Von einem anderem Stern
Der Hersteller AIAIAI hat bei der Namensvergabe seines TMA-1 lange gesucht und viel Phantasie investiert. Schlussendlich ist man beim Science Fiction Klassiker von Stanley Kubrick fündig geworden: In seinem Meisterwerk "2001 – A Space Odysee" wird auf der Mondoberfläche von amerikanischen Astronauten eine magentische Unregelmäßigkeit entdeckt (Tycho Magnetic Anomaly-1), die von einem schwarzen Monolithen herrührt. Monolithen werden in dem Buch von einer Alienrasse für sehr langlebiege und verlässliche Maschinen verwendet, die so gut wie unzerstörbar sind.
In unserem Fall stecken weniger Aliens hinter der Idee, einen robusten und langlebigen Kopfhörer zu entwickeln, sondern vielmehr ein junges Team aus Dänemark, die sich zum Ziel gemacht haben, das ultimative Vorhörwerkzeug für die DJs dieser Welt zu entwickeln. 2005 wurde die Schmiede in einem alten Industriekomplex eröffnet – und oben drüber der passende Club dazu. Dadurch konnten DJs ihre Erfahrungen in die Produktentwicklung von AIAIAI einfließen lassen. Wer jetzt eine großangelegte Marketing-Ausschlachtung befürchtet, der irrt, denn interessanterweise wurden hierfür keine kommerziellen Aushängeschilder aus dem Mainstream-Elektrobereich gewählt, die mit dem Kopfhörer unglaubwürdig schief grinsend die Werbetrommel rühren. Vielmehr sieht man die "wirklich coolen Jungs" der Szene (Untergrundhelden klingt so abgedroschen), wie beispielsweise Seth Troxler oder Matthew Dear, die auf der Herstellerseite auf eine sehr sympathische Art und Weise über die Vorzüge des TMA-1 berichten. Und sie sind nicht die einzigen, die in den letzten Tagen bei ihren Gigs vermehrt mit dem TMA-1 beim Auflegen "erwischt" wurden. Ein Grund mehr für uns der sagenhaften Odysee des mysteriösen, schwarzen Kopfhörer nachzugehen.
Features
- dynamische, geschlossene Kopfhörer
- Treiber: 40 mm
- Frequenzgang: 20 - 20.000 Hz
- abnehmbares Spiralkabel, 3,5 mm Klinke auf beiden Seiten
- austauschbare Ohrpolster
- Gewicht (ohne Kabel): 190 g
Stilsicher
Selten habe ich so einen stylischen Hingucker in Verpackungsform auf dem Schreibtisch liegen gehabt. Der komplett in schwarz gehaltene Karton zeigt die darauf verborgenen Zeichen ("Play", "Stop", "Record", "FFW" und "BWD") erst bei entsprechender Lichteinstrahlung, da sie per UV-Lack aufgetragen wurden. Lediglich eine Banderole um den Karton gewährt einen Vorgeschmack auf den Inhalt. Merkwürdig, dass sich AIAIAI bei solch einem tollen Verpackungsdesign den Fauxpas erlauben, dass der auf der Banderole aufgedruckte QR-Code nicht funktioniert und zu einer "Page not found"-Seite weiterleitet.
