Seit über 40 Jahren stellt Allen & Heath Mischpulte für Musiker und deren Live-Auftritte her. Mit der Xone Reihe konnte sich der britische Hersteller auch unter DJs etablieren und gehört, neben den DJ-Mischpulten von Pioneer, zu den Standardanfordungen vieler nationaler und internationaler DJs. Der herausragende, warme Klang, die qualitativ hochwertige Verarbeitung und die bislang unerreichten VC-Filter setzen dabei seit einigen Jahren Maßstäbe.
Aber nicht nur mit analogen Mischpulten hat sich Allen & Heath einen Namen gemacht, sondern auch als Hersteller von DJ-Controllern. Ob Xone 1D oder Xone 4D, sie alle werden von Profis wie Chris Liebing genutzt und geschätzt. Der Xone DX ist der jüngste Spross in der Allen & Heath-Controllerfamilie - mal abgesehen vom Xone DB, der zwar auch über eine MIDI-Schnittstelle verfügt, aber von der Herangehensweise dann doch mehr Mischpult als Controller ist - und seit gut einem Jahr erhältlich.
Der Xone DX kommt gebündelt mit Serato Itch und war zu seiner Veröffentlichung der erste Vier-Kanal-Controller für Itch. Von der Vorstellung vor über einem Jahr bis jetzt sank der Preis des Allen & Heath Xone DX konstant: von anfänglich 1249 € auf mittlerweile 799 €. Eine Preisentwicklung, die möglicherweise als Reaktion auf die Vorstellung des Native Instruments Traktor Kontrol S4 galt.
In diesem Review beleuchte ich für euch einige Features und versuche den DX mit Native Instruments Traktor Kontrol S4 zu vergleichen.
Features
- professioneller MIDI/USB-Controller
- entwickelt in Zusammenarbeit mit Serato
- 4-Kanal Layout
- zwei Dual-Layer-Deck Simulator
- 20-Kanal USB Soundkarte
- 24-Bit/96 kHz Audio System
- 168 individuelle MIDI-Befehle verfügbar
- RIAA/Phono Eingänge für externe Decks
- symmetrische sowie asymmetrische Ausgänge
- separater Monitor-Ausgang
- kompatibel mit allen gängigen DJ Softwares
- integriertes Hardware MIDI-Interface
- hoch qualitative Fader
- Inkl. Serato ITCH Software
Lieferumfang
Der Xone DX kommt im gelb-weiß-bedrucktem Karton. Zum sicheren Transport werden bei Allen & Heath übrigens nicht wie bei vielen Herstellern üblich Styroporschienen verwendet, sondern weiche Schaumstoffstützen.
Als Zubebör liegen ein USB-Kabel und ein Netzteil bei. Das Netzteil ist auch notwendig um den Xone DX zu betrieben, nur mit USB-Strom geht beim DX kein Lämpchen an.
Die Anleitung ist recht spartanisch gehalten. Wer mehr als grundlegende Installationshilfe benötigt, wird sich wahrscheinlich eh im Internet umschauen. Das Xone-Forum ist hier eine gute Anlaufstelle.
Vor der Installation empfiehlt es sich die aktuellelste Version von Serato Itch von serato.com zu laden.
Der erste haptische Eindruck
“Wow, dieser Controller ist ziemlich Massiv” ist der erste Gedanke, der mir nach dem Auspacken des Xone DX durch den Kopf geht. Es handelt sich bei dem DX um Profi-Werkzeug. Die Verarbeitungsqualität ist herausragend: Kein Plastik, kein knatschen, passende Spaltmaße. Alle Potis wurden mit der Topplatte verschraubt, sodass bei Belastung der Druck von der Platine genommen wird. Dieser Controller besitzt Qualität und strahlt Wertigkeit aus.
Trotz der vielen Features ist der Xone DX erstaunlich kompakt geblieben. Wenn der Xone DX und der Traktor Kontrol S4 nebeneinander stehen, stellt man fest, dass der Xone DX deutlich kleiner ist, aber dennoch aufgeräumt wirkt. Hier haben die Ingenieure von Allen & Heath gute Arbeit geleistet.
Ein weiterer Vorteil der kompakten Bauweise: Der Xone DX ist ähnlich groß wie ein Plattenspieler, was sich vor allem im Club als praktisch herausstellt. Somit kann der Plattenspieler beispielsweise einfach beiseite geräumt werden und durch den Xone DX ersetzt werden.
Anschlüsse, Routing und Audio-Interface
Kurz und Knapp: Dieser Controller bzw. das Audio-Interface klingt einfach wie guter Sound klingen muss. Wer den Klang der Xone-Mischpulte mag, wird auch beim Xone DX nicht enttäuscht. Auf meinen Monitorboxen klingt der Sound satt und präzise.
