Ich habe eine Telefonnummer von einem alten Freund in meinem Portmonee. Schon des Öfteren wollte ich ihn anrufen, um mit ihm über gemeinsam erlebtes zu reden. Gestern konnte ich mich endlich dazu durchringen, seine Nummer zu wählen. Leider bekam ich von einer kühlen Maschinenfrau gesagt “Kein Anschluss unter dieser Nummer!”
Wieso ich euch davon erzähle? Weil ich eine gnadenlos gute Überleitung zu unserem nächsten Thema gesucht habe. Es geht nämlich um Anschlüsse bzw. “Wie schließe ich mein Equipment richtig an?” Damit euch euer PC nicht sagt “Kein Anschluss unter dieser Nummer” gehen wir die einzelnen Schritte zusammen durch.
Nachdem wir uns im letzten Beitrag mit dem Nutzen und den Grundfunktionen der einzelnen Komponenten eures Homestudios vertraut gemacht haben, geht es nun darum, wie sie untereinander verbunden werden und zusammen agieren.
Es gilt also PC/Laptop, Audiosoftware, Audiointerface, Studio-Mikrofon, Studio-Monitorboxen, Studio-Kopfhörer und Midicontroller miteinander zu verbinden.
Zuerst müsst ihr auf eurem PC/MAC die entsprechende Audiosoftware installieren. Wie genau die Installation abläuft, ist ausführlich in der beiliegenden Gebrauchsanweisung erklärt und vor allem wirklich nahezu selbsterklärend. Man wird bei jeder Software durch ein Menü geführt in dem ihr den Installation-Ordner festlegt, unter Umständen einen temporären Ordner, in dem die Software ihre Anwendungsdateien, Vorgänge etc. abspeichert und gegebenenfalls einen Ordner für eure virtuellen Instrumente und/oder eine Soundlibrary.
Nachdem dieser erste Schritt erledigt ist, kümmern wir uns um das Audiointerface.
Die meisten Audiointerfaces werden mit einer Treiber CD ausgeliefert und auch hier wird natürlich eine Gebrauchsanweisung beiliegen. Es empfiehlt sich aber, direkt auf der Herstellerseite nach einem aktuellen und passenden Treiber für euer System zu schauen. Ohne diesen könnte es zu Komplikationen bei oder nach der Installation kommen. Sobald ihr auf dem neusten Stand seid, öffnet ihr die Audiosoftware und unter den “Einstellungen” oder “Preferences” schaut ihr nach, wo ihr die Soundaus- und eingabe einstellen könnt. Dort sucht ihr nach dem ASIO-Treiber eures Audiointerfaces. Viele dieser Soundkartentreiber haben ein eigenes Control-Fenster, in dem ihr Feineinstellungen vornehmen könnt. ASIO, das steht für Audio Stream Input/Output und wurde von Steinberg (Hersteller von Cubase) entwickelt. Er ermöglicht euch erst den Zugriff auf die Mehrkanalfunktion der Soundkarten und sorgt für geringe Latenzzeiten. Dies muss aber dem System entsprechend konfiguriert werden. Mich erreichen viele Fragen von Kunden, die sich wundern, dass obwohl sie sich ein gutes Audiointerface gekauft haben, dennoch Knacken, Summen und Kratzen zu hören. Dies liegt genau an diesen ASIO-Treiber Einstellungen. Solltet ihr damit Probleme bekommen, spielt ein bisschen mit den Einstellungen(inbesondere mit den Latenzen) , nutzt die Internet-Foren des Herstellers für optimale Beratung oder fragt mich hier im Blog.
Für Mac OS X werden übrigens in den Meisten Fällen CORE-Treiber mitgeliefert. Die Einstellungsoptionen für euer Audiointerface sind aber ziemlich ähnlich.
Wenn ihr nun aufnehmen wollt, müsst ihr nur noch in der Spur, die bespielt werden soll, den Input-Kanal eures Audiointerfaces auswählen, an dem das gewünschte Instrument/Mikrofon angeschlossen ist.
Das Anschließen des Mikrofons ist denkbar einfach. Via XLR-Kabel geht ihr einfach in einen der Input-Kanäle eures Audiointerfaces. Sollte es sich um ein Studio-Mikrofon handeln, vergesst nicht, die 48 V Phantomspeisung an eurem Soundinterface einzuschalten, ansonsten werdet ihr kein Signal bekommen. Über andere Anschlüsse wie 6,3 mm Klinke oder Cinch-Kabel könnt ihr wahlweise Gitarren, Synthesizer oder andere Instrumente mit dem Interface verbinden.
