Im Test: Korg Monotron

 
Im Test: Korg Monotron

"Ich bin der Musikant mit Taschenrechner in der Hand"

So wie es Kraftwerk prophezeite: Zukunfstmusik wird mit dem Taschenrechner produziert – oder mit einem Synthesizer-Zweg aus dem Hause Korg, der auf den Namen "Monotron" hört. Zumindestens hat das Gerät die Größe eines Taschenrechners und lässt sich ausschließlich mit zwei Batterien betreiben, hat aber ansonsten mit einem elektronischen Rechenschieber recht wenig gemeinsam. Was aber versteckt sich hinter diesem schrägen Teil und wieso verschwindet der Monotron permanent von meinem Schreibtisch? Ich bin den sagenumwobenen Rätseln des Hosentaschensynthesizers auf den Grund gegangen.

Features

  • Analoge Klangerzeugung
  • Signalbearbeitung VCO, VCF, LFO
  • Ribbon Controller
  • Aux-Eingang: 3,5 mm Stereo-Klinkenbuchse
  • Kopfhörerausgang 3,5 mm Stereo-Klinkenbuchse
  • Integrierter Minilautsprecher
  • Spannungsversorgung über Batterien

Die kleinen Dinge im Leben ...

Auch meine lieben Kollegen waren während der Testphase den Reizen des Monotron verfallen und so konnte ich mich des öfteren auf die Suche nach dem Synthie begeben. Es sind nun einmal die kleinen Dinge im Leben, die Freude bereiten. Aber was soll man von einem Klangerzeuger halten, der kaum größer als eine Zigarrettenschachtel ist? In diesem Fall eine ganze Menge, denn die Synthesizer-Urahnen von Korg wie der MS-10 oder MS-20 standen beim Monotron Pate und so verspricht Korg eine Menge fetten, analogen Sound für ganz kleines Geld. Auch der legendäre MS-20 Filter findet sich im Monotron wieder und lässt sich sogar über den Aux-In Eingang mit externen Soundquellen füttern. Dazu ist der Winzling im höchsten Maße mobil und lässt sich mit den im Lieferumfang enthaltenen Batterien überall und an Ort und Stelle betreiben, zumal die Soundausgabe über die integrierten Mini-Lautsprechern erfolgt. Das hört sich ja alles schon einmal nicht schlecht an.

Es quietscht und brummt ...

Wie man anhand des Soundbeispiels gut hören kann, knattert die Kiste direkt beim Anspielen fröhlich los und versprüht den Charme der alten, analogen Flaggschiffe aus dem Hause Korg. Der eingebaute Mini-Lautsprecher lässt schon erahnen, in welche Richtung das "Mono-Monster" geht – abgefahrene, analoge Klangsynthese! Der Monotron zischt, quietscht, pfeift und brummt. Melodien können sporadisch über den Ribbon-Controller eingespielt werden,was sich jedoch als frickelige Präzisionsarbeit entpuppt. In Kombination mit einem Palm-Stift oder ähnlichem erzielt man da schon bessere Ergebnisse. Der monophone, also einstimmige Synthesizer ist mit einem Oszillator ausgestattet, der mit der LFO und VCF-Sektion moduliert werden kann. Über den LFO erzeugt ihr pulsierende oder wabernde Sounds, die durch die Filter-Sektion (VCF) in ein regelrechtes Schmatzen verwandelt werden können. Praktischerweise leuchtet die Geschwindigkeit der LFO-Rate zum eingestellten Takt entsprechend auf, so dass ihr eine zusätzliche optische Darstellung zur Klangerzeugung habt.

... und rauscht ...

An der heimischen Anlage angeschlossen fällt mir bei voll aufgedrehter Ausgangsleistung der kleinen Kiste ein Grundrauschen auf, das ich aber persönlich mehr als analoge Zugabe denn als Störfaktor empfinde. Man darf bei einem batteriebetriebenen Synthesizer meiner Meinung nach auch keine Wunder bei der Ausgangsleistung des Gerätes erwarten. In verschiedenen Internetforen gingen hier die Meinungen über die Ausgangsleistung des Monotron auseinander. Ein Netzteilanschluss wäre daher vielleicht doch gar nicht so dumm gewesen, um ein höheres Volumen mit dem Monotron erzeugen zu können. Aber nun gut.

