Im Test: Numark NS6

 
Im Test: Numark NS6

Im Jahr 2008 legte Numark mit dem NS7 einen wahrlich wuchtigen Einstieg im professionellen Controllermarkt hin. Knapp 16 Kg Kampfgewicht brachte der Serato Itch-Controller auf die Waage. Aber nicht nur in Sachen Gewicht trieb Numark es mit dem NS7 auf die Spitze, auch in Sachen Verarbeitungsqualität, Features und Preis setze der NS7 lange Zeit Maßstäbe. Für das ultra stabile Gehäuse aus Metall und die aktiven (das heißt, durch einen Motor angetriebenen) Jog Wheels, war zur Markteinführung ein Budget von 1499 € im Portmonee nötig.

In der Bauweise des Numark NS7 ist aber auch zugleich sein Problem begründet: Der NS7 war beziehungsweise ist einfach zu schwer. Dass DJs von Vinyl auf ein DVS- oder DJ Controller-System umsteigen, wird neben dem technischen Fortschritt, oft mit damit begründet, dass man mit einem Controller einfach mobiler ist. Dies und die Tatsache, dass aktive Jog Wheels meiner Meinung nach außerhalb der Scratch-Szene kaum Anklang finden, ließen den Numark NS7 wohl eher zu einem seltenen Anblick in den Clubs dieser Welt werden (was aber keineswegs heißen soll, dass der NS7 kein toller Controller wäre).

Mit dem auf Namm und Musikmese 2011 vorgestellten "kleinen Bruder" des NS7, NS6 genannt, ist man nun wesentlich leichter unterwegs, ohne dabei in vielerlei Hinsicht auf die gute Teile- und Verarbeitungsqualität des NS7 zu verzichten. "Kleiner Bruder" trifft allerdings nur auf die äußere Erscheinung zu, denn dank Vier-Kanal-Ausstattung und der gebotenen Anschlussvielfalt wird der NS6 nicht nur für DJs aller Couleur interessant sondern bietet auch einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem NS7. Im Preis konnte dabei ebenfalls abgespeckt werden: Den NS6 gibt es derzeit für 999 €. Inklusive Serato Itch, versteht sich.

Features

  • Digitaler 4-Deck DJ Software Controller
  • Integrierter 4-Kanal DJ Mixer funktioniert mit oder ohne Computer
  • Vier Decks Software Controller
  • Eingänge für 4 Line-Quellen, 2 Turntables, 2 Mikrofone
  • Integriertes professionelles 24-Bit Audio Interface mit symmetrischen XLR Ausgängen
  • Berührungsempfindliche Jog Wheels mit LED Beleuchtung und einer Auflösung von 3600 Ticks pro Umdrehung
  • Strip Search mit Trackpositionsanzeige
  • Effektsteuerungen pro Kanal zuweisbar

Lieferumfang

Der Numark NS6 wird in einer farbig bedruckten Kiste ausgeliefert, die wuchtiger wirkt, als das Gerät selbst – glücklicherweise! Wie üblich, ist der Controller zum sicher Transport in Styroporschienen gelagert und von Folie umgeben.

Zum Lieferumfang gehört neben dem Controller ein USB-Kabel und ein Netzteil, ohne das der Controller übrigens nicht betrieben werden kann. Eine Kurzanleitung und eine Installations-CD mit Serato Itch 1.8.1 und Asio-Treibern sind natürlich ebenfalls enthalten. Eine kleine Überraschung stellt sich beim Auspacken dann doch noch heraus: Nein, nicht der beiliegende Numark Aufkleber, sondern ein Kabelbinder für USB- und Stromkabel, der über einen Klettverschluss mit der Unterseite des Geräts verklebt werden kann.