Nicht nur die Verpackung, sondern auch der Verpackungsinhalt macht auf den ersten Blick einen überzeugenden Eindruck: Der TMA-1 wirkt urban und erinnert tatsächlich an ein Abhörinstrument aus dem All. Das Sennheisers HD 25 bei der Gestaltung Pate stand, wird schnell klar, vermittelt der TMA-1 doch einen ebenso schlichten, funktionellen und robusten Eindruck wie Sennheisers mobiler Abhörklassiker. Der AIAIAI TMA-1 ist im Gegensatz zum Sennheiser HD 25 jedoch noch ein Stück spartanischer ausgestattet, denn der Däne ist im Grunde aus einem Guss. Der Bügel, bestehend aus Hartkunstoff mit gummierter Oberfläche, ist tatsächlich eine einzige Einheit. Dadurch ist der TMA-1 natürlich nicht wie der Konkurrent aus dem Hause Sennheiser in seine Einzelteile zerlegbar, wirkt dafür aber auch ein Stück weniger mechanisch. Die Ohrmuscheln sind zwar abziehbar, lassen sich aber aufgrund des fest angebrachten Kabels nicht entfernen. Schade, wäre es doch sicher möglich gewesen, ein steckbares Kabel zu verbauen. Ohrpolster, von denen im Lieferumfang ein Ersatzpaar enthalten ist und das Verbindungskabel (spiralförmig) zum Mischpult lassen sich glücklicherweise tauschen. Beim Abnehmen der Ohrpolster stellt sich dann noch eine Besonderheit heraus: Die Ohrpolster werden durch Knöpfe gehalten und müssen nicht über oder in die Muschel gezogen werden, was sich als äußerst praktisch erweist.
Klick, Klack, Klapp?
Über einen Klappmechanismus, wie ihn beispielsweise der Reloop RHP-20 hat, verfügt der TMA-1 nicht. DJs, die gerne dauerhaft eine Ohrmuschel hinter das Ohr klappen, lege ich daher den TMA-1 nicht ans Herz. Für all diejenigen, die beim Auflegen sowieso nur eine Ohrmuschel hinter das Ohr "schieben", ist der TMA-1 wiederum gut geeignet. Dadurch, dass der Kopfhörer über einen durchgehenden und stabilen Bügel verfügt, lässt sich die Ohrmuschel rasch hinter das Ohr "wischen", ohne dass der Kopfhörer großartig verrutscht.
Sitz und allgemeiner Tragekomfort des Kopfhörers sind zufriedenstellend, wenn auch nicht überragend. Die Ohrmuscheln üben einen dezenten Druck auf die Lauscher aus und fliegen auch bei diversen Head Bangin' Aktionen nicht quer durch den Club. Lediglich der Kopfhöreranschluss könnte sich lösen, da AIAIAI als Steckverbindung einen 3,5 mm Stecker benutzt, der nicht extra in der Ohrmuschel verriegelt wird.
Summa sumarum: Sitzt, passt und hat Luft. Als HiFi-Kopfhörer zum gemütlichen Lauschen im Sessel wäre er mir auf Dauer aber zu unbequem. Vor allem der Bügel drückt aufgrund fehlender Polsterung auf den Kopf. Der Kopfhörer ist letztlich ähnlich wie der Sennheiser HD-25 als Arbeitstier anzusehen. Im direkten Vergleich kommt der AIAIAI TMA-1 jedoch eine Spur besser weg als der Sennheiser HD 25, da er vor allem auf den Ohren nicht so unangenehm drückt wie das zuweilen beim Sennheiser HD 25 der Fall ist.
Laut, lauter, TMA-1
Der TMA-1 hat definitiv mächtig Dampf. Ich wage mich einmal so weit aus dem Fenster zu lehnen und zu behaupten, dass der TMA-1 einer der lautesten Kopfhörer auf dem DJ-Markt ist.
Im Vergleich zum Sennheiser ist der Däne deutlich bassverstärkter, was mir persönlich sehr gut gefällt, denn der Sound erscheint in den unteren Frequenzen "saftiger" und druckvoller. Dafür gibt es leichte Einschränkungen, was die Höhen und Mitten anbelangt. Insgesamt kommt der TMA-1 also nicht so transparent und brilliant rüber wie Sennheisers HD 25.
