Stellt man heutzutage einen Rotary Mixer auf seinen Schreibtisch, kann das die unterschiedlichsten Reaktionen hervorrufen. Angefangen von “Wow, das ist ja mal fett: Ein Mixer der alten Schule”, über “Damit konnte ich noch nie etwas anfangen”, ist der ein oder andere jüngere Kollege gar ganz verwundert über die Funktion der stolz empor ragenden extradicken Potis: “Und das sind quasi die Line Fader?”
Die Geschichte der Rotary Clubmixer reicht bis in die 60er Jahre zurück, als Bozak mit dem CMA-10-2DL den ersten kommerziellen DJ-Mixer auf den Markt brachte (Quelle: www.ehow.com). Heutzutage fristen Rotary Mixer leider nur noch ein absolutes Nischendasein, obwohl sie vor allem für Disco und House DJs prädestiniert sind, die auf sehr, sehr feine Übergänge Wert legen. Denn ein Rotary Knob lässt sich aufgrund der menschlichen Bewegungsmechanismen wesentlich gleichmäßiger und feinfühliger Drehen als sich ein Linefader schieben lässt.
Auf dem heutigen DJ-Markt sind es nur noch Allen & Heath mit dem S2 und Xone 92, Pioneer mit dem DJM-800 Rotary Kit und und Rane mit dem MP 2016S Rotary und dem Rane Rotary Empath, die Rotary Mischpulte in ihrem aktuellen Produktsortiment führen. Der Rane Rotary Empath, um den es in diesem Artikel geht, ist nebenbei bemerkt nicht nur ein Rotary Mischpult, sondern befindet sich mit seinen drei Kanälen zugleich in einer zweiten und möglicherweise ebenso aussterbenden Bauart.
Für welchen Mixstil der Rane Rotary Empath trotz seines Nischendaseins und seiner absolut puristischen Ausstattung ein durchaus interessantes Mischpult ist, lest in ihr in folgendem Testbericht.
Der erste Eindruck
Optisch erinnert der Rotary Empath stark an die populären 2-Kanal Battle Mixer aus dem Hause Rane: Ein eckiges und leider auch etwas scharfkantiges Gehäuse und die Schwarz/Grau bedruckte Lexan-Oberfläche, die das Gehäuse vor unschönen Kratzern schützen soll, lassen den Rotary Empath im Rane-typischen Gewand erscheinen. Spätestens die Potiscaps sind aber weitaus weniger typisch und heben den Rane Rotary Empath sowohl von Ranes 2-Kanal-Mixern als auch von sonstigen Modellen aus der Empath Reihe ab, die allesamt mit Linefadern ausgestattet sind.
Wirken die Silber-Schwarzen-Caps auf den Produktbildern noch wie Metall, merkt man spätestens beim ersten Anfassen, dass es sich hier um Plastik handelt. Auch wenn der Schein hier etwas trügt, sind die Potis dank der schwarz geriffelten Ummantelung absolut Griffig und verleihen dem Rane Rotary Empath durch ihre Optik einen High Fidelity-Charme, den in dieser Form kaum noch ein aktueller DJ-Mixer ausstrahlt.
Die Ausstattung: weniger ist mehr!
Im Gegensatz zu den Potis, trügt der äußere Anschein des Mixers was die verbaute Technik angeht nicht, denn im Rane Rotary Empath werkelt ausschließlich Analogtechnik. Dementsprechend muss man sich mit einer der gewollt puristischen Ausstattung zufrieden geben: 3-Band-EQ, Effektschleife mit Dry/Wet-Steuerung pro Kanal und ein Pan-Regler pro Kanal (wer auch immer den wirklich benutzt) sind die Hauptfeatures, mit denen der Rane Rotary Empath ausgestattet wurde. Hinzu kommt ein sowohl für Analogmixer als auch für Digitalmixer wahrlich ungewöhnliches Feature: Per Auto Gain Switch wird die Lautstärke aller angeschlossenen Quellen automatisch angeglichen.
Anschlussseitig hat der Rane Rotary Empath alles, was man von einem (Analog-)Mixer erwartet: Drei Line-Eingänge, drei Phono-Eingänge, einen Aux-Eingang und ein 6,3 mm Mikrofoneingang machen die Anschlussseite eingangsseitig komplett. Ausgangsseitig wird man mit einem Master-Ausgang in XLR-Ausführung, einem Booth-Ausgang als 6,3 mm Klinke (symmetrisch) und einem AUX-Ausgang für Aufnahmen oder zum Anschluss an einen HIFI-Verstärker ebenso zufrieden gestellt. Der Effekt-Send/Return, bei Rane auch “Flex FX” genannt, ist in 6,3 mm Klinke ausgeführt, und ermöglicht den Anschluss von externen Effektgeräten. Der Kopfhörerausgang an der Vorderseite wurde in doppelter Ausführung verbaut (6,3 mm und 3,5 mm Klinke) und lässt sich auch simultan nutzen. Zwei CD Player können ebenso angetriggert werden (Fader Start). Die Stromversorgung erfolgt über ein Kaltgerätestecker und lässt sich demzufolge auch abnehmen (was leider nicht bei jedem Mixer der Fall ist).
