Wir hatten bereits im Vorfeld über diverse Controller berichtet, wie z.B. dem Novation Launchpad oder der Akai APC20. Hinter Maschine verbirgt sich jedoch wesentlich mehr als "nur" ein MIDI-Controller. Maschine ist hardwaregewordene Software, denn die gleichnamige Software befindet sich direkt im Lieferumfang und beide Produkte wurden bei der Entwicklung eng miteinander verzahnt.
Maschine ist mittlerweile schon eine ganze Weile erhältlich, doch das demnächst veröffentliche Software Update bringt interessante Neuerungen mit sich: 64 Bit-Unterstützung und die Kompatibität mit VST/AU-Plugins sind zwei der Hauptmerkmale des neuen Updates. Vor allem durch den letzten Punkt, darf sich Maschine mit dem neuen Update als vollwertiges DAW bezeichnen. Das ganze nennt sich "Groove Production Studio" und wird von namhaften Produzenten wie Terence Fixmer, Carl Craig und Deadmau5 auf der elektro/technoiden Seite und No I.D., Dawaun Parker oder Needlz unter den Hiphop-Produzenten eingesetzt.
Update vom 29.03.2011: Maschine 1.6 steht über das Service Center von Native Instruments zum Download bereit.
In diesem Artikel informiere ich euch über die vielen innovativen Neuerungen und gebe eine kleine Übersicht, über das was war, was kommt und was mit Maschine bald alles möglich sein wird.
Neue Wege – Die "Hybrid-Groovebox"
Ziel von Native Instruments ist es bekanntlich gewesen, mit Maschine eine Art Software-Groovebox mit perfekt sitzendem Hardwareinterface zu kreieren, um den klassischen, rein analogen Grooveboxen bzw. Samplern wie der Electribe-Serie von Korg oder den Akai MPCs Paroli bieten zu können. Denn eins steht ganz klar fest: soviel Charme die oben genannten Klassiker auch mit sich bringen und sich in unzähligen Liveact-Schlachten bewährt haben, generell bietet die Anbindung an einem Laptop einfach viel mehr logische und kreative Möglichkeiten. Hier beschreitet Native Instruments neue Wege und setzt dabei ganz auf den Digitalen Trend: Verzichtet wurde auf einen Hardwareklotz mit kostenintensivem Speicher und lahmer CPU, die keine umfangreicheren Audiobearbeitungen zulässt. Herausgekommen ist die perfekte Symbiose aus Hard- und Software zu einem hervorragenden Preis- Leistungsverhältnis. Der Controller ist optimiert für die Maschine-Software und lässt sich durch die zwei hell beleuchteten Displays perfekt und komplett (!) analog bedienen – im Grunde kann der Laptop unter dem Tisch verschwinden. Ergänzt man sein Setup noch mit einer externen Soundkarte, dann erhält man ein äußerst leistungsstarkes und effizientes Setup, das vor allem im Live-Bereich seines Gleichen sucht. Somit landet Maschine in einem ganz eigenem Genre und wird deshalb auch zurecht als "Hybrid-Groovebox" bezeichnet.
Rom wurde auch nicht an einem Tag erschaffen ...
... und so ist es auch nicht verwunderlich, dass erst mit dem Update auf Version 1.5 viele essentielle neue Eigenschaften hinzugefügt wurden, die Maschine zu einem echten Produktionsspezialisten wachsen ließ. Auf der Hardwareseite musste nicht wirklich etwas verbessert werden, denn da ist definitiv nichts an dem "kleinen Schwarzen" von NI auszusetzen: Die Verarbeitung der Pads und Potis lassen nichts zu wünschen übrig. Genauso wenig wie die sinnvoll angeordneten Funktionstasten - allesamt eingebettet in einem stabilen und rutschfesten Aluminiumgehäuse. Vor allem aber die Möglichkeit einen Midicontroller komplett hardwareseitig ohne Bildschirm als Groovebox nutzen zu können, ist ziemlich einmalig und genial. Betrachtet man dazu die (moderne) Laptop-Anbindung, was aus klassischer Groovebox-Sicht unbegrenzt Speicher und latenzfreie Zugriffe bedeutet und erwähnt man noch nebenbei, dass es doch im Jahre 2011 weiß Gott nicht mehr unüblich sein sollte, zu seinem Gig einen Laptop mitzunehmen, dann sollten auch die letzten analogen Groovebox-User ihre Zweifel aus dem Weg räumen und sich viel lieber mit den auf der Hand liegenden Vorteilen einer "Hybrid-Groovebox" beschäftigen. Denn zugegeben, so reizvoll eine Akai MPC-5000 auch ist, mit Maschine erhält man zu einem Drittel des Preises eine reizvolle Alternative.
