Im Test: Native Instruments Maschine Mikro

 
Im Test: Native Instruments Maschine Mikro

Die Rucksack-Groovebox

Maschine Mikro ist der jüngste Spross aus dem Maschinenfuhrpark von Native Instruments. Die Mikro-Variante fällt dabei um einiges kleiner aus, soll jedoch mindestens genauso intuitiv und intelligent zu bedienen sein wie der große Bruder. Bekanntlich hat man es aber unter Geschwistern immer schwer, wenn der große Bruder der Klassenprimus auf der Schule ist und nur Bestnoten mit nach Hause bringt. Denn Klassenbester ist die Maschine zweifelsohne. Eine Hybrid-Groovebox, die auf bewährte Tugenden der analogen Drumprogrammierung im MPC-Feeling zurückgreift und dank perfekter Symbiose aus Hard- und Software ein ganz eigenes Konzept auf den Markt geworfen hat. Auch beim “Kleinen” wird man schnell feststellen, aus welcher Sippe er stammt, denn Maschine Mikro bietet genau wie Maschine ein umfangreiches Ausstattungsangebot: Neben einem hervorragend verarbeiteten Controller wird ein schmackhaft geschnürtes Softwarepaket serviert, in dem natürlich auch die Maschine Software enthalten ist. Diese ist durch den “großen Sprung” auf Version 1.7.2 zu einer vollwertigen DAW mit kompletter VST-Schnittstelle herangewachsen (wir berichteten) und bietet darüber hinaus volle Integrationsmöglichkeiten vom Kontaktplayer, der in einer Freeversion im Lieferumfang mit enthalten ist. Natürlich darf es an Sounds bei einem “Sampler” nicht mangeln, daher ist eine 6 GB große Soundbibliothek mit über 18000 Samples in bestechender Klangqualität im Lieferumfang enthalten.

Schlussendlich stellt sich mir nun die Frage, ob die kleine Mikro groß genug ist für die weite, weite Musikerwelt. Und welchen Ansprüchen sie gerecht wird: Beat Programmierung? Livebetrieb? Djing? Oder sogar eine komplette All-in-One Lösung zum schmalen Kurs? Wir haben den Test gemacht.

Da fehlt doch was ...

Richtig. Denn durch Einsparungen in der Bautiefe mussten zwangsläufig auch einige Buttons und Potis verschwinden: Ein einziger Drehregler hat den Verkleinerungsprozess überlebt. Das stimmt mich schon ein wenig nachdenklich, denn an meiner Maschine daheim sind die Potis ein unverzichtbares Utensil, um die Parameter von Synthesizern und Effekten direkt ansteuern zu können - ohne dabei die Maus auch nur einen Zentimeter zu bewegen oder einen Blick auf den Bildschirm werfen zu müssen. Das liebe ich ja so an der “großen” Maschine, denn es stellt sich ein angenehmer, sehr Groovebox-orientierter Workflow ein und verleiht digitalen Produktionsprozessen ein ganzes Stück Analog-Feeling. Vermutlich wird das mit der Mikro nur bedingt möglich sein, aber warten wir einfach den weiteren Testverlauf ab.

Native Instruments Maschine Mikro

Ansonsten erfreut sich die Hardware der Maschine Mikro über ebenso durchdachte, wie haptisch äußerst überzeugende Eigenschaften: Die wichtigsten Funktionen sind oftmals an genau den gleichen Stellen wiederzufinden, wie bei der großen Maschine und die anschlagdynamischen Drumpads laden einmal mehr zum Triggern und Spielen ein. Mir erscheint die Oberfläche der Pads noch eine Spur angenehmer und weicher, allerdings bewegen wir uns in Sachen Verarbeitung schon im Bereichen der Superlative.

Somit können Haptik und Layout erwartungsgemäß positiv überzeugen. Durch das handliche Format findet Maschine Mikro zudem sowohl auf einem überladenen Studiotisch als auch in einer vollgepackten Plattentasche ihren Platz.

Genug Power für die Maschine?