Klangbeispiel Korg Monotron

Das mobile Effektgerät

Mittels Aux-In Eingang schleife ich mein iPhone durch den Monotron und kann das Signal mit dem Cutoff und Peak- Reglern bearbeiten. Natürlich lässt sich auch jedes andere, vorverstärke Signal durch die Filtersektion vom Monotron durchschleifen – Der Winzling aus dem Hause Korg drückt jedem noch so digitalen Klang seinen analogen Stempel drauf, schließlich wurde die Filtersektion den legendären MS-20 Filtern nachempfunden. Alleine die Filtersektion als Input-Effekt rechtfertigt meiner Meinung nach schon die Daseinsberechtigung eines Monotron, sucht man bei digitalen Erzeugern einen solchen organischen Klang oftmals vergebens.

Bastelstube

Der Monotron erfreut sich übrigens in der sogenannten "Curcit Bending"-Gemeinde größter Beliebtheit. Dort werden nämlich gerne alte Keyboards aufgeschraubt und durch gezielte Eingriffe mit dem Lötkolben modifiziert. Umso begeisterter ist die "Circuit Bending"-Gemeinde nach dem Release des Hosentaschensynthesizers gewesen, lassen sich schließlich durch diverse Eingriffe und Modifikationen etwa ein weiterer Oszillator oder ein CV-Gate einbauen, mit dem Ihr den Monotron midimäßig fernsteuern könnt. Hier ein Beispiel.

Pro/Contra

Pro

  • Typischer MS-10 / MS-20 Sound
  • Filter-Sektion
  • Aux-In Eingang
  • Batteriebetrieb
  • Preis

Contra

  • sehr spezielle Zielgruppe
  • Grundrauschen
  • nur Batteriebetrieb möglich, kein Netzteilanschluss

Fazit

Zugegeben, die Austattung vom Monotron ist recht sporadisch ausgefallen. Aber einmal Hand auf's Herz, der Monotron will auch gar keine Anschlüsse haben, sondern einfach gespielt werden. Für knappe 50 Euro bekommt man viel analoge Soundspielerei; vor allem als Effektgerät macht der Monotron eine gute Figur. Hier schmatzt und fiept das legendäre MS-20 Filter und verleiht jedem noch so digitalem Klang einen ganz eigenen Sound – eben analog!

Wer also auf der Suche nach einem wirklich abgefahrenen (Effekt-)Gerät für wenig Geld ist, der sollte sich den Korg Monotron einmal näher anschauen. Für Produzenten, die auf einen sauberen, oder sagen wir "normalen" Klang setzen, ist der Monotron eher uninteressant, da das Gerät durch den sehr eigenen Sound nicht in das Soundschema passen wird. Aber für alle Soundtüftler und Bastler sei der Monotron als analoges Universalwerkzeug wärmstens empfohlen!

Korg Monotron

  • Mini-Analogsynthesizer
  • Signalbearbeitung VCO, VCF, LFO
  • Ribbon Controller
Artikelinformationen

Kategorie: Produkttests Producing

Tags: studio-equipment, synthesizer, korg, monotron

Kommentare: 2

Kommentare


thomas rosenberg schrieb am 04.08.2011, 11:49

hallo und gratulation zum bericht. echt nett beschrieben und recherchiert. kompliment. aber ist der beitrag nicht ein wenig verspätet, da der monotribe bereits released wurde ? ich selber habe drei monotron original und einen modifiziert. mein monotron++ wurde in japan umgebaut. (http://www.beatnic.jp)
noch eine kleine anmerkung : man sollte keine separate stromversorgung einbauen, da die platine nicht für netz-strom geeignet ist. das rauschen bringt man weg, wenn man einfach ein zweiter monotron hinten anhängt und die cutoff etwas zurücknimmt. hier noch ein video mit monotron++ :
http://www.youtube.com/watch?v=HENRAAG3cHg

Alex

Alex schrieb am 04.08.2011, 14:35

Hi Thomas & danke für Deinen Beitrag! Beeindruckendes Modding, was an Deinem Monotron vorgenommen wurde, die Kiste schaut schon richtig “giftig” aus! wink
Ein ausführlicher Testbericht über den Monotribe folgt in Kürze, daher wollten wir im Vorfeld noch einmal über den Monotron berichten. Danke für Dein Soundbeispiel, die Acid-Gemeinde wird sich freuen!
Grüße, Alex


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