Im Test: Gemini CDJ-700

 
Im Test: Gemini CDJ-700

Der Doppelgänger

Pioneer hat mit seiner CDJ-Reihe für den Clubstandard gesorgt, wenn es um die Ausstattung der DJ-Kanzel mit professionellen CD-Playern geht. Genau wie bei seinen Mischpulten hat sich das Layout der Player durch die hohe Frequentierung in den Clubs dieser Welt längst in die Gehirne der DJs eingebrannt. Logisch, dass die Alternativprodukte am Markt zumindest eine ähnliche Anordnung der einzelnen Bedienelemente aufweisen. Ähnlichkeiten besitzt der Player aus dem Hause Gemini schon beim Namen: Der CDJ-700 schlüpft ganz bewusst in die Doppelgängerrolle vom Pioneer CDJ-2000 und möchte die kauffreudige Kundschaft, die nach der Suche nach einem equivalenten Pioneer-Player ist, mit dem bestmöglichsten Pioneer-Gefühl bei einem Preis von 559 Euro locken. „We gave it a Pioneering Touch“ lautet daher auch der Werbeslogan für den CDJ-700. Wir haben uns das aktuelle Flaggschiff aus dem Hause Gemini einmal näher angeschaut, um das Gerät auf die angestrebten Eigenschaften zu testen.

Features

  • Multi-Format Wiedergabe von MP3, AAC, WAV und AIFF Audio Dateien auf CD, SD-Karte und USB-Speicherkarte
  • Großes, berührungsempfindliches Jog Wheel
  • MIDI-fähig
  • integrierte 24-Bit/192 kHz Soundkarte

Ein Tausendsassa

Nachdem ich den CDJ-700 aus seiner Umverpackung befreit habe, kommt schon das erste „Pioneering“-Gefühl in mir auf. Haben die Produkt- und Pressefotos schon eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Vorbild, so verstärkt sich dieser Eindruck, sobald der Kartondeckel geöffnet wird. Der Gemini-Vertreter ist jedoch schon für einen Drittel von dem Preis erhältlich, zu dem der CDJ-2000 angeboten wird und sollte demnach vor allem für die Heimanwender eine interessante Alternative sein, die sich auf ihre anstehenden Gigs „pioneerfreundlich“ vorbereiten wollen.

Zumindest formell auf dem Datenblatt befinden sich beide Player auf Augenhöhe, was die technischen Spezifikationen anbelangt. So ist der Gemini CDJ-700 ebenfalls ein wahrer Tausendsassa, wenn es um die Kompatibilität der Abspielmedien geht. MP3, WAV, AAC und AIFF lauten die kompatiblen Formate, mit denen der CDJ arbeiten kann. Gefüttert wird das Gerät entweder per CD, USB oder SD-Card. Für Freunde des Digitalen DJings ist es mit dem CDJ-700 möglich, ohne eine externe Soundkarte seine DJ-Software ansteuern zu können, denn einerseits dient der auf der Geräterückseite befindliche USB-Anschluss der MIDI-Steuerung, andererseits ist in dem Player zusätzlich eine 24-Bit Soundkarte verbaut, über die das Audiomaterial aus eurer DJ-Software an ein Mischpult geroutet werden kann. Ein Mapping für Traktor und Virtual DJ gibt es im übrigen auf der Herstellerseite, genauso wie den passenden ASIO-Treiber.

Das große Jog Wheel mit dem berühmten LED-Kranz, der die aktuelle Position vom Cue-Punkt anzeigt und, wie bei Pioneer bekannt und beliebt, einen rotierenden Plattenteller simuliert, ist auch beim Gemini-Vertreter vorhanden. Der Widerstand vom Jog Wheel lässt sich mittels Jog Adjust Poti einstellen, genauso wie die Start- und Stoppzeitzeiten eines Tracks über zwei dedizierte Potis reguliert werden können. Weitere Merkmale von dem CD-Player sind das Touch Display, eine integrierte Effektsektion mit insgesamt 6 Effekten und ein Slip-Modus, mit dem Backspins nach dem Loslassen des Jog Wheels wieder korrekt quantisiert im Takt gespielt werden. Die obligatorische Loop Funktion darf genauso wenig fehlen, wie die drei Hot Cue Bänke und der Reverse-Taster.

