Harmonic Mixing mit Mixed in Key & Co.

 
Harmonic Mixing mit Mixed in Key & Co.

Abseits von unserem Fokus auf Neuigkeiten und Testberichte, widme ich mich in diesem Blogbeitrag dem äußerst spannenden Thema “Harmonic Mixing”. Gute DJ Sets zeichnen sich durch weitaus mehr als purem Beatmatching aus. Würde man es vereinfacht ausdrücken, könnte man sagen: Das Können eines DJs liegt neben seinen technischen Fähigkeiten darin, das richtige Lied zur richtigen Zeit zu spielen. Doch so einfach sich diese Formel anhören mag, so kompliziert die Umsetzung doch ist.

Hat man als Anfänger die Grundlage der Tempoangleichung auf dem Kasten und ist voller Stolz über die erlernten Fähigkeiten, so wird man früher oder später zu dem Punkt kommen, an dem man merkt, dass die Sets all unserer Idole meistens doch um einiges runder, ja oftmals sprichwörtlich “wie aus einem Guss” klingen und dies nicht nur durch die Tempoanpassung bedingt ist. Neben langjähriger Erfahrung und einem großen Hintergrundwissen über die Genres, in denen man sich als DJ bewegt, spielt das Gehör für die musikalische Stimmigkeit des folgenden Tracks eine entscheidende Rolle.

Mit Stimmigkeit meine ich, einen Track zu finden, der harmonisch in den laufenden Track gemixt werden kann. Ab diesem Punkt wird die musikalische Grundlagenlehre interessant (von der DJs soweit eigentlich immer verschont geblieben sind): Tracks sind in einer bestimmten Tonart produziert. Diese ist maßgeblich dafür verantwortlich, ob der folgende Track passt oder nicht. Diese herauszufinden ist nun die Aufgabe. Eine Möglichkeit ist, die richtige Tonart durch Vergleichstöne auf einem Piano zu finden – eine aufwendige Angelegenheit, bei der eben auch Kenntnisse in der musikalischen Grundlagenlehre vorhanden sein sollten. Eine weitaus einfachere und vor allem schnellere Variante ist die Nutzung einer Software zur Erkennung der Tonlage.

Mixed in Key

Mixed in Key 5

Mixed in Key ist eine solche Software, die der Erkennung der Tonlage (englisch: Key) von Tracks dient. Die Software ist dabei speziell auf die Bedürfnisse von DJs ausgelegt. So wird standardmäßig die Tonlage eines Tracks im “Camelot System” ausgegeben.

Das Camelot-System ist eine vereinfachte visuelle Darstellung über die “Mixbarkeit” verschiedener Tonlagen und eine für Laien verständliche Übersetzung des Quintenzirkels. Wird zum Beispiel gerade ein Track in Tonlage “9A” gespielt, so sollte der nächste Track entweder in der Tonlage “8A”, “9A”, “10A” oder in “9B” produziert sein, damit ein harmonischer Mix entstehen kann. Man kann also in derselben Tonlage bleiben (“9A”), eine Tonlage runter (“8A”) oder eine Tonlage rauf gehen (“10A”). Ein springen vom inneren zum äußeren Kreis (“9A” zu “9B”) ist ebenso möglich, solange man sich auf einer Linie befindet.

Ein wichtiger Aspekt beim Harmonic Mixing ist die Kenntniss darüber, dass sich die Tonlage mit Erhöhung oder Verminderung der Geschwindigkeit ändert. Aber auch hier kann zum Glück geholfen werden: Moderne DJ Softwares wie Traktor Pro oder Serato Scratch Live können die ursprüngliche Tonlage beibehalten. Das ganze hört auf den Namen “Key Correction” bzw. “Key Lock”. Nutzer von CDJs sind ebenso nicht aufgeschmissen, denn auch Pioneers CD-Player bieten unter dem Namen “Master Tempo” ein Tonlagenkorrektur.

Die Software selbst ist äußerst puristisch gestaltet und kommt ohne unnötige Zusatzfunktionen aus. Aber gerade das macht sie eben auch so einfach zu bedienen. Einzelne Tracks oder die ganze Bibliothek können eingelesen werden. Das Analysieren geht dabei recht schnell voran, wobei eine komplette Bibliothek mit mehreren tausend Tracks besser über Nacht eingelesen werden sollte, da das ganze dann durchaus mehrere Stunden dauern kann.

Ist das Programm mit der Analyse fertig, wechselt man auf den Reiter “Browse Collection”, indem passende Tracks anhand des Camelot Systems gefiltert und vorgehört werden können.

Da die Software die Tonlage in den Tag (“Key” bzw. “Comment”, je nach Dateiformat) der entsprechenden Audio-Datei schreibt, können Songs auch in Traktor, Serato & Co. nach Tonlage sortiert und gefiltert werden.

Probiert ihr euch dann am ersten “Harmonic Mix”, so werdet ihr schnell feststellen, dass die Software tatsächlich Anregungen für tonal harmonierende Tracks gibt. Ich habe jedoch mit Absicht das Wort “Anregungen” gewählt, denn wir haben in unseren Tests festgestellt, dass die Software des Öfteren auch mal daneben lag – zwar nie weit vom richtigen Key entfernt, dennoch kann nicht von einer absoluten Treffsicherheit geredet werden. Das geübte Ohr bleibt letztlich also immer noch die zuverlässigste Entscheidungsgrundlage bei der Wahl des nächsten Tracks.

