Im Test: Korg Monotribe

 
Im Test: Korg Monotribe

Zurück in die Zukunft

Ich finde es wirklich erstaunlich, dass im Jahr 2011 eine Firma Musikequipment auf den Markt wirft, das über Batterien betrieben wird, einen eingebauten Lautsprecher hat und sich auch noch “Synthesizer” schimpft. Nein, mehr noch: Die besagten Geräte haben keinen Midi-Anschluss und lassen sich scheinbar auf den ersten Blick auch so rein gar nicht in die neue, wunderbar digitale Welt integrieren. “Zurück in die Zukunft” fällt mir dazu ein. Mut zur Lücke kann man Korg mit seiner “Mono”-Reihe definitiv bescheinigen, denn zugegebenermaßen decken sie sowohl mit dem Monotron als auch mit dem Korg Monotribe einen Markt ab, der sich vor allem an Soundtüftler und Bastler richtet – und damit definitiv die Geschmäcker spaltet. Gerade die abgefrickelten und experimentellen Klänge der Soundzwerge stoßen entweder auf große Gegenliebe oder verständnisloses Kopfschütteln.

Beim Monotribe haben sich die Entwickler von Korg abermals in eine Zeitmaschine gesetzt und präsentieren die Weiterentwicklung vom Monotron: Stepsequencer, Drumcomputer und – wie soll es auch anders sein – analoge Synthie-Power inklsuive dem bewährten MS-20 Filter. Kostenpunkt 199 Euro. Wir haben es abermals für euch quietschen und krachen lassen und den Test gemacht.

Born in the 80s

Einen gewissen Charme kann man der kleinen Kiste nicht abstreiten, denn Assoziationen zu Kultgeräten und Synthesizern aus den 80er Jahren werden unweigerlich geweckt sobald man sich die Bedienoberfläche vom Monotribe anschaut. Kein Display oder ähnlicher digitaler “Schnickschnack”, stattdessen griffige Potis, kleine Taster, ein Ribbon-Controller zur Melodieneingabe und stylische Kippschalter. Der kleine Kasten wirkt auf dem ersten Blick mächtig analog, die Vorfreude wächst.

Einschalten und los

Das beiliegende Handbuch ist wirklich hervorragend geschrieben, besonders das kurz gehaltene Kapitel über Klangsynthese finde ich leicht nachvollziehbar. Natürlich werden nur die Aspekte aufgegriffen, die mit dem Monotribe auch umsetzbar sind, aber auch ein absoluter Laie sollte dadurch schnell den Zugang in die Welt der analogen Sounderzeugung finden. Nichtsdestotrotz wird man nach dem Auspacken als erstes die mitgelieferten Batterien in den Monotribe einsetzen, um die Maschine direkt zum Knattern zu bringen. Dafür lädt der Monotribe einfach zu sehr zum Spielen ein, als dass man sich als erstes das Handbuch zur Brust nimmt. Ein Netzteil ist im übrigen nur optional erhältlich, im Lieferumfang jedoch leider nicht enthalten. Schade.

Der Monotribe verfügt insgesamt über 4 Soundparts: Kick, Snare und HiHat bilden die Rhythmussektion, während ein Part dem Synthesizer gewidmet ist. Die Drums lassen sich in der Klangcharakteristik nicht verändern, denn ein integrierter Drumsynthesizer hätte den Preis von 199 Euro wahrscheinlich gesprengt. Somit ist die Schlagzeugsektion vom Monotribe mehr als “Begleitautomatik” zu verstehen, wenngleich sich mit dem Sequenzer auch komplexere Rhythmusfolgen programmieren lassen. Doch dazu später mehr.

Integrierte Lautsprecher sind beim Monotribe genau wie bei seinem kleinen Bruder vorhanden. Dadurch, dass sich die Lautsprecher jedoch auf der Unterseite des Geräts befinden, kommt der Sound recht blechernd an und ist somit mehr als Gimmick zu betrachten. Das Ausgangssignal ist dagegen recht sauber und rauscht nicht so unerwünscht laut wie beim Monotron und lässt sich dadurch wunderbar mit einer DAW aufnehmen.