Erster Eindruck

Als ich das Gerät das erste Mal anhebe, bin ich positiv vom Gewicht überrascht. Vom äußeren Eindruck her hätte ich das Gerät schwerer eingeschätzt. Ein Blick ins Datenblatt verrät mir dann, dass der Numark NS6 immerhin 6,33 Kg wiegt. Okay, das ist zwar auch nicht gerade leicht, aber damit geht der Numark NS6 durchaus noch als transportabel in einer entsprechenden Transporttasche durch. Dies lässt sich auch für seine Abmaße in Tiefe und Länge konstatieren, auch wenn der NS6 nochmal ein ganzes Stück länger ist als beispielsweise ein Native Instruments Kontrol S4, was aber in erster Linie an den deutlich größeren Jog Wheels liegt.

Das gesamte Gerät macht einen sehr gut verarbeiteten Eindruck. Ob man nun die Top- und Bodenplatte aus Metall, die Potis und Fader oder die vergoldeten Cinch-Anschlüsse besonders lobt, beim Numark NS6 gibt es sowohl bei den verwendeten Teilen als auch in deren Zusammensetzung nichts auszusetzen. Sehr vorbildlich! Die Buttons des Numark NS6 sind im Gegensatz zum Numark NS7 übrigens alle aus Plastik gefertigt. Dadurch, dass der Aufdruck auf die Tasten in Schwarz erfolgt ist und deaktivierte Tasten keine Hintergrundbeleuchtung aufweisen, ist die Beschriftung in dunklen Lichtverhältnissen möglicherweise schwer oder gar nicht lesbar. Vielleicht kann Numark hier mit einer dauerhaft gedimmten Hintergrundbeleuchtung der Tasten durch ein Firmwareupdate für Abhilfe schaffen. Die Potis sind weiterhin alle gummiert. Bei der gebürsteten Topplatte fällt auf, dass diese Schmutz leider sehr leicht aufnimmt. Beispielsweise dann, wenn man mit dem Finger drüber fährt oder mit dem Nagel am Gerät schürft. Diese Spuren lassen sich aber sehr einfach mit einem Brillenputztuch entfernen.

Beim Design orientiert sich Numark am NS7. Verständlich, schließlich entspringen die Geräte einer Produktreihe, wie schon der Name verrät. Die äußere Erscheinung des Geräts wird von der gebürsteten und schwarz lackierten Topplatte aus Metall bestimmt. Die Jog Wheels heben sich in ihrer silbernen Gestalt deutlich vom Rest des Controllers ab. Auf den Jog Wheels selbst befindet sich ein tribalartiger Aufdruck, den man bereits vom NS7 kennt und dort in gestanzter Form die Nabe des aktiven Jog Wheels umgibt. Dieser Aufdruck gibt dem NS6 ein wenig vom Hip Hop-Charme des NS7 zurück, was mich rein optisch schon am NS7 ein wenig gestört hat.

Anschließen und Loslegen

Die Installation der speziell für den Numark NS6 angepassten Serato Itch Version (Itch for Numark NS6) machte unter Mac OS X 10.6 keinerlei Probleme. Das Gerät war nach ein paar Minuten einsatzbereit.

Die Installation unter Windows 7 glückte leider nicht auf Anhieb. Serato Itch konnte nach Installation und einem Neustart zwar problemlos geöffnet werden, allerdings wurde der NS6 nicht erkannt. "Hardware Disconected" leuchtete fortan auf - trotz der Tatsache, dass der NS6 im Windows Gerätemanager angezeigt wurde. Ein wenig Recherche im Internet brachte dann die Lösung. Einfach die ASIO Treiber separat installieren und siehe da, der NS6 wird problemlos von Itch unter Windows erkannt. Normalerweise sind die Treiber für Itch Controller bereits in der Software integriert, warum es hier nicht auf Anhieb klappte – der NS6 war während der Installation, wie in der Anleitung beschrieben, eingeschaltet und mit dem PC verbunden - konnte ich nicht herausfinden.

