Im Test: Pioneer XDJ-Aero

 

Der Multimedia-Alleskönner

Höher, schneller und weiter: DJ Controller übertrumpfen sich mittlerweile an Funktionen und praktischen Nutzen. Sind die einsteigerfreundlichen Varianten immer besser durchdachter und weisen intuitivere und schneller zu begreifende Layouts bei einem guten Preis/Leistungsverhältnis auf, so übertrumpfen sich die Goliaths unter den Controllern mit ihren massiven Funktionen. Pioneer bietet nun mit der XDJ-Aero Reihe einen schnurlosen Ansatz: Der jüngste Spross ist WLAN-kompatibel. Das heißt im Klartext, dass die eigene Musiklibary bequem per iPhone auf den Controller übertragen und vermixt werden kann, der Laptop darf in der Tasche bleiben - muss er aber nicht, denn darüber hinaus bietet der XDJ-Aero natürlich auch volle Traktor und Virtual DJ-Kompatiblität. Einen USB-Slot für die direkte Wiedergabe oder auch Aufnahme vervollständigt die Medienvielfalt an dem Gerät. Ich habe mir den neuen Multimedia-Alleskönner einmal näher angeschaut.

Nachträgliche Pionierarbeit

Zugegeben, Pioneer hat sich sicherlich den Einstieg in den DJ Controllerbereich einfacher vorgestellt. Richtig überzeugen konnten mich die ersten Controller-Varianten nicht, zu sehr emfpand ich den damaligen Preis bei einem DDJ-S1 oder DDJ-T1 als überzogen; auch die einsteigerfreundliche Variante in Form vom DDJ-Ergo-V konnte mich haptisch nicht überzeugen, vom Preis einmal ganz zu schweigen. Preispolitisch passte sich Pioneer dann recht schnell dem Markt an, senkte für die Controller die Preise und so fanden sich die Geräte in einem „gesunden Rahmen“ wieder, allerdings musste man sich auch hier eingestehen, dass der Markt mit High-End Controllern mittlerweile gut bestückt ist. So haben sicherlich Vestax, Native Instruments, Numark und Reloop einige (Achtung, Wortwitz) Pionierarbeit auf dem DJ Controller-Sektor geleistet, während sich der Branchenriese erst später dazugesellte. Mit dem XDJ-Aero scheinen aber die Weichen nun auch auf „Innovation“ im Controller-Bereich umgestellt worden zu sein, nachdem man seit Jahren zahlreiche Clubstandards für den Mixer- und CD-Playermarkt entworfen hat.

Anfassen

Durchweg hochwertig und dass, obwohl relativ viel Kunststoff verarbeitet wurde, was aber nicht negativ ins Gewicht fallen soll, denn die Verarbeitung fällt massiv und stabil aus. Gerade die Jog Wheels können voll überzeugen und punkten: Ausreichend flach, angenehmer Widerstand, tolle und griffige Oberfläche, das macht Spaß. Die Mixersektion ähnelt einem DJM-400 mit zusätzlichen Filterpotis und auch hier gibt sich Pioneer in der Verarbeitung keine Blöße, denn die Linefader verfügen über kein Spiel und weisen einen angenehmen Widerstand auf, lediglich der Crossfader hätte nach meinem Geschmack noch eine Spur leichtgängiger sein können, liegt aber auch noch im annehmbaren Rahmen. Fazit: Haptisch genau das, was man von einem Gerät aus dem Hause Pioneer erwartet.

Die Besonderheit von dem Gerät: Die WLAN-Kompatibilität

Was sich reimt, das ist gut: Die Software rekordbox ist die Schnittstelle zwischen Smartphones, Tablets oder Notebooks und dem XDJ-Aero. Mit der Musikmanagement-Software lassen sich die Tracks ordnen und in Playlisten unterteilen, Cue-Punkte setzen, BPM-Werte analysieren, Beat-Grids anzeigen und eben Tracks auf den XDJ-Aero laden. Nach einem Firmware-Update von dem Gerät geht das Laden der Tracks auch recht fix über die Bühne, erfreulicherweise wird auch der aktuell abgefeuerte Song auf dem Gerät zwischengespeichert, so dass selbst bei eventuell anfallenden Netzwerkstörungen garantiert ist, dass die Musik läuft. Während der Testphase war die Verbindung aber stets einwandfrei und absolut stabil. Einzig und allein eine logische Verbesserung von rekordbox ist unserer Meinung nach notwendig, da der Connect-Button innerhalb der Software irritierenderweise nicht zum Verbinden mit dem XDJ-Aero dient – das funktioniert mittels „Load“-Button. Das gestaltete sich auch während der Testphase als größte Hürde, um eine kabellose Verbindung zum Controller herzustellen, ansonsten lief die Inbetriebnahme der WLAN-Funktion erfreulicherweise ohne Probleme. Die nächste Besonderheit beim XDJ-Aero lässt nicht weiter auf sich warten: Es wird keine DJ-Software benötigt, denn der Controller versteht sich als nativer Player für recordbox und somit kann der Laptop theoretisch in der Tasche bleiben. In unserem Fall lag das iPhone neben dem Gerät und lud uns direkt zu einer spontanten Mixsession mit hohem Spaßfaktor ein.