Je nachdem wie viele Plugins sich auf eurem Rechner befinden, kann sich der Start der Software schon ein wenig in die Länge ziehen, allerdings ist der Plugin-Scan nur einmal grundlegend durchzuführen, danach geht der Start der Software relativ fix über die Bühne. Überdimensional große Loop – und Sampleordner würde ich im übrigen lieber manuell über die Ordnerstruktur anwählen, anstatt den Pfad fest hinzuzufügen, da sich ansonsten jeder Start der Software unangenehm in die Länge zieht. Stattdessen empfiehlt es sich, lieber einzelne, dedizierte Sample-Ordner hinzufügen oder einfach per Drag & Drop die Loops und Samples in die DAW zu ziehen, denn das erspart unproduktive Wartezeit. Da die Software von Maschine Mikro identisch ist mit der großen Maschine, sind auch hier wieder einmal ordentlich Systemresourcen gefragt, um eine latenzfreie Wiedergabe garantieren zu können. Ihr solltet auf jedenfall ein aktuelles System euer eigenen nennen, gerade wenn ihr mit verschiedenen Klangerzeugern und Effekten arbeiten möchtet. Wird die Maschine-Software als VST-Plugin in eure DAW eingebunden, schießt schon einmal die CPU-Anzeigein die Höhe. Daher sollten die vorgegebenen, minimalen Voraussetzungen für einen Mac mit Intel Core Duo Prozessor auf jedenfall die 2 Ghz-Marke überschreiten.

Native Instruments Maschine Mikro

Press ‘F1’ for Help

Um die Bedienung der Maschine Mikro trotz Einsparungen an Pads, Potis und der Beschränkung auf ein Display immer noch so zu gewährleisten, dass eine intuitive Arbeitsweise ermöglicht wird, ist eine kurze Einarbeitung mit dem Handbuch vonnöten, selbst wenn man den Umgang mit der Maschine-Familie durch den großen Bruder gewohnt ist. Die verständlichen Youtube-Tutorials vom Hersteller sind auch einen Klick wert, um mit dem Controller schneller ans Ziel zu gelangen. Oftmals ist es nur eine Kleinigkeit, die man zuvor bei der Bedienung nicht beachtet hat – so erging es mir während der Testphase zumindest. Grundsätzlich lassen sich die elementaren Funktionen dank einer ziemlich selbsterklärenden Logik ohne großartige Einarbeitungszeit schnell erreichen, wie beispielsweise das Arbeiten mit Szenen, Pattern und Gruppen. Auch der Stepsequencer ist schnell geöffnet und lässt die technoiden Herzen im 4/4tel Takt höher schlagen. Das hardwarebasierte navigieren zu den Samples, Drumkits, Klangerzeugern und Effekten ist anfangs durch die doppelte Menübelegung im Display ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber dann schnell verinnerlicht. Ich bin gespannt, wie sich die Mikro bei komplexeren Themen, wie Effektautomatisierungen, Beatslicing und Co. verhält.

Native Instruments Maschine Mikro

Effekt an, Effekt aus

Effekte sind das Salz in der Suppe. Richtig eingesetzt verschaffen sie Drums mitunter einen körnigeren und durchsetzungsfähigeren Charakter. Möchte man auf einer ganzen Gruppe einen Effekt anwenden, weil die Sounds in sich thematisch stimmig sind, dann wählt man beispielsweise bei Percussions gerne einen dezenten Delay, der den treibenden Elementen innerhalb der Gruppe noch mehr Drive hinzufügt. Die Maschine-Software bietet für das grundlegende Arbeiten mit Effekten die Insert- und Gruppenvariante an, wobei die Inserts auch pro Sound geladen werden können. Mittels Maschine Mikro können die Effekte aktiviert oder deaktiviert werden, weitere Einstellungsmöglichkeiten lassen sich hardwareseitig leider nicht realisieren. Das gleiche gilt für Effekt-Automatisierungen - diese müssen, wie eingangs bereits vermutet, mit der Software editiert werden.

