeiteten sie präzise. Das Verhalten ist übrigens anders als bei Pioneer CDJs, trotz der optischen Ähnlichkeit. Es “fehlte” das typische Klicken. Diese Aussage soll übrigens nicht als Kritik an der Verarbeitung zu verstehen sein sondern als reine Tatsachenbeschreibung. Laut Gemini Deutschland sollen die CUE und PLAY Buttons im Serienmodell übrigens nochmals verbessert sein.
Abschließende Bemerkung: Es handelte sich bei dem uns präsentierten Modell um ein Vorserienmodell. Ich konnte das Gerät nicht ausführlich testen, daher sind alle Beschreibungen als Ersteindrücke zu verstehen.
Kategorie: Neuigkeiten Produkttests Digital Mixing
Tags: dj controller, dj cd-player, gemini, virtual dj, cdj-700
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