Der Numark NS6 im Detail

Fader und Potis/Mixersektion

Der gute erste Eindruck des Numark NS6 setzt sich auch bei Fadern und Potis fort. Die Linefader haben eine Länge von ungefähr 4,5 cm und weisen einen angenehmen Lauf auf. Ein leichter Widerstand beim Bewegen der Linefader wird durch ein leises Kratzen deutlich. Der Crossfader weißt ebenfalls eine Länge von 4,5 cm auf. Das Laufverhalten ist sehr, sehr ähnlich, wenn nicht gar gleich dem Laufverhalten der Linefader. Der Crossfader klickt übrigens beim Anschlag nicht. Wen das stört, der kann sich bei Numark kostenlos eine neue Faderplatte bestellen, mit der aufgrund der etwas verkürzten Aussparung Scratches noch präziser ausgeführt werden können (siehe auch Skratchworx.com).

Der Crossfader wird über Switches an der Vorderseite des Controllers zugewiesen. Ein Faderstart des Crossfaders und die Fadercurve des Corssfaders ist hier ebenfalls einstellbar. Für die Linefader gibt es keinerlei Einstellungsmöglichkeiten.

Die Potis sind alle gummiert und haben eine Mittelrasterung. Die Potistifte sind aus Plastik und nicht mit der Topplate verschraubt, wie es beispielsweise beim Xone DX der Fall ist. Potis mit der Topplatte zu verschrauben ist deswegen sinnvoll, um Krafteinwirkungen von der Hauptplatine abzuwenden.

Die Mixersektion ist sehr aufgeräumt. Die Abstände zwischen den Potis in der Mixersektion sind recht großzügig, die Anordnung von "CUE"-Tastern und Effektzuweisungen entspricht gängigen Layouts. Vom Clubmixer-Standard abweichend ist die Anorndung der Kanäle. Numark hat hier wie Native Instruments beim Kontrol S4 keine aufsteigende Anordnung von links nach rechts gewählt, sprich Kanal 1, Kanal 2, ..., sondern die Kanäle nach Decks angeordnet. Ganz links befindet sich also Kanal 3, gefolgt von Kanal 1, Kanal 2 und Kanal 4.

Anschlussvielfalt

Ausgänge

Die Rückseite des Numark NS6 ist überseht mit verschiedensten Buchsen. Aus dem Controller heraus leiten zwei Master-Outputs, einer in XLR und einer in Cinch. Darüber hinaus gibt es noch einen Booth-Ausgang zum Monitoring im Club. Nicht zu vergessen der Kopfhörerausgang, der sich natürlich auf der Vorderseite befindet und sowohl in 3,5 mm als auch in 6,3 mm vorhanden ist. Es werkelt im Numark NS6 also ein 4xOut Audio Interface.

Eingänge

Der Numark NS6 ist nicht bloß Controller, sondern auch ein vollwertiger Digitalmixer. Das heißt, an den Controller können CD-Player (maximal vier), Schallplattenspieler (maximal zwei) oder sonstige Quellen per Cinch angeschlossen werden. Der Clou dabei ist, dass kein Computer notwendig ist. Der integrierte Mixer kann völlig autark betrieben werden und wird nicht erst über die Soundkarte in die Software geroutet.

An den Numark NS6 können zwei Mikrofone angeschlossen werden. Etwas merkwürdig ist, dass diese nicht separat geroutet werden, sondern auf Kanal 3 beziehungsweise 4 gelegt werden müssen. Die Anschlüsse fürs Mikrofon befinden sich an der Rückseite zwischen den Cinch-Eingängen. Auf der Vorder- oder Oberseite empfinde ich die Platzierung des Mikrofons persönlich praktikabler, sofern der DJ selbst spricht. In Verbindung mit einem MC macht die rückseitige Installation natürlich Sinn.

Etwas enttäuscht bin ich von der Tatsache, dass es nicht möglich ist, die Mikrofonkanäle wahlweise auch in die Software zu routen. Somit kann auf den Mikrofonkanälen kein Gebrauch von den Effekten gemacht werde. Eine Talkover-Funktion ist ebenfalls nicht vorhanden, was vor allem für Mobil-DJs, die oft mit Moderation arbeiten, ein großes Manko ist. Schade, vielleicht können Numark und Serato hier noch nachbessern. Sofern sich der Mikrofonkanal auch einzeln in die Software routen liese, wären die Effekte nutzbar und möglicherweise auch eine Talkover-Funktion softwareseitig durch Serato realisierbar.

Ebenso verhält es sich übrigens auch mit Line-Quellen. Diese können nicht direkt in die Software geroutet werden und somit auch keinen Gebrauch von Effekten machen. Ich nehme an, Numark hat es Kostengründen dem Audio Interface nur einen einzigen Stereoeingang spendiert, der die Summe des Digitalmixers abgreift und nicht die Eingänge einzeln in die Software routet. Wird ein Mix in Itch aufgenommen, so werden die angeschlossenen Quellen natürlich zur Aufnahmespur hinzugefügt. Ich hatte nach dem Test der Mikrofonfunktion schon befürchtet, dass dies nicht der Fall ist.

Das Eingangsrouting ist also zum Teil etwas enttäuschend. Hier können Controller wie Native Instruments S4 oder Allen & Heaths Xone DX deutlich mehr, sofern es um das Routing in die Software geht. Eine Stand Alone-Funktion weißt Native Instruments Kontrol S4 hingegen nicht auf. Reloops Jockey 3 und Denons DN MC-6000 erweisen sich hier am flexibelsten, da sie sowohl über Stand Alone-Mixer verfügen als auch ein softwareseitiges Routing ermöglichen.

Jog Wheels

Die Jog Wheels des Numark NS6 vermitteln ein tolles Gefühl. Vor allen Dingen liegt das wohl aber auch an der softwareseitig äußerst guten Implementierung durch Serato. Nichtsdestotrotz, die Hardware kann sich sehen lassen: 3600 Ticks pro Umdrehung geben das Signal entsprechend hochauflösend weiter. Der Durchmesser beträgt etwa 12,7 cm, womit die Jog Wheels zu den größten auf dem Controllermarkt gehören. Schön ist zudem, dass die Jog Wheels über einen LED-Kranz verfügen, der bei Deck Wechsel die Farbe ändert. Auch wenn das Material der Jog Wheels nach Metall aussieht, wurde auf auf dem berührungsempfindlichen Scratchbereich eine Plastikscheibe aufgebracht. Das Material fasst sich meinem Empfinden nach sehr gut an, sodass sich präzise damit arbeiten lässt. Auch der äußere Teil der Jog Wheels ist aus Plastik, was ich ebenfalls positiv finde, denn der Plastikkranz fasst sich nicht so hart an, wie beispielsweise der eines Plattenspielers.

Drei Modi können dem Jog Wheel zugewiesen werden: Pitchbend, Scratch und Skip. Das Skratchverhalten hört sich dank Itch wirklich hervoragend an. Skip ist eine neue Funktion in Itch, mit der ein beatgenaues Vor- und Zurückspulen im Track ermöglicht wird.

Trackauswahl

Der Bereich zur Tracksauswahl wird auf dem Numark NS6 durch die graufarbene Bedruckung hinter der Plastikabdeckung deutlich vom Rest des Controllers abgegrenzt. Mit dem großen Trax Encoder wird im aktuellen Ordner gescrollt. Zwischen Ordnern wird anhand des "Back"- und "FWD"-Buttons gewechselt. Das Laden in die Decks erfolgt dann via "Load A" beziehungsweise "Load B". Ein Wechsel des Kanals ist über den "Layer" Button in der Nähe des Jog Wheels möglich. Alternativ kann der Wechsel auch via "CUE" des jeweiligen Kanals erfolgen. Die Anordnung ist sehr intuitiv, sodass ich mich schnell mit der Trackauswahl zurecht fand.

Transportsektion

Die Transportsektion des Numark NS6 besteht aus den Tasten "Play", "Cue" und "Sync". Die Tasten sind aus Plastik und heben sich durch ihre Größe deutlich vom Rest ab. Der Druckpunkt ist klar und hat einen kurzen Weg.

Das Tempo kann auf dem Numark NS6 natürlich auch manuell über den wirklich sehr langen und mit einem äußerst angenehmen Widerstand laufenden Pitchfader eingestellt werden. Der Pitchfader wurde in Itch übrigens mit einem Soft Takeover belegt, sodass bei Deckwechsel keine Temposprünge stattfinden. Itch registriert die Tempoveränderung nach einem Deckwechsel also erst, sobald der Pitchfader hardwareseitig auf der ursprünglichen Position des Liedes ist. Besondersheit hierbei ist, dass Numark den NS6 mit kleinen, hintergrundbeleuchteten Pfeilen ausgestattet hat, die Anzeigen, in welche Richtung der Fader bewegt werden muss, damit Hardware- und Softwareposition wieder übereinstimmen.

Hot Cue-Buttons

Direkt über der Transportsektion befinden sich pro Deck 5 Hot Cue-Buttons nebst Shift-Taste, mit der Hot Cues wieder gelöscht werden können. Die Buttons fallen für meinen Geschmack zu klein aus. Das wundert vor allem deswegen, da Numark generell ein Hip-Hop-affiner Hersteller ist und man um den Komfort von großen Tasten beim Juggeln wissen müsste. Auch unter dem Gesichtpunkt des Platzangebots wäre hier sicher noch Raum für größere Tasten gewesen. Schade drum! Die Tasten funktionieren aber trotzdem gut, auch wenn sie nicht an das Gefühl der (gummierten) Tasten eines Native Instruments Kontrol X1 heran reichen, der für mich persönlich, trotz kleiner Tasten, immer noch als Referenz gilt.

Leider verfügt Itch auch in Version 2.0 noch nicht über einen Quantisierungsmodus für Hot Cues, der Taktungenauigkeiten beim Springen zwischen Hot Cues durch einen Versatz des Songs ausgleicht. Ebenso fehlt eine Art Snap Modus, mit dem Hot Cues auf dem Beatraster automatischen einrasten. Hier ist Traktor aus Softwaresicht (noch) klar überlegen.

Loop Sektion

Loops können mit dem Numark NS6 sowohl manuell über die "IN"- und "OUT"-Tasten gesetzt werden als auch über Buttons, die auf eine vordefinierte Länge programmiert wurden. Hinzu kommt eine Rollfunktion, die unglücklicherweise nur per Shift aufgerufen werden kann. Ich hätte mir gewünscht, dass man Roll Loops direkt anwählen kann, vielleicht über einen Encoder. Beim NS6 muss zuerst die Shift-Taste gedrückt werden, um dann über die Tasten "1", "2", "3" und "4" einen Roll Loop aufzurufen Die Shift-Taste sollte dabei übrigens nicht dauerhaft gedrückt werden, da die Taste auf "Toggle" programmiert wurde, was bedeutet, dass sie nach einmaliger Betätigung an bleibt. Bei "Hold" müsste sie, wie der Name schon sagt, während der Eingabe gedrückt bleiben.

Effektsektion

Der Numark NS6 ist mit mit zwei Effektsektionen ausgestattet. Jede Effekteinheit enthält einen gerasterten Endlospoti zur Auswahl des Effekts, einen ungerasterten Endlosoti zur Einstellung des Effektparameters (bspw. Länge eines Delays oder Bitversatz beim Crusher), einen vertikalen Dry/Wet-Fader sowie einen On/Off-Button. Die Wahl des Dry/Wet-Faders ist sicher Geschmacks- bzw. Gewöhnungssache. Ich finde Dry/Wet-Potis eigentlich besser, der Vorteil von solch einem Minifader liegt natürlich darin, dass man damit Effekte Cutartig einbringen kann. Dank der Länge von 3 cm ist aber auch ein weiches Einblenden möglich.

Die Effekte können den einzelnen Kanälen oder dem Master-Kanal zugewiesen werden. Etwas merkwürdig ist, dass die Effekteinheit immer nur einem Kanal zugewiesen werden kann. Das heißt, habe ich Effekt A auf Kanal 1 und möchte diesen noch zusätzlich auf Kanal 2 schalten, so wird Effekt A auf Kanal 1 automatisch deaktiviert. Numark Deutschland schrieb mir diesbezüglich, dass dies an Itch läge. Warum Serato es nicht ermöglicht einen Effekt mehr als einem Kanal zuzuweisen, bleibt mir ein Rätsel. In Traktor ist das problemlos möglich.

Der Klang der Effekte in Itch ist gut. Die Auswahl ist groß und mit einem DJM-800 von Pioneer vergleichbar. Im Klang und den Einstellungsparametern muss sich die Effekteinheit Traktor (Pro 2) jedoch klar geschlagen geben. Kein Wunder, Native Instruments ist ja auch mit anderer Software im Bereich der Klangmodulation vertreten, sodass hier firmeninterne Synergien entstehen.

Strip Search

Mit dem NS7 führte Numark erstmals den Strip Search ein. Unter Strip Search versteht man ein schmales, berührungsempfindliches Touchpad, mit dem zu jeder beliebigen Stelle im Track gesprungen werden kann. Pioneer nannte das Ganze Needle Search und führte es etwas später im CDJ-2000 ein. Auch der NS6 verfügt über einen Strip Search, der sogar um eine LED-Anzeige ergänzt wurde, sodass man direkt am Controller erkennen kann, an welcher Stelle man sich ungefähr im Lied befindet.

Das etwas ins Gehäuse eingelassene Pad reagiert hervorragend und macht es somit sehr einfach, zu einer beliebigen Stelle im Track zu springen. Da Serato Itch nicht wie Traktor automatisch einen CUE-Punkt am Anfang eines Tracks setzt, was ich nebenbei bemerkt etwas vermisse, nutze ich den Strip Search oft dazu, um wieder an den Anfang des Tracks zu gelangen.

Itch 2.0

Kurz vor Erscheinen dieses Testberichts erschien auch Itch 2.0. Ich hatte mir während der Testphase bereits die Beta von Itch 2.0 angeschaut, die sich auf den ersten Blick im Funktionsumfang nicht von der finalen Version unterscheidet. Eine kurze Vorstellung (und etwas Kritik) zu Itch 2.0 findet ihr hier.

Numark NS6 und Traktor Pro 2

Löblich von Numark, dass bereits vor der Erstauslieferung an den Handel ein Traktor Pro Mapping zum Download auf Numarkns6.com angeboten wurde.

Spätestens beim Ausführen von Scratches merkt man jedoch, dass der NS6 sich unter Serato Itch wesentlich wohler fühlt, da das Jog Wheel dort direkt in die Software implementiert wurde. Das Mapping ist nicht schlecht umgesetzt, Traktor kann damit durchaus bedient werden. Selbst ein Sample Deck Mapping wird mitgeliefert. Jedoch würde ich eher abraten den NS6 mit dem Gedanken zu kaufen, ihn in erster Linie für Traktor zu nutzen.

Pro/Contra

Pro

  • hochwertige Bauteile und äußerst robuste Konstruktion
  • tolle Klangqualität
  • sehr präzise, große Jog Wheels mt LED-Kranz
  • übersichtliches Layout
  • integrierter Digitalmixer (Stand Alone, Quellen können ohne PC gemixt werden)
  • Strip Search
  • perfektes Zusammenspiel von Soft- und Hardware

Contra

  • keine versenkbaren Potis an der Frontseite
  • kein Routing externer Quellen in die Software möglich
  • kleine Hot Cue-Tasten

Fazit

Obwohl Numark mit dem NS6 die starken Hip Hop-Wurzeln des NS7 aufgibt, limitiert sich der Controller beziehungsweise die Software musikstylistisch leider selbst etwas. Aufgrund der fehlenden Möglichkeit den Mikrofonkanal mit Effekten zu belegen und Loops in Itch 2.0 in Echtzeit aufzunehmen, ist der Controller für Live Looping-Künstler leider völlig uninteressant.