Sampeln und Zerstückeln

Herzstück der Maschine-Reihe sind nach wie vor die genialen Slicing-Methoden, mit denen sich Loops nach Taktvorgabe in einzelne Samples zerstückeln und auf die Drumpads ablegen lassen. Durch diesen Workflow dürfte die Maschine-Reihe wohl den größten Anteil ihrer heutigen Fans in den Bann gezogen haben, denn durch die qualitativ hochwertigen Drumpads und die einfache Bedienung lässt es sich einfach wunderbar samplen und zerstückeln– auch mit der Mikro. Zugegebenermaßen wird die Arbeit mit dem Display ein wenig frickelig, was genaues slicing schwierig macht. Hier fühlt man sich ein wenig in die guten, alten Tage zurückversetzt, wo man sich mit Samplern herumschlagen durfte, die lediglich über zweizeilige Displays verfügten. Also aufgeschaut und weitergesampelt, denn in Kombination mit dem Bildschirm lässt sich auch diese Aufgabe genauestens erledigen.

Native Instruments Maschine Mikro

Fazit

Auch “die Kleine” weiß zu überzeugen! Insbesondere die hervorragende Verarbeitung bei einem äußerst guten Preis-Leistungs-Verhältnis sticht hier ins Auge. Seid ihr allerdings auf der Suche nach einer All-In-One Lösung, bei der Maschine Mittelpunkt eurer Produktionen werden soll, dann ist eine höhere Investition wahrscheinlich eher ratsam, denn der große Bruder der Maschine Mikro ermöglicht einen einmaligen Workflow im Produktionsfluss und ist die Perfekte Symbiose zwischen aus Hard- und Software. Dieses Zusammenspiel gelingt der Maschine Mikro aufgrund der Einsparungen nicht immer, eine Kombination aus Bildschirm und Maus ist bei manchen Produktionsabläufen daher empfehlenswert, weil man dadurch einfach schneller ans Ziel kommt. Auch der Einsatz von Maschine Mikro in eurem DJ-Set ist zwar grundsätzlich Möglich, bietet allerdings durch die fehlenden Potis nicht die Effizienz anderer Controller. Ist man sich diesen Punkten bewusst, erhält man eine perfekte Mini-Workstaion mit der die grundlegenden Möglichkeiten der Beatprogrammierung abgedeckt werden. Sampling, Editieren und Recorden lässt sich allesamt bequem mit Maschine Mikro erledigen – und macht mindestens genauso viel Spaß wie bei dem großen Bruder.

Maschine Mikro reicht also all denen aus, die grundsätzlich viel mit der Maus arbeiten und einen zusätzlichen Controller mit hochwertigen Pads benötigen. Dazu gibt es eine maßgeschneiderte Software, die geniale Möglichkeiten in Kombination mit der Hardware bereithält und wie bei der “großen” Maschine eine genauso umfangreiche Sound Library mit druckvollen und stilechten Samples beinhaltet. Beim Beatbasteln geht auch die Mikro sehr kreative Wege, denn insbesondere der Step Sequencer macht bei technoideren Stücken eine sehr gute Figur und ermöglicht eine sehr angenehme und effiziente Art der Beatprogrammierung. Im Hiphop-Bereich begeistern einmal mehr die Slicing-Methoden, mit der in bester MPC-Manie Loops zerstückelt und auf die Drumpads verteilt werden können. Als Workflow-Ergänzung in bestehende Setups kann ich die Mikro jedenfalls uneingeschränkt empfehlen, auch dank der nahtlosen Integration der Maschine als VST-Plugin in eure DAW. Allerdings benötigt ihr nach wie einen aktueller Hardware ausgestatteten PC oder Mac, damit die Integration der Maschine Software in euer Studio reibungslos und latenzfrei vonstatten gehen kann.

Pro/Kontra

Pro

  • Qualitativ hochwertiger Controller
  • Umfrangreiche Softwareausstattung
  • Logischer Aufbau
  • Preis

Kontra

  • Keine Potis für Effektbelegungen

NI Maschine Mikro

  • 16 beleuchtete Pads mit Velocity
  • Display mit 64x128 Pixeln
  • Inkl. Maschine Software
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