Im Test: Pioneer DJM-350

 
Im Test: Pioneer DJM-350

Passend zu Jans Testbericht über den CDJ-350, beschäftige ich mich in dieser Review mit dem DJM-350 – dem neuen Zweikanalmixer aus dem Hause Pioneer. Und auch hier kann Pioneers Zahlenspiel Verwirrung stiften, so tritt das zahlenmäßig kleinere Modell, der DJM-350, die Nachfolge des DJM-400 an.

Zusammen mit dem CDJ-350 auf der Musikmesse 2010 in Frankfurt/Main vorgestellt, ist der DJM-350 nun seit Ende Juni bei uns erhältlich. Der Straßenpreis des DJM-350 liegt bei knapp 500€. Eine Preisregion, in der die Konkurrenz schon 4-Kanal-Mixer, zum Teil mit Effekten, anbietet. Was macht diesen Mixer also seine 500€ Wert?

Technische Daten und Features

Technische Daten

  • 2-Kanal-Mixer
  • Eingänge: 2 x Line (Cinch), 2 x Phono (Cinch), 1 x Mic (6,3 mm Klinke), 1 x Aux (Cinch)
  • Ausgänge: 1 x Master Outr (Cinch), 1 x Kopfhörer (6,3 mm Klinke), 1 x Rec Out (Cinch)
  • weitere Anschlüsse: 2 x Control Out (3,5 mm Klinke), 1 x USB-Anschluss
  • Frequenzbereich: 20 Hz - 20 kHz
  • Rauschabstand: 97 dB
  • Digitaler Signalprozessor (48 kHz / 24-Bit)

Features

  • Integrierter USB-WAV-Recorder mit “Track-Marks”
  • Effekte: Gate, Crush, Filter & Jet
  • Mikrofon-/Aux-Eingang mit 2-Band-Equalizer
  • Cross Fader Curve Adjustment
  • Cross Fader Start
  • 3-Band-Isolator-Equalizer (individuelle Kanalansteuerung)

Lieferumfang

Keine Überraschungen bei der Verpackung: Pioneer setzt auch beim DJM-350 auf eine rein funktionale Verpackung mit schwarz-weiß-Aufdruck. “Unboxing-Fans” werden hier keine großen emotionalen Ausbrüche haben. Aber gut, letztlich kaufen wir Equipment und kein schönes Verpackungsdesign. Im Lieferumfang enthalten sind die Bedienungsanleitung, ein Stromkabel und der sicher in Styroporschienen verpackte Winzling aus Pioneers Mixerserie.  So langsam kommt ja doch Vorfreude auf ...

Der erste haptische Eindruck

Den DJM-350 ausgepackt, freut man sich über das ordentliche Gewicht des 2-Kanal-Mixers. Der Mixer ist komplett in Schwarz gehalten und kommt mit silberfarbenen Aufdrucken daher. Unter- sowie Oberplatte des Gehäuses sind aus Metall, bei der seitlichen Verkleidung hat man auf Plastik gesetzt. Das ist okay, schließlich ist die Oberplatte sicher den meisten Belastungen beim Mixen ausgesetzt. Zugleich frage ich mich aber, warum Pioneer den CDJ-350 nicht ebenfalls so gebaut hat? Dieser weißt leider überhaupt keine Metallverkleidung auf.

Potis und Fader

Weiter geht’s zu den schwarz glänzenden Potis. Glänzend? Richtig, die Potis sind aus Plastik gegossen. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bevorzuge eindeutig gummierte Potis, auch wenn die hier von Pioneer verwendeten recht griffig sind. Ich finde trotzdem, gummierte Potis fassen sich einfach angenehmer an und sind weniger rutschig beim Auflegen, falls man schwitzige Hände bekommt. Und das ist nach ein paar Stunden des Auflegens bei den meisten DJs der Fall. Warum Pioneer hier also auf Plastikpotis setzt, ist mir ein Rätsel. Zumal diese in der aktuellen DJM-Produktlinie meines Wissens nach bisher auch nur beim DJM-350 zum Einsatz kommen. Man hätte also ruhig die bisher verwendeten Potis von DJM-800 und Co. verbauen können. Wem die Potis aus Plastik nicht gefallen, der hat natürlich die Möglichkeit sich einfach die Potis des DJM-800 als Ersatzteil zu bestellen, wird dann aber natürlich erneut zur Kasse gebeten. Die Potis des DJM-350 sitzen fest, ein versehentliches Wegschnippsen ist hier sicherlich nicht zu befürchten. Ansonsten lassen sich die Potis angenehm drehen und haben einen guten Einrastpunkt. Keine weitere Kritik hier.