Lobenswert ist zudem die Anschlussvielfalt des Audio Interfaces. Jeweils 10 Ein- und Ausgänge plus Kopfhörer- und Mikrofonkanal kann der Xone DX verbuchen. Es können somit genügend Quellen angeschlossen werden.
Der Master Ausgang steht in symmetischer XLR-Ausführung, in Cinch und sogar als optisch digitaler Ausgang zur Verfügung. Alle weiteren Ausgänge(Booth, Aux, Cue) wurden als vergoldete Cinch Stecker integriert. Hier unterscheidet sich der Xone DX vom Traktor Kontrol S4: Es gibt einen Monitorausgang. Das heißt, ein Anschluss des Controllers an das Club-Mischpult ist nicht nötig um den Monitor getrennt vom Master Signal zu regeln. Ihr könnt den Xone DX somit direkt an die PA anschließen.
Als Eingänge stehen vier Stereo-Kanäle in Cinch, von denen drei auf Phono geschalten werden können und ein digitaler Input zur Verfügung.
Auf der Vorderseite befinden sich Kopfhörerausgang in 3,5 mm- und 6,3 mm-Ausfürhung und der Mikrofoneingang. Dem Mikrofoneingang wurde ein Equalizer spendiert, mit dem ihr das Signal in den Höhen und Tiefen und natürlich die Lautstärke anpassen könnt. Das bietet nicht jeder Controller. Schade ist, dass die Mikrofonpotis nicht wie beim Traktor Kontrol S4 versenkbar sind.
Buttons, Potis, Encoder, Jog Wheels und mehr
Alle Buttons, Potis und Encoder sind gut angeordnet und haben eine angenehme Griffigkeit. Man fühlt sich sofort heimisch an diesem Controller. Vor allem die großen Play- und Cue-Buttons fallen ins Auge. Diese reagierten in meinem Test sehr präzise und haben eine optimale Größe. Beim Kontrol S4 hingegen heben sich die häufig verwendeten Play- und Cue-Buttons nicht von den restlichen Buttons ab. Beim DX erwecken sie das vertraute Gefühl eines CDJs.
Die beiden Jog-Wheels sind sehr minimalistisch gehalten. Mit ihnen ist lediglich ein Pitch-Bend und das schnelle Suchen im Track möglich. Die Scratch-Funktion ist softwareseitig nicht aktiviert, was bei der simplen Jog Wheel-Konstruktion auch nicht weiter verwundert.
Schön ist die LED-Hintergrundbeleuchtung des Xone DX. Diese ändert sich bei einem Deck-Wechsel unmittelbar in eine andere Farbe. Ebenso wie die LED-Beleuchtung bei laufendem Track, die um das Jog Wheel läuft. Bei meinem Testgerät schleifte ein Jog Wheel bei stärkerem Druck übrigens leicht am äußeren Rand, was wohl grundsätzlich an der Konstruktion der Jog Wheels liegt, aber nicht weiter schlimm ist. Zum einfachen Pitchbenden sind die Jog Wheels ausreichend.
Die Taster der Hot-Cues und Effekte haben einen „langen Schaltweg”. Das hat zur Folge, dass die Taster nicht sofort auf Betätigung reagieren, sondern noch etwas Spiel in der Mechanik haben. Dies ist sicherlich Geschmackssache, aber ich finde es optimaler, wenn die Reaktion – gerade bei Hot-Cues – unmittelbar erfolgt.
Die Jog Wheels und die Hot Cue-Sektion zeigen die deutliche Ausrichtung des Xone DX in Richtung Techno, House und Minimal. Hier sind ein Native Instruments Traktor Kontrol S4 oder Reloop Jockey 3 dank hochauflösender Jog Wheels und der besseren Hot Cue-Sektionen universeller einsetzbar.
Pitchfader sucht man beim Xone DX vergeblich. Dafür gibt es pro Deck einen Encoder. Am Anfang war ich noch skeptisch, was dieses Feature betrifft, aber nach ein wenig Zeit, konnte ich damit sehr gut arbeiten. Allgemein Beeindrucken die vier Line-Fader und der Crossfader auf dem Xone DX. Die Line Fader sind ein ganzes Stück länger als die vom Kontrol S4.
Auch die Loop Sektion ist gut gelöst: Es können sowohl manuelle Loops per In/Out, vordefinierte Loops als auch Roll Loops über einen Push Encoder gesetzt werden.