Pro/Contra
Pro
- schickes Design
- äußerst leicht (190 g)
- hochwertige Verarbeitung
- druckvoller, basslastiger Klang
Contra
- nicht komplett zerlegbar
- Höhen und Mitten etwas intransparent
Fazit
Das Fazit zum AIAIAI TMA-1 fällt nicht leicht, denn die Meinungen über den schicken Dänen gehen in unserer Abteilung weit auseinander. Auf der einen Seite verfügt der TMA-1 über eine wirklich enorme Ausgangsleistung mit einer sehr dicken Basswiedergabe und einem wirklich schickes Design. Auf der anderen Seite muss man beim TMA-1 Abstriche in Sachen Brillianz und Transparenz im Sound hinnehmen, was einige meiner Kollegen sichtlich enttäuschte.
Wem das Produktdesign des Sennheiser HD 25 gefällt und nach einer basslastigeren Alternative zum Sennheiser sucht, der sollte auf jeden fall den TMA-1 ausprobieren. Wer jedoch eine ähnliche hohe Transpazenz wie die des Sennheiser HD 25 erwartet, sollte besser bei eben jenem Klassiker bleiben.
Meinen Geschmack trifft der AIAIAI TMA-1 definitiv, denn die Basswiedergabe ist wirklich satt. Und vom Design habe ich in diesem Artikel bereits mehr als einmal geschwärmt.
AIAIAI TMA-1
- 40 mm Treiber
- druckvoller, basslastiger Klang
- Kabel und Ohrpolster tauschbar
Kommentare
Daniel schrieb am 21.11.2011, 11:25
Hallo René, derartige Probleme hatten wir im Test des AIAIAI TMA-1 mit dem iPhone 4 nicht. Deine Problembeschreibung klingt ganz danach, dass der Stecker des TMA-1 nicht richtig in deinem iPod/iPhone saß. Bei manch abgerundeten Apple Geräten kann es bei etwas dickeren Steckern, wie DJ-Kopfhörer sie in der Regel haben, zu Problemen kommen. Prinzipiell funktioniert der AIAIAI TMA-1 aber problemlos mit iPod und iPhone. An welchem iPod/iPhone (welches Modell) traten denn die Probleme auf?
René schrieb am 22.11.2011, 1:02
Hallo Daniel,
das Problem trat mit einem HTC Desire HD Smartphone auf. Ich hatte allerdings am Wochenende noch mal die Möglichkeit die TMA-1 Fool’s Gold Edition am Handy zu testen und diesmal hat alles wunderbar funktioniert. Denke auch, dass es am Stecker lag und er nicht so einen guten Kontakt hatte.
Trotzdem danke.
Simon schrieb am 28.04.2012, 15:28
Hi,
also ich habe den TMA-1 heute geliefert bekommen. Wollte mir das schicke Teil mal als Alternative zu meinem Sennheiser HD-25 ansehen bzw. anhören.
Und ich muss zugeben: Nach 2 Stunden liegt der TMA-1 schon wieder in seiner Verpackung bereit zum Rückversand. Ich muss eurem Testergebnis absolut zustimmen, so einen basslastigen Sound bei einem Kopfhörer habe ich noch nicht erlebt. An sich ist das ja nichts schlechtes, da aber die Höhen und Mitten dabei (nach meiner Einschätzung) extrem auf der Strecke bleiben, ist es schwer sich damit anzufreunden.
Man muss aber noch bemerken: Verarbeitung, Design, Handling: Alles TOP! Wenn der Sound dann noch so schick wäre wie beim Sennheiser gäbe es glaube ich keinen besseren Kopfhörer. Schade!









René schrieb am 17.11.2011, 19:36
hallo, danke für den schönen test. ich war heute gleich mal im plattenladen und hab sie probegehört. habe sie auch mal an meinem handy angeschlossen um eigene musik zu testen. allerdings war der sound sehr merkwürdig im gegensatz zum turntable (starker hall im sound und kraftlos). man sagte mir, da es dj kopfhörer sind, würden diese nicht am ipod, iphone und co funktionieren. allerdings sagt da die aiaiai homepage was anderes und es gibt ja sogar das mikrofonkabel.
nun weiß ich nicht, ob es am kabel/stecker lag oder an meinem handy. habt ihr da entsprechende erfahrungen gemacht?