Behind the Wheel

Ein wenig verwirrt bin ich von der Geräterückseite. Dort befindet sich eine große Anzahl an 3,5 mm Klinkenanschlüssen. Das bin ich persönlich von analogem Equipment weniger gewöhnt. Zumindest den Main-Out gibt es glücklicherweise als 6,3 mm Klinkenanschluss, um das Signal vernünftig im heimischen Studio aufnehmen zu können. Schade finde ich, dass Korg selbst beim Monotribe gänzlich auf einen MIDI-Anschluss verzichtet hat. Das Konzept des Mini-Synthesizers scheint aber wie auch beim Monotron auf einen Gerätefuhrpark ausgerichtet zu sein, der fernab von klassischen Liveact-Lösungen stattfindet, bei dem ein Laptop als Sequencer die Synthesizer mit Daten füttert. Die Vermutung wird bei meiner Internetrecherche verstärkt, denn dort finden sich zahlreiche Setups wieder, die den Monotribe per Miniklinke an das iPhone ankoppeln, um per App (SyncKontrol) das Gerät zu syncronisieren. Via Bluetooth können dann auf dem iPad zum Beispiel iElectribe oder iMS20 parallel laufen, während der Monotribe auf das Tempo von der App hört. Ein sehr interessanter und völlig neuer Ansatz, was das Zusammenspiel von Hardware und Software-Apps darstellt! Somit scheint der Monotribe doch nicht so unbeholfen zu sein, wenn es um die Integration in digitale Studiolandschaften geht. Ein klassischer Midi-Anschluss wäre meines Erachtens dennoch von Vorteil gewesen, denn die umständliche Einbindung via SyncKontrol, iPhone und Macbook, um den Monotribe parallel mit Ableton zum Laufen zu bringen, hat während meiner Testphase leider nicht funktioniert.

Die Klangsynthese

Herzstück des Monotribes bildet natürlich die Synthesizer-Sektion. Der Oszillator, also Klangerzeuger, beherrscht drei Wellenformen, die über den Wave-Wahlschalter eingestellt werden können: Sägezahn-, Dreieck und Rechteckwelle. Dazu kann ein Noise-Signal gemischt werden, das in Kombination mit dem Cutoff- und Peak-Regler erfreulich zerstörende Ausmaße annehmen kann. Angespielt wird der Oszillator wie beim Monotron über das Ribbon-Keyboard, dessen Notenreichweite über den Octave-Wahlschalter getrimmt wird. Weiter geht es mit der Anspielart eines Tons, also den Hüllkurven. Hier können zwischen drei verschiedenen Anspielarten gewählt werden: Decay, Gate und Attack. Während die Lautstärke der gespielten Noten bei Decay durchweg konstant bleibt, schwillt im Attack-Modus die Lautstärke langsam an. Bei Decay verhält es sich genau anders herum; hierbei flacht die Lautstärke nach dem Anspielen langsam ab.

LFO-Sektion

Beim Monotribe sticht sofort die LFO-Sektion ins Auge des Betrachters, nimmt jedoch auch verhältnismäßig viel an Platz von der Bedienoberfläche ein. Neben den üblichen Parametern, wie LFO-Geschwindigkeit oder Modulationsintensität, verfügt der Monotribe über flexibles LFO-Routing. Mit Hilfe des Kippschalters “Target” lässt sich der LFO auf die Tonhöhe (VCO), auf die Filterfrequenz (VCF) oder auf beide Sektionen (VCO + VCF) anwenden. Somit kann man dank einer ausgefuchsten LFO-Sektion schon ziemlich abgefahrene Resultate erzielen. Das Klangangebot reicht von wabernden Filterverläufen bis hin zu quietschigen Melodienfragmenten – alles in Allem sehr freakig.

Der Audio-In-Eingang ermöglicht es zusätzlich, weitere Signalquellen in das Gerät einzuschleifen und über den MS-20 Filter zu jagen, andere Modulationen sind leider nicht möglich. Ähnlich wie beim Monotron lassen sich beispielsweise die “modernen Klangerzeuger” wie iPhone oder iPad per Miniklinke mit dem Gerät verbinden und verleihen so auch einer iMaschine einen analogen Charme.