Ein kleines Highlight bieten die Vorhör-Buttons der einzelnen Kanäle. Wenn ein Track neu auf ein Deck geladen wird, leuchtet sofort die LED am Cue-Button und der Kanal ist ohne direkten Knopfdruck bereit zum vorhören. Ebenso intelligent wurde auch der Deck Switch gelöst. Ein Wechsel erfolgt automatisch beim Cuen des jeweiligen Kanals. Die Betätigung des Layer-Buttons entfällt somit.
Serato Itch
Itch ließ sich ohne Probleme installieren und war direkt einsatzbereit. Zusätzliche Treiber für den Xone DX sind nicht zu installieren, da diese in Itch integriert wurden. Normalerweise bin ich ja überzeugter Nutzer von Traktor, aber von dem aufgeräumten Aussehen von Seratos Software war ich doch sehr überrascht. Es ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, wenn man an Traktor gewöhnt ist, aber die Übersichtlichkeit, auch bei kleineren Laptop-Monitoren, ist ein Vorteil gegenüber Traktor.
Für alle, die noch nie mit Itch gearbeitet haben, sei gesagt, dass Itch nur mit entsprechend zertifizierten Controllern funktioniert. Startet man die Software ohne angeschlossenen Controller, ist lediglich das Sortieren und Vorhören von Tracks möglich.
Lange Zeit war Itch, was den Funktionsumfang angeht, etwas hinter Traktor her. Mit Einführung des Xone DX (und einem Update auf Itch 1.6) hat sich da aber mittlerweile einiges getan. Das Update brachte Beatgrids in Itch und eine Reihe an Effekten. Die Effekte sind zwar nach wie vor nicht ganz so ausgefeilt wie in Traktor, klingen aber keineswegs schlecht. Ansonsten wartet Itch beispielsweise ebenso mit Cue Punkten und einer Auto Gain-Funktion auf. Sehr gut gefällt mir auch die Möglichkeit in der Musik-Bibliothek zu navigieren. Ohne die Maus zu benutzen, kann man mit den Buttons auf dem Xone DX über mehre Ebenen navigieren. Was leider immer noch fehlt, ist ein Snap-Modus zum beatgridgenauen setzen von CUE-Punkten und eine Quantize-Funktion beim Springen zwischen CUE-Punkten. Hoffen wir mal, das Serato mit Itch 2.0 hier nachbessern wird.
Xone DX und Traktor
Der Xone DX kann auch in Traktor genutzt werden. Hierfür gibt es von Allen & Heath ein “offizielles Mapping” Natürlich hat der S4 im direkten Funktionsvergleich einige Vorteile in Traktor, aber auch hier muss sich der Xone DX nicht verstecken. Das Layout wurde sicherlich bereits bei der Entwicklung mit einem schielenden Auge auf Traktor konzipiert.
Pro/Contra
Pro
- Format und Verarbeitung
- Perfektes Layout für einen 4-Kanal-Mixer
- Optimale Zusammenarbeit mit Itch
- Taster/Potis zur Navigation in Musik-Bibliothek
- Gute Einbindung der Effekt-Einheiten
- Große Play- und Cue-Taster
Contra
- Jog Wheel sehr einfach konstruiert, kein Scratchen möglich
- Kein Filter-Poti Pro Kanal
- Lange Schaltwege bei manchen Buttons
- Kurze LED Ketten
Fazit
Nach kurzer Eingewöhnungszeit als Traktor User bin ich sehr gut mit Serato Itch klar gekommen. Das Layout ist klar angeordnet, somit bleibt kaum Platz für Missverständnisse. Die LED-Beleuchtung hilft hier ebenfalls.
Wer einen soliden 4-Kanal Controller sucht, der die Möglichkeiten von Serato Itch ausschöpft, der ist mit dem Allen & Heath Xone DX gut bedient, sofern das musikalische Hauptaugenmerk auf Techno, House oder Minimal liegt. Denn die verbauten Jog Wheels haben keine Scratch Funktion und auch die Hot Cue-Taster sind nur bedingt zum Triggern geeignet.
Neue Funktionen, die Traktor Pro bietet, können mit dem S4 logischerweise besser bedient werden. Trotz dessen ist der Xone DX auch als Traktor Controller vernünftig einsetzbar und bietet damit die Möglichkeit die Welten von Itch und Traktor gleichermaßen zu erkunden.
Allen & Heath Xone DX
- Kompakte und robuste Bauweise
- Sehr gute Klangqualität
- Inkl. Serato Itch
Kategorie: Produkttests Digital Mixing
Tags: traktor, midi-controller, dj controller, native instruments, serato itch, allen & heath, kontrol s4, xone dx
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