Die Hardware im Test

Das Gehäuse vom CDJ-700 hinterlässt schon einmal einen robusten und ordentlichen Eindruck. Auch die wohl wichtigsten Tasten an einem DJ-CD-Player, was zweifelsohne die Play/Pause und Cue Tasten sind, verfügen erfreulicherweise über einen angenehmen Widerstand, lassen sich daher gut anspielen und verdienen durchaus das Prädikat „hochwertig“. Alle weiteren Bedienelemente mit Druckfunktion sind allerdings mit simplen Kunststofftastern versehen, die einen recht „einfachen“ Eindruck hinterlassen. Die Drehregler, die generell keine gummierte Oberfläche aufweisen, fühlen sich bei längerer Benutzung recht hart an. Der Pitchfader ist für meinen Geschmack eine Spur zu leichtgängig. Schade, dass Gemini die qualitativ hochwertigen Play- und Cue Taster nicht auch für die weiteren Bedienelemente verwendet hat.

Das Jog Wheel im Test

Mit seinem Durchmesser von 17 cm besitzt das Jog Wheel vom CDJ 700 eine wirklich ordentliche Größe. Das verbaute Kugellager erweist sich insofern als glücklich gewählt, als dass auch ein hohes Auflagegewicht auf der Oberseite des Jog Wheels nicht zu unangenehmen Kratzen führt – der Teller läuft nach wie vor „rund“. Die gummierte Oberfläche ist mit sehr feinen Rillen durchzogen, die nicht ganz so griffig erscheinen, wie Alternativprodukte am Markt. Dagegen ist der Jog Wheel Kranz gut zu handhaben, um bei unsauberem Beatmatching den aus dem Takt laufenden Track durch gezieltes „anstupsen“ wieder in den Takt zu bringen. Der Widerstand vom Jog Wheel ist generell recht stark ausgefallen. Auch bei der vermeindlich leichtesten Stufe, die sich mittels Jog Adjust kalibrieren lässt, ist es nur schwer möglich, das Jog Wheel bei einem Backspin zum sprichwörtlichen „Durchdrehen“ zu bringen. Dafür reagiert es erfreulicherweise sehr direkt, auch der LED-Kranz läuft absolut synchron zu den Scratch Bewegungen.

Insgesamt gesehen hinterlässt die gesamte Haptik einen gemischten Eindruck; zwar können die Play- und Cue Taster überzeugen, die anderen Bedienelemente erweisen sich durch den harten Kunststoff jedoch als gewöhnungsbedürftig, während das Jog Wheel selbst auf der leichtesten Stufe über einen sehr starken Widerstand verfügt. Dafür ist die Übermittlungsrate der Jog Wheel-Bewegungen sehr direkt und synchron.

Nicht nur gucken, sondern auch anfassen

Das Touch Display ist eine kleine Neuheit auf dem CD-Player Markt. Inwieweit sich diese Technologie durchsetzten wird, bleibt abzuwarten, allerdings sind Produktinnovationen immer auch ein Anreiz für die Konkurrenz, bestehende Systeme zu optimieren. Klasse finde ich die Möglichkeit, einfach per Tastendruck auf das Display zur gewünschten Trackstelle springen zu können. Schwächen offenbart das Touch Display beim „Wischen“ innerhalb einer Playlist. Hier empfiehlt sich weiterhin eine Selektierung mit dem Endlosdrehrad, da sich das Display nicht derart feinfühlig verhält, wie man es von seinem Smartphone kennt; daher gestaltet sich das scrollen durch die Trackliste recht stockend und wirkt ungenau.