Aber: So beeindruckend das Konzept und Bedienung der Maschine generell ist, so enttäuscht war ich von dem Sequencer der Software in seiner ersten Version – zugegeben, für reine Hiphop Beat-Produktionen oder elektronische Grundgerüste sicherlich ein ordentlicher Spaßfaktor, der einen gut funktionierenden Workflow mit sich bringt. Vielleicht bin ich auch mit zu hohen Erwartungen an Maschine bzw. dem "Groove Production Tool" gegangen und habe eine perfekte "All-in One"-Lösung erwartet. Mir persönlich ging die erste Version der Maschine-Software, gerade was Sound-Design und Songarrangement anbelangt, nicht genug in die Tiefe, was vor allem auf die fehlende VST-Kompatibilität zurückzuführen war. Auch fehlten mir so scheinbar einfache und grundsätzliche Dinge wie beispielsweise einzelne Audiospuren einfach in seine DAW "rüberzuziehen" oder Midi-Arrangements via Drag & Drop zu exportieren. Und so habe ich mir seinerzeit gesagt, ist es ja auch "nur" eine Art Groovebox und kein vollwertige DAW-Ersatz... .
"Nur" eine Groovebox!?
Aber, weit gefehlt! Mit dem ersten wirklich wichtigem Update auf Version 1.5 konnte Native Instruments durch zahlreiche sinnvolle Optimierungen punkten. Besonders reizvoll finde ich die umfangreich ausgestatteten Sample-Bearbeitungsfunktionen, die die Stärken des Gerätes noch einmal unterstreichen und wirklich umfangreiche Editierungen ermöglichen. Im Zusammenhang mit den erweiterten Slicing-Optionen, die für das zerstückeln von Samples zuständig sind, erhält man ein mächtiges Sampler-Werkzeug und kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Um Drums noch dynamischer einspielen zu können, ist es mit dem Update möglich, die Velocity / Anschlagstärke eines Samples auf die ganzen 16 Pads zu verteilen. Also von ganz leise zu ganz laut in 16 Schritten!
Auch die in der Maschine-Software erzeugten Audio- und Midispuren einfach per Drag & Drop-Funktion in ein anderes Musikprogramm, wie Logic oder Cubase, rüberzuziehen oder den Maschine-Sequenzer zu umgehen und direkt mit seiner Host aufnehmen, finde ich eine wichtige Neuerung. Damit ist man nicht mehr zwangsläufig auf den Maschine-Sequenzer angewiesen und das Gerät lässt sich noch besser in sein bestehendes Studio-Setup integrieren.
Abgerundet wurde Version 1.5 mit mehr als 6 Gigabyte an frischen Samples, bestehend aus unter anderem Samples analoger Vintage-Synthesizer, wie dem Moog Voyager, der Korg MS 20 oder dem Juno 60.
Der ganz große Wurf
Waren die vorherigen Updates mehr darauf bedacht den Workflow von Maschine zu optimieren, so gehen die aktuellen Neuerungen deutlich mehr an die "Nieren". Herzstück des nächsten Updates wird die komplette Einbindung von externen Virtuellen Instrumenten und Effekten (VSTs) sein, wodurch Maschine tatsächlich zu einem mächtigen Music Production Tool wachsen wird. Somit wird Maschine keine Reason-Insel mehr sein, wo nur die Benutzung von speziell für Maschine entwickelten PlugIns möglich ist, sondern eine wirklich professionelle All-In-One-Lösung. Natürlich lässt sich Maschine weiterhin als Spezialist in seinem bestehenden Producing/DJsetup integrieren, aber es ist natürlich besonders reizvoll, seine Projekte komplett und ausschließlich mit Maschine produzieren zu können.