Der Multimedia-Alleskönner

Zwar wird ein Laptop für den Betrieb von dem Gerät nicht benötigt, der XDJ-Aero kann es aber und versteht sich dabei als wahrer Multimedia-Alleskönner. Neben der bereits erläuterten innovativen WLAN-Funktion kann sich der Controller mit Traktor oder Virtual DJ verbinden. Leider ist im Lieferumfang bislang keine Software enthalten, die Mappings gibt es aber auf der Herstellerseite zum Download. Desweiteren ist ein USB Slot vorhanden, von dem aus ebenfalls musikalisches Material auf die Kanäle geroutet werden kann. Stichwort Routing: Mit dem XDJ-Aero hat Pioneer eine absolut flexible Lösung für das Einbinden jedweder Formate oder Medien realisiert. Die Kanäle können völlig individuell auf WLAN, Midi oder USB geschaltet werden. Zusätzlich fungiert der XDJ-Aero auch als analoger Mixer, an dem CD-Player oder Turntables angeschlossen werden können. Nicht wundern dürft ihr euch, wenn ihr mit dem XDJ-Aero eure DJ Software ansteuern wollt und sich die Mixersektion nicht verändert – der Mixer bleibt auch im Midimodus rein analog. Das ist auch sinnvoll, denn wären beispielsweise die Equalizer-Potis midifähig, würde man arge Probleme bei einem Wechsel in einen anderen Modi bekommen und müsste die Poti-Einstellungen korrigieren.

Effekte

Trans, Flanger, Echo und Roll lauten die Effekte, die mixerseitig auf einen Kanal angewendet und mit zwei Drehreglern variiert werden können. Das ist zwar ausreichend und gewährleistet auch das übersichtliche Layout von dem Controller, spricht aber sicherlich nicht die DJs unter euch an, die viel Wert auf einen kreativen Effektmix legen. Auch die Ansteuerung der Effekte einer DJ Software ist mit zwei Drehreglern und Shift-Belegung zwar ausreichend gelöst, um aber das Maximum aus einer DJ Software wie Traktor herauszukitzeln, empfiehlt sich der zusätzliche Einsatz von Modularcontrollern.

Klang

Wirklich hervorragend und „Pioneer-typisch“. Insbesondere die Mixersektion überzeugt mit einem typischen, druckvollen Clubsound. Auch ein Mikrofon lässt sich an den Mixer anschließen und bietet zur Klangregulierung einen Equaliser. Da sich der XDJ-Aero laut Pioneer als „Home DJ“ Controller versteht, sind keine XLR-Ausgänge vorhanden.

Pro/Contra

  • Einmaliges Konzept
  • Flexibles Kanalrouting
  • Robuste Verarbeitung
  • Hervorragender Klang

Contra

  • Keine DJ Software im Lieferumfang enthalten
  • hardwareseitig nur 4 Effekte

Fazit

Ein bislang einmaliges Konzept, das überzeugt: Ein derart flexibles Routing ist am Markt sicherlich einmalig, die WLAN-Kompatibilität ist hervorragend geglückt, wenn man von einigen Kleinigkeiten, wie einer leicht irritierenden Menüführung innerhalb der rekordbox-Software absieht und haptisch kann man dem XDJ-Aero ebenfalls nur Bestnoten bescheinigen. Hier punkten hervorragende Jog Wheels und griffige Potis in einem stabilen Gehäuse. Das alles zusammen ergibt ein Gerät mit einem hohen Spaßfaktor. Für Freunde von umfangreichen Effekt-Orgien bietet der Controller sicherlich nicht genügend Encoder und hardwareseitig nur 4 FX-Typen an, dafür besticht das Gerät als Multimedia-Alleskönner. Wenn man in Betracht zieht, dass sich bis zu 4 kabellose Plattenkisten mit dem XDJ-Aero verbinden können, analoge Quellen ihren Anschluss an dem Controller finden und auch die DJ Software angesteuert werden kann, ergibt das einen unglaublich flexiblen Controller mit hohem Spaßfaktor.

Pioneer

  • Einmaliges Konzept
  • Flexibles Kanalrouting
  • Robuste Verarbeitung
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Kategorie: Produkttests

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Kommentare: 1

Kommentare


Andreas schrieb am 28.09.2012, 11:16

Hay Alex,

Danke für sehr ausführlichen Bericht. Ich hatte die Gelegenheit den XDJ-Aero selbst zu testen und muß sagen 999 EUR sind für diesen Controller einfach zu viel Geld.

Das absolute Positive und ich hoffe, daß andere Hersteller dem Pioneer folgen werden ist WLAN und App Technologie. Es ist einfach Geil, wenn Du bereits deine Playliste inkl. Beatgrid und Cue’s im Zug vorbereiten kannst und Zuhause bzw. im Club Dich nur auf Auflegen konzentrierst.

Ich hatte einige Controller im Einsatz (DDJ-T1, Kontrol S4, Reloop Terminal Mix 4) und würde die Plätze wie gefolgt verteilen.

Inovations Preis an XDJ-Aero (ist leider zu teuer und Preis/Leistung passt nicht)

Profi Preis geht an Kontrol S4 (Top Verarbeitung)

Bester Preis/Leitung Verhältniss hat für mich der Reloop Terminal Mix 4 (Ebenfalls Top Verarbeitung zu günstigem Preis nur leider ohne Pegelanzeige im Kanal)

Fette Beats!
DJ KAPRIZ | beat on stage


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