Die US-amerikanische Analysesoftware unterstützt eine ganze Reihe an Dateiformaten, wobei die Unterstützung je nach Betriebssystem unterschiedlich ist:

Windows: .m4a (AAC), .mp3, .mp4 (“Key”-Feld kann derzeit nicht von Serato ausgelesen werden), .flac, .wav, .wma

Mac: .aiff (nur Analyse), .m4a (AAC), .m4a (ALAC), .mp3, .mp4 (“Key”-Feld kann derzeit nicht von Serato ausgelesen werden), .wav (kann für Serato getaggt werden)

Mixed in Key kostet $58, was derzeit umgerechnet ca. 44 € entspricht. Auf den ersten Blick mag das viel erscheinen, wenn man jedoch bedenkt, dass dieses simple Tool ein DJ Set ungemein aufwerten kann, ist es die Investition sicherlich wert.

Download und weitere Informationen: www.mixedinkey.com

Rapid Evolution – Die kostenlose Alternative

Rapid Evolution

Wer auf die Benutzerfreundlichkeit von Mixed in Key verzichten kann, dem sei die kostenlose Alternative Rapid Evolution von Mix Share ans Herz gelegt. Wir haben bereits Version 3, derzeit noch im Beta-Status, ausprobiert, die im Gegensatz zu Version 2 etwas aufgeräumter wirkt. Rapid Evolution arbeitet, was die Tonlagenerkennung angeht, mit einer ähnlich hohen Treffsicherheit wie Mixed In Key 5, ist im Gegensatz zu Mixed in Key 5 jedoch nicht so einfach zu bedienen. Die Auswertung kann ebenso im Camelot System erfolgen, wobei man sich hier erst einmal durch das recht schwierige Einstellungsmenü fuchsen muss.

Um Rapid Evolution zur Tonlagenerkennung zu nutzen, empfehlen wir folgende Einstellungen:

Gehe zu “Options” und auf “Settings”. Hier müssen die folgenden Parameter eingestellt werden ...

  • General – Display -  Prefered Key Format: Key Code
  • Library Settings - Tag Writing – Preferred Tag Writing Library: JID3
  • Library Settings - Tag Writing - Tag Write Fields: außer “Write Key To Tags” und “Write Key Codes” alle abwählen

Rapid Evolution unterstützt die Dateiformate MP3, MP4, OGG, FLAC, AAC, WAV und AIF.

Download und weitere Informationen: www.mixshare.com

Key Finder – Kostenlos und aufgeräumt

Keyfinder

Key Finder ist eine weitere kostenlose Alternative zu Mixed in Key. Das Programm wirkt aufgeräumter und etwas leichter zu konfigurieren als Rapid Evolution, kommt aber ebenso nicht an die tolle Oberfläche von Mixed In Key 5 heran. Die Trefferquote in der Erkennung der richtigen Tonlage liegt laut Entwickler Ibrahim Shaath über der von Mixed In Key 5 und Rapid Evolution.

Download und weitere Informationen: www.ibrahimshaath.co.uk/keyfinder/

Zum Schluss sei noch einmal erwähnt, das die softerwareseitige Notenerkennung nur ein Teil auf dem Weg zu einem herausragenden DJ-Set ist. Langjährige Erfahrung, musikalisches Hintergrundwissen zu Genres und Tracks, das Beherrschen der technischen Mix-Grundlagen und ein geschultes Gehör kann keine Software ersetzen.

Kommentare


roy schrieb am 23.02.2012, 21:43

Sehr interessant. Die zuletzt vorgeschlagene Variante ist ja im Zuge einer Masterarbeit entstanden. Gerade hinsichtlich dem, das diese kostenlos ist und zudem laut Entwickler noch akkurater arbeitet, ist diese definitiv einen Blick wert.

Vielen Dank für das Aufdecken dieses Tools, das bislang noch nicht sehr populär war, aber vielleicht wird.

Manuel schrieb am 23.02.2012, 22:17

Habe mich auch mal kurzzeitig mit Harmonic Mixing beschäftigt, bin aber der Meinung, dass die Kunst des DJing’s genau das ist.. zu wissen, was spiele ich wie, wann und wo… wobei sicherlich jeder DJ auch mal in den Haufen gegriffen hat und zu spaet gemerkt hat, dass mal was nicht zusammen passt, aber daran erkennt man wiederum, dass auch DJ’s nur Menschen sind ^^

Es ist eh schon schlimm genug, dass sich jeder der sich ein DJ-Programm runterlädt mittlerweile DJ schimpft, wenn dann noch jeder mit Key-Findern arbeiten kann, sehe ich irgendwann schwarz für die wirklichen DJ’s.

Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass es bei Live-Performance sicherlich hilfreicher ist, wenn man verschiedene Samples und Loops an Keys anpassen kann.

Christoph schrieb am 24.02.2012, 16:21

Man sollte auf der anderen Seite aber auch nicht vergessen, dass Verkaufsplattformen wie z.B. Beatport mittlerweile zu jedem Track die Informationen über BPM, Key usw. dazuschreiben. Da kann man möglicherweise die Investition in “Mixed in Key” auch sparen.

Chad P schrieb am 06.03.2012, 18:28

Beatport does publish the keys, but accuracy can be an issue:  http://blog.dubspot.com/dubspot-lab-report-mixed-in-key-vs-beatport/


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