Taktgeber

Wie auch bei der Electribe-Serie wurde beim Monotribe die beliebte Lauflichtprogrammierung implementiert. Berühmt geworden ist die Lauflichtprogrammierung durch die legendären Drumsynthesizer TR 808 und TR 909 sowie dem Bass-Synthesizer TB 303 aus dem Hause Roland. Hinter dieser unglaublich intuitiven Art der Rhythmusprogrammierung verbirgt sich ein ganz simples System, denn der Benutzer sieht den laufenden Takt von links nach rechts und kann durch das Aktivieren einzelner Steps die entsprechenden Noten setzen. Der Monotribe bietet zu den sonst üblichen 16 Takten auf dem ersten Blick zwar nur 8 Takte, diese können jedoch doppelt belegt werden, so dass man dennoch auf seine 16 Takte kommt.

Interessante Notenverläufe erzielt man übrigens, wenn beim Spielen der Octave-Wahlschalter verstellt und die Sequenz aufgenommen wird. Aktiviert man dazu den “Flux-Modus” werden die eingespielten Noten fließend wiedergegeben, während beim deaktivierten Modus pro Schritt eine Note gespielt wird. Ebenfalls einstellbar ist die Dauer, also die Tonlänge, eines gespielten Tons, was auch wiederum vom Sequencer aufgenommen werden kann. Somit hält der kleine Kasten eine ganze Reihe an verschiedenen Sequencer-Raffinessen parat, die es ermöglichen, einen sehr eigenständigen Melodienverlauf zu entwickeln. Klangmanipulationen können vom Sequencer selbst allerdings nicht aufgenommen werden.

Nachwuchs!

Auf der Internetseite von Korg sind bereits zwei neue “Monos” angekündigt: Der Monotron Delay und Duo bieten vor allem der Circuit Bending-Gemeinde wieder einmal neues Futter. Also, aufgepasst und Lötkolben vorgeglüht! Während die Delay-Variante mit einem integrierten Space-Echo ausgestattet ist, bietet der Monotron Duo zwei Oszillatoren, die per X-Mod gegeneinander verstimmt werden können.

Fazit

Korg ist sich seiner Mono-Reihe treu geblieben und präsentiert mit dem Monotribe einen weiteren Synthesizer-Zwerg, der fröhlich quietschend und pfeifend euer Setup bereichern möchte. Aber welches Setup genau? Der fehlende MIDI-Anschluss erschwert zumindest die Synchronisation mit “herkömmlichen” Equipment wie Laptop und DAW. Dafür setzt Korg ganz auf die Smartphone-Generation: Mit dem kostenlosen App SyncKontrol lässt sich der Monotribe per Miniklinke mit dem iPhone synchronisieren und bietet dadurch die Möglichkeit, sich über Bluetoth vom iPhone mit dem iPad zu connecten. Auf dem iPad wiederum können dann solche Apps, wie iElectribe und Co. parallel zum Monotribe laufen. Hierbei sind die Möglichkeiten natürlich wieder unbegrenzt, was sich zu einer der großen Stärken des Monotribe herauskristallisiert. Produziert man gerne mit iPhone/iPad, dann ist die Anschaffung einer Monotribe definitiv eine Überlegung wert.

Beim Sound bekommt man natürlich genau das, was man von einem Korg Monotribe erwartet: Hier wummert, fiebt, quietscht und rauscht es wieder aus allen Ecken und Enden. Durch die zahlreichen Eingriffsmöglichkeiten in den Sound hat man mit dem kleinen Synthesizer eine ganze Palette mehr Möglichkeiten an Klangmanipulationen als beim Korg Monotron.

Der Sequencer ist klein, aber fein. Gerade die Lauflichtprogrammierung macht einfach Spaß und verstärkt das intuitive Spielen mit dem Gerät.

Fakt ist, dass die Mono-Reihe aus dem Hause Korg ein wirklich abgefahrenes und zukunftsweisendes, wenn auch recht spezielles Konzept zu bieten hat. Ich bin definitiv auf folgende Synthesizer-Zwerge gespannt!

Pro/Contra

Pro

  • Analoger Sound
  • Neuartiges Smartphone-Konzept
  • Lauflichtprogrammierung

Contra

  • Kein Netzteil im Lieferumfang enthalten
  • Kein Midi-Anschluss

Korg Monotribe

  • Echte analoge Synthese
  • Dreiteilige Analogdrums
  • Active Step und Flux Funktionen
Artikelinformationen

Kategorie: Produkttests Producing

Tags: synthesizer, korg, monotron, monotribe

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