Die Möglichkeiten, die sich durch die offene VST-Schnittstelle ergeben, sind dadurch wirklich gigantisch. Man muss nicht mehr auf seine liebgewonnenen Plug-Ins und Synthesizer verzichten und kann alles bequem hardwareseitig ansteuern, arrangieren, recorden und abmischen. Dadurch sind dem Workflow kaum noch Grenzen gesetzt.
Die komplette Studiolandschaft
Neben einer VST kompatiblen Schnittstelle wird Native Instruments die Anzahl der Effektslots erhöhen, also die Zahl der gleichzeitig zu verwendenden Effekte pro Sound oder Gruppe. So kann der geneigte User nun 3 Effekte gleichzeitig auf einen Sound und 4 auf eine Gruppe legen. Das macht Sinn, denn Effekte nur auf einen einzelnen Sound anzuwenden, hat den Hintergrund, dass man grundsätzliche Klangmodulationen vornehmen möchte, die die "Farbe" vom Sound verändern. In der Regel sind diese Effekte besonders rechenintensiv für die CPU und werden deshalb gerendert und dem Sound fest zugeordnet. Anschließend kann man den Effekt deaktivieren und so Rechnerresourcen sparen.
Bei einer Gruppe sieht es wieder anders aus: Dort legt man Sounds ähnlicher Natur, wie z.B. die Gruppe Drums mit den Sounds Kick, Snare, Hats, etc., auf eine Gruppe, um alle Sounds mit einem Effekt ansprechen zu können, was vor allem im Mastering viel Sinn macht.
Auch das Input/Output-Routing bekommt ein "Face-Lifting": Hier wird es mit dem nächsten Update möglich sein, mit seiner externen Soundkarte komplette 16 Ein- und Ausgänge routen zu können, was nun auch umfangreichere Recording-Sessions ermöglichen wird und gerade HipHop-Produzenten zu Gute kommt.
Fazit
Wir dürfen definitiv gespannt sein auf die Finale 1.6er Version. Die aktuelle Beta Version von Maschine wird zum fleißigen Mittesten unter http://native-instruments.com/forum/showthread.php?t=132746 zum Download angeboten und man sich schon ein erstes Bild von den neuen Features und der verbundenen Power machen kann, mit der die Maschine demnächst ausgestattet sein wird. Die Beta läuft bereits jetzt erstaunlich stabil, was bei einem Mammut-Projekt wie der Einbindung einer VST-Schnittstelle nicht selbstverständlich ist. Abschließend kann man sagen, dass Native Instruments im Begriff ist ein echtes Produktions-Monster zu erschaffen: Ein ohnehin schon innovatives und fettes Produkt bekommt mit Version 1.6 die Krone aufgesetzt.
War Maschine bislang mehr als Allrounder in der Produktions - und DJ-Landschaft unterwegs, sei es als kreative Engine, um Ideen festzuhalten, Beats zu programmieren oder um Samples über die Software im Verbund mit Traktor beim Auflegen abzufeuern, so wird es schon bald möglich sein, seine komplette Produktion bedenkenlos über Maschine laufen zu lassen. Somit schöpft Native Instruments das Potenzial von Maschine voll aus und bietet mit dem Update einen Service an, der seinesgleichen sucht. Andere Hersteller hätte ihre Kunden möglicherweise für solch ein Update zur Kasse gebeten.
Pro/Kontra
Pro
- Komplette VST-Kompatibilität
- umfangreicheres In- und Outputrouting
- verbesserte Mixersektion
- Vielseitig einsetzbar, vom Spezialisten bis hin zur kompletten Produktion
Kontra
- keine nennenswerten Nachteile
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