Weitere Funktionalitäten, wie Master Tempo, Pitch Range oder die Effektitensität lassen sich ebenfalls über das Display bedienen und reagieren ausreichend. Generell ist das Display für meinen Geschmack zu klein ausgefallen; so wird die BPM eines Tracks beispielsweise nur als ganze Zahl ohne Nachkommastelle dargestellt. Aufgrund der Größe vom Display ist auch die Wellenformerkennung gewöhnungsbedürftig, allerdings ausreichend und durchaus nutzbar.

Der Gemini CDJ-700 in der Audio- und MIDI-Nutzung

Wie eingangs bereits beschrieben, besitzt der USB-Anschluss auf der Rückseite von dem Player gleich zweierlei Funktionen: Neben der Steuerung eurer DJ-Software via MIDI ist es mit dem CDJ-700 möglich, die Audioausgabe ebenfalls über den Player laufen zu lassen – eine interne 24-Bit Soundkarte mit maximal 192 kHz-Auflösung macht es möglich.

Leider offenbarten sich im Test einige Schwächen bei der MIDI-Nutzung: Sobald das Deck per Eject-Taste gewechselt werden sollte, führte dieses zu sporadischen Aussetzern in der Deckauswahl. Das hemmt natürlich in dieser Form den MIDI-Spaß. Das Touch Display besitzt im MIDI-Modus im übrigen keine Funktionalität – schade. Dafür sind die Effektpotis von dem Player ordentlich auf die entsprechende Effektsektion in eurer DJ-Software gemappt – praktisch für alle, die über keinen Modular Controller oder MIDI-fähiges Mischpult verfügen.

Darf es ein wenig mehr Echo sein?

Filter, Flanger, Echo, Wah, Trance und Bubble lauten die internen Effekte beim CDJ-700. Die Ansteuerung der Effekte ist recht gewöhnungsbedürftig, denn diese wird über eine recht umständliche Doppelbelegung realisiert. So lassen sich im digitalen Jog-Modus die Effekte Filter, Flanger und Echo per Jog Wheel ansteuern, während im Vinylmodus Wah, Trance und Bubble bedient werden können. Im digitalen Modus wiederum wird das Jog Wheel oder das Touch Display als Eingabe für den Effektparameter genutzt, während der Dry/Wet Regler die Intensität vom Effekt bestimmt. Das ist im Live Betrieb meiner Meinung nach keine glückliche Lösung.

Pro/Contra

Pro

  • USB und SD-Card kompatibel
  • integrierte Soundkarte

Contra

  • Jog Wheel schwer zu drehen
  • Haptik
  • Effektsteuerung

Fazit

Gemini hat mit dem CDJ-700 ganz bewusst einen CD-Player auf den Markt gebracht, bei dem als Vorbild der CDJ-2000 von Pioneer Pate stand, um eine bezahlbare Alternative präsentieren zu können, die viel Wert auf einen „pioneering Touch“ legt. Optisch ist dies Gemini durchaus gelungen; auch auf der technischen Seite bietet der CDJ-700 mit seiner Vielzahl an Setup-Möglichkeiten und der Kompatibiltät verschiedenster Abspielmedien dem potenziellen Käufer für 559 Euro einen entsprechenden Gegenwert.

Das Jog Wheel ist jedoch auch auf leichtester Stufe sehr schwer zu drehen und bis auf die Play- und Cue Taster sind die restlichen Bedienelemente recht einfach ausgefallen. Auch die internen Effekte sind umständlich zu bedienen und können klanglich, bis auf die Filterfunktion, nicht überzeugen.

Gemini CDJ-700

  • Multi-Format Wiedergabe
  • Berührungsempfindliches Jog Wheel
  • Integrierte Soundkarte
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Kategorie:

Tags: traktor, dj cd-player, virtual dj, gemini, cdj-2000, midi controller, cdj-700

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