Geht es um das Mischen und Mastern eurer Songs, solltet ihr euch für Studio-Monitore entscheiden. Ich empfehle euch zudem, ein Interface zu kaufen, das über zwei separate Stereo-Ausgänge bzw. Master-Output 1 und Master-Output 2 verfügt. Viele Studio-Monitore bieten euch eine breite Palette an Anschlussmöglichkeiten. Das heißt, sie können über XLR, Cinch oder 6.3 mm Klinke angeschlossen werden. Die Eingänge eurer Studio-Monitore verbindet ihr dann mit dem Master-Output 1. Habt ihr eine Stereoanlage daheim stehen? Wenn dem so ist, verbindet sie mit dem Master-Output 2. Ihr habt so wirklich eine gute Kontrolle über den Klang eurer Tunes. Über die Monitorboxen bekommt ihr einen linearen Klang und über eure Stereoanlage in etwa das Ergebnis geliefert, wie es ein Großteil der Hörer eurer Musik bei sich Daheim wahrnehmen können.
Ich denke, fast jeder von euch hat schon mal Musik über einen Kopfhörer genossen. Wie man diesen anschließt ist kein großes Geheimnis. Den Klinkenstecker in die dafür vorgesehene Buchse am Audiointerface und los geht’s. Das hättet ihr gewusst, nicht wahr? Aber hättet ihr auch gewusst, dass euch viele Audiointerfaces die Funktion bieten, zwischen 2 Abhöroptionen hin und her zu schalten? Stellt euch vor, ihr habt einen Gitarristen im Homestudio sitzen und möchtet diesen für einen Tune recorden. Ihr könnt davon ausgehen, dass der Gitarrist sich direkt im Kopfhörer hören will, ohne auch nur eine Millisekunde Verzögerung. Verzögerung? Ja, denn wie ich bereits beschrieben habe, gibt es so genannte Latenzzeiten, die ihr zwar mit den ASIO-Treibern in den Griff bekommen könnt, aber ein wenig Verzögerung wird wahrscheinlich immer übrig bleiben.
Um das mal extrem darzustellen: Wenn die ASIO-Treiber schlecht eingestellt sind, kann es vorkommen, dass der Gitarrist eine Seite anspielt und den Klang im Kopfhörer erst 5 Sekunden später hört. Das ist natürlich keine Voraussetzung für eine “taktvolle” Aufnahme. Um dies zu umgehen, gibt es die Möglichkeit, am Audiointerface auf “Direct-Monitoring” umzustellen. Das Audiosignal, was aufgenommen wird, wird nun nicht mehr erst an den PC und wieder zurück geschickt, sondern direkt bei der Aufnahme abgehört. So hört der Gitarrist sich ohne Verzögerung und ihr könnt mit einer gescheiten Aufnahme rechnen.
Letzter Punkt auf der Liste ist der MIDI-Controller bzw. das MIDI-Keyboard. Ebenfalls über USB wird das Gerät einfach an euren PC/MAC angeschlossen. Auch hier gilt: die aktuellsten und fürs System passenden Treiber von der Herstellerseite runterladen. In eurer Audiosoftware solltet ihr unter “Einstellungen” nachsehen, ob es etwas ähnliches wie “MIDI-Setup” gibt. Dort wählt ihr euer Gerät aus und seid nun bereit, eure Software mit einem MIDI-Controller zu bedienen.
Schreiben ist die eine Sache. Um es euch die ganze Sache auch bildlich nocheinmal näher zu bringen, habe ich mit Hilfe unserer Grafikabteilung für euch einen kleinen Schaltplan erstellt.
Ich hoffe, dass euch die Beschreibung ein wenig weiterhelfen kann und ich damit ein Paar grundlegende Fragen beantworten konnte.
Kategorie: Producing
Tags: studio, studio-equipment, producing, home-recording, producing software
Kommentare: 2
Kommentare
steven S. schrieb am 06.12.2010, 23:27
kann man mit dem midi controller den beat/melodie oder den gesang erändern ? und welches audiosoftware wär den gut zum aufnehmen ?








Dj Danny Cham, Oberpfalz schrieb am 16.09.2010, 20:16
Detailiert beschrieben, verständlich für jedermann. Vielen Dank.