Die ersten Umdrehungen
Der Rane Rotary Empath ist der erste Rotary Mixer, den ich unter die Finger bekommen durfte. Umso gespannter war ich, wie es sich mit Drehreglern statt Fadern mixt. Als ich mit dem Auflegen begann, hatte ich mir immer einen Drehregler wie an einer HIFI-Anlage gewünscht. Jetzt, wo mein Wunsch in Form des Rane Rotary Empath vor mir steht, stelle ich fest, dass es sich anfänglich doch weitaus ungewohnter anfühlt, als ich gedacht habe. Und das obwohl ein Drehregler weitaus besser zu den Bewegungsabläufen des Handgelenks passen soll, als ein Schieberegler.
Nach etwas Ein- bzw. Umgewöhung hat sich das aber schnell erledigt und ich stelle fest, dass weiche Übergänge mit einem Rotary Mixer durchaus einfacher gelingen als mit einem Schieberegler, da die Lautstärke aufgrund der Drehbewegung tatsächlich wesentlich gleichmäßiger eingebracht werden kann. Die Lautstärkeeinstellung der Rotaries für Kanal 1 und 3 kann dabei von “Slow” bis hin zu “Fast” angepasst werden, für Kanal 2 ist eine Einstellung nicht möglich. Steht der Regler auf “Fast” wird das Signal ab ca. 2/10 zu 100 % in das Mastersignal eingebracht. Cuts sind damit trotzdem nur bedingt möglich, ein Fader reagiert hier nach wie vor wesentlich schneller. Dafür hat man am Rotary Empath aber noch den den Crossfader, dessen Kappe gummiert ist, was einige DJs bei schnellen Cuts als Nachteil empfinden, da die Kappe hier beim Scratchen eher an den Fingerspitzen “kleben” bleibt als es bei glatten Oberflächen der Fall ist. Die Kappe kann jedoch problemlos getauscht werden. Prinizipiell sollte noch erwähnt werden, dass sich der Rotary Empath meines Erachtens auch nicht an Scratch DJs sondern an House und Disco DJs richtet.
Der 3-Band-EQ des Rane Rotary Empath löscht das jeweilige Frequenzband komplett aus. Das klangliche Verhalten empfinde ich dabei als angenehm, es kommt mir nicht so vor, als würde beim rausdrehen des Basses ein Teil der Mitten abgeschnitten. Der EQ kann übrigens pro Kanal ein- und ausgeschaltet werden. Somit kann man den EQ On/Off Switch auch als Kill Switch nutzen, um so beispielsweise den Bass kurzzeitig raus- und reinzukicken. Aus Sicht der Verarbeitungs- bzw. Konstruktionsqualität stechen die verbauten EQ-Potis leider negativ aus dem sonst gut verarbeiteten Mixer hervor. Das große Spiel bei den Potis fällt bereits beim ersten Kontakt mit dem Mixer auf und lässt die EQs recht billig erscheinen, was sie wahrscheinlich gar nicht sind. Vielmehr tippe hier auf das fehlen einer entkoppelnde Verschraubung von Potistift und Mixergehäuse.
Neben dem 3-Band-EQ gibt es noch einen Pan-Regler pro Kanal, mit dem man das Klangpanorama nach links bzw. rechts verschieben kann. Über den Sinn eines Pan-Reglers pro Kanal kann man geteilter Meinung sein: Ich halte ihn auf einem DJ-Mixer pro Kanal für nicht notwendig. Beim Booth-Ausgang ist es hingegen ein deutlicher Mehrwert, wenn man die Lautstärkeverteilung der Monitorlautsprecher je nach Aufstellung nach links oder rechts verschieben kann. Statt des Pan-Reglers hätte ich mir vielmehr einen Filter pro Kanal gewünscht. Ein Merkmal, dass ich auf dem Rane Empath stark vermisse.
Über die Send/Return-Schleife des Rane Rotary Empath kann ein Effekt eingeschliffen werden. Mit einem Korg Kaoss Pad klappte das problemlos. Ein tolles Feature ist hier, dass die Lautstärke von Send und Return separat über kleine Schieberegler eingestellt werden können. Weniger schön finde ich die Dry/Wet-Reglung des Rane Rotary Empaths. Hier kommen horizontal positionierte Fader zum Einsatz. Für Battle Mixer und Hip Hop DJs mag das Cut-artige einbringen von Effekten Sinn machen, für House DJs wären Potis wesentlich besser gewesen. Vor allem in Kombination mit den Rotaries kann ich die Entscheidung von Rane nicht nachvollziehen für die Effekteinheit einen Fader zu verwenden.
Neben dem klassischen Vorhörsystem mit CUE-Tastern pro Kanal, verfügt der Rane Rotary Empath über einen Kippschalter, mit dem im Zusammenhang mit der Crossfaderzuweisung zwischen den Vorhörkanälen gewechselt werden kann.
Warme, analoge Töne
Man hört dem Output seine Herkunft deutlich an: Der Klang des Rane Rotary hat eine warme Note, die durch die analogen Bauteile bedingt ist. Ein leichtes Grundrauschen ist vorhanden, das hört man aber auch wirklich nur dann, wenn der Verstärker bzw. die Monitorlautsprecher stark aufgedreht sind und kein Signal am Mixer anliegt. Die Lautstärke an den Ausgänger könnte jedoch etwas lauter sein