Das ist schade, aber Numark respektive Serato wollen wohl in erster Linie DJ-Produkte und keine Live Act-Produkte herstellen. Und im DJing ist der Numark NS6 zweifelsohne stark. Serato Itch ist optimal auf die tolle Hardware abgestimmt. Sowohl das Gehäuse als auch die verwendeten Bauteile sind äußerst hochwertig – hier gibt sich der Numark NS6 keine Blöße. Vor allem die Jog Wheels mit LED-Beleuchteung wissen zu überzeugen. Was den Formfaktor angeht, so ist der Numark NS6 sicher nicht als klein und handlich zu bezeichnen – bei der Größe der Bedienelemente wäre das aber auch nicht möglich gewesen. In einer entsprechenden Transporttasche oder einem Flightcase wird man mit dem Numark NS6 dennoch ganz gut durch die Lande reisen können.

Numark NS6

  • 4-Kanal Serato Itch Controller
  • Tolle Jog Wheels
  • Integrierter Digitalmixer (Stand Alone)
Artikelinformationen

Kommentare


Andy schrieb am 05.09.2011, 11:14

Der Numark NS6 ist meiner Meinung nach der beste DJ-Controller auf dem Markt.

Hatte den direkten Vergleich zu
- Pioneer DDJ-S1
- Pionneer DDJ-T1
- Native Instruments S4
- Denon MC6000
__________________________________________

Die Pioneer Controller sind sofort rausgefallen aus meinem Schema, nachdem ich die Verarbeitung gesehen hab und sie selbst ausprobiert habe.
Meiner Meinung nach eine große Enttäuschung was Pioneer hier auf die Beine gestellt hat.

NI S4, wäre meine 2.te Wahl, aber die Jogwheels lassen hier halt doch Wünsche offen und der Sieger bei der Optik ist hier der Numark NS6.

Denon MC6000, zu unübersichtlich..
Für die Anzahl an Features einfach zu klein..

Numark NS6: Top Verarbeitung, viele Features, optisch ein schöner Hingucker und lässt mit den 3600ern Jogwheels keine Wünsche offen.

Michael schrieb am 23.09.2011, 13:27

Würdet ihr prinzipiell eher zu einem Kauf des NS6 als zu einem NS7FX raten (vorausgesetzt der Preisunterschied ist einem egal)?

Oder ist es vernünftiger auf einen NS7 Nachfolger im kommenden Jahr zu warten? Kenne mich leider in Sachen DJ-Equipment-Produktzyklen nicht aus.

Merci,
Michi

Hochzeits DJ schrieb am 06.11.2011, 17:14

Ich arbeite seit vielen Jahren immer noch mit dem iDJ2, da ich hauptsächlich mit Vinyl auflege. Hierfür nutze ich den X2 von Numark, der noch CD-Player integriert hat, sollte mal jemand mit ner CD an einer Hochzeit antanzen. Ich bin mit dem iDJ2 noch zufrieden. Da sich der Markt für Interfaces in den letzten Monaten enorm entwickelt hat, werde ich noch zuwarten, zumal ich mich scheue, mit einem Laptop rumzureisen. Auch in Sachen Ton überzeugt mich einfach Musik ab Harddrives immer noch nicht.

zokzok schrieb am 17.01.2012, 16:16

Ich nutze den NS& mit Traktor, leider funktionieren die LED’s der Jog Wheels leider nicht. Funktioniert die Jog Wheel Beleuchtung nur mit Itch? Oder was mache ich falsch?

Daniel

Daniel schrieb am 24.01.2012, 10:32

Hey zokzok, die LED-Beleuchtung der Jog Wheels funktioniert leider tatsächlich nur mit Itch.


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