Das klangliche Trennverhalten des Drei-Band-EQs finde ich sehr gut. Dreht man einen Poti komplett nach links, wird das jeweilige Frequenzband entfernt, dreht man alle drei Potis nach links, ist folgerichtig Ruhe auf dem jeweiligen Kanal.

Die Fader des DJM-350 machen ein guten und stabilen Eindruck. Die Linefader gleiten schwerfälliger als die des DJM-400. Je nach Musikrichtung und Geschmack kann man dies als Vor- oder Nachteil sehen. Ich persönlich finde es gut, DJs mit Hang zum Turntablelism wird dies jedoch nicht erfreuen. Die ersten Millimeter des Linefaders verfügen über einen toten Bereich. Auch wenn ich es nicht durchgemessen habe, empfinde ich den Linefader bis 8/10 als recht linear, danach verstärkt er eher weniger.

Der Crossfader hingegen ist sehr leichtgängig. Wie mir ein Kollege mit jahrelanger Scratcherfahrung nach einem kurzen Test bestätigte, ist der verbaute Crossfader durchaus zum Scratchen geeignet. Der Crossfader könnte seinem Geschmack nach aber minimal später öffnen, ein komplett eigenständiges justieren der Crossfadercurve ist nämlich nicht möglich, sondern nur die Wahl zwischen “Soft” und “Cut”. Was Turntablelists ebenso nicht erfreuen dürfte, ist das etwas Scratchunfreundliche Layout. So können die Level-Potis für Kopfhörer und Effekte beim Scratchen durchaus stören. Hier wäre etwas mehr Platz nach oben vonnöten.

Die Anschlüsse und der Klang des DJM-350

Die Rückseite des Pioneer DJM-350 besteht aus je einem Phono- und Line-Eingang für Kanal 1 und 2 und je einem Fader-Start-Ausgang pro Kanal. Die Kanäle lassen sich wie üblich von Line auf Phono umschalten. Ein umschalten des Phono-Kanals auf einen weiteren Line-Eingang ist leider nicht möglich. Des Weiteren verfügt der DJM-350 noch über einen dritten Kanal, der für ein Mikrofon oder eine weitere Line-Quelle wie MP3-Player vorgesehen ist. Dieser dritte Kanal lässt sich nach belieben zuschalten, sowie in der Lautstärke als auch in den Höhen und Tiefen regeln. Die anderen Quellen werden durch den dritten Kanal nicht stumm geschalten, es handelt sich also um einer Talk-Over-Kanal.

Als Ausgang bietet der DJM-350 unsymmertrische Chinch-Ausgänge. Symmetrische XLR- oder 6,3mm Klinkeausgänge sucht man hier vergebens. Das sollte in dieser Preisklasse eigentlich standard sein, wurde von Pioneer aber schon beim Vorgängermodell dem DJM-400 nicht integriert. Für den Mix Daheim nicht weiter tragisch, mag dies für kleinere Clubs- und Bars, die nur einen 2-Kanal-Mixer benötigen, ärgerlich sein.

An der Vorderseite befindet sich der Kopfhörerausgang in 6,3mm-Ausfürhung. Der Kopfhörerkanal lässt sich mit einem Poti links unten auf dem Mixer in der Lautstärke regeln und mit dem darüber befindlichen Poti zwischen Cue- und Masterkanal mixen.

Am Klang des DJM-350 gibt’s kaum etwas zu bemängeln. Die Masterausgänge klingen klar und satt. Der Kopfhörerausgang hat bis 7/10 kein merkliches rauschen vorzuweisen. Ab dann ist aber leider ein hörbares Rauschen auszumachen, sofern auf keinem Kanal ein Pegel anliegt. Schaltet man den Mikrofonkanal dazu und dreht ihn komplett auf, mischt sich ein weiteres, wahrscheinlich durch den Mikrofonkanal bedingtes Rauschen, hinzu.

Die Effekteinheit des DJM-350

Vier Effekte stehen dem der Musikmanipulation geneigten DJ zur Verfügung: Gate, Jet, Filter und Crush. Die Effekte stehen den großen Pioneer Pulten wie dem DJM-800 in nichts nach und können einem Mix im richtigen Moment das gewisse Etwas verleihen. Es kommt nicht wie von Pioneer gewohnt ein Dreh-/Rast-Poti zum Auswählen der Effekte zum Einsatz, sondern vier Effektpads aus Plastik. Eine sinnvolle Entscheidung, denn so lassen sich die Effekte sehr intuitiv auswählen und ohne Unterbrechung zwischen ihnen wechseln. Über einen Poti unter den Effektpads kann das Verhalten des Effekts gesteuert werden. Die Mittelstellung des Poti verhält sich neutral, dreht man ihn nach links werden bei Crush und Filter eher die Höhen betont und die Tiefen abgeschnitten, nach rechts gedreht verhält es sich genau andersherum.  Etwas schade, dass das Vorhören der Effekte nicht möglich ist. Ein Knacksen oder ähnliches beim Einschalten der Effekte ist nicht auszumachen.

Beatsynchronisierte Effekte oder ein Sampler wie vom DJM-400 bekannt wurden gänzlich entfernt. Eine Effektschleife fehlt dem DJM-350 leider auch, war aber auch beim Vorgänger schon nicht zu finden.

Nimm mich auf, Baby!

Eine wichtige Neuerung gegenüber dem DJM-400 ist das USB-Interface, das ein direktes Mitscheiden in Wav-Qualität auf einen USB-Stick ermöglicht. USB-Stick einstecken, etwas länger auf den “Record”-Button gedrückt und schon wird euer Mix mitgeschnitten. Mit der kleinen “Track Mark”-Taste wird die Aufnahme unterteilt (es wird eine neue Datei angelegt). Ein nachträgliches bearbeiten des Mixes ist also nicht mehr nötig und ihr könnt euren Freunden den Mix sofort und voller Stolz, dass sie sogar einzelne Tracks anwählen können, präsentieren. Da der DJM-350 komplett digital arbeitet, sind interne Qualitätsverluste und Störgeräusche bei der Aufnahme mit großer Wahrscheinlichkeit auszuschließen.

Pro/Kontra

Pro

  • gut trennender Equalizer mit Killfunktion
  • vier Effekte, die den großen Pioneer-Pulten in nichts nachstehen
  • qualitativ hochwertige Verarbeitung
  • USB-Aufnahmefunktion
  • guter Klang

Kontra

  • keine symmetrischen Mastersusgänge
  • Potis aus Plastik
  • Anordung von Kopfhörerlevelpoti und Effektpoti können beim Benutzen des Crossfaders zum Scratchen stören
  • Crossfadercurve nicht frei justierbar
  • leider nur ein Line-Eingang pro Kanal, Phono-Eingang ist nicht umschaltbar
  • Sampler und beatsynchronisierte Effekte des DJM-400 wurden gestrichen

Fazit

Mit dem DJM-350 hat Pioneer einen gut durchdachten und sauber verarbeiten Mixer auf den Markt gebracht. Vor allem der EQ und die Effekte wissen pioneertypisch zu überzeugen. Auch die Aufnahmefunktion kann sehr nützlich sein. Dass dafür aber die beatsynchronisieren Effekte und die Samplefunktion des DJM-400 gestrichen wurden, wird möglicherweise einige Kaufinteressenten, je nach Priorität, doch noch zum Vorgängermodell greifen lassen.

Pioneer DJM-350

  • klarer Sound durch digitales System
  • Isolator-Equalizer für jeden Kanal
  • vier Effekte (Filter, Crush, Jet, Gate)
Artikelinformationen

Kategorie: Produkttests

Tags: pioneer, dj mixer, djm-350, 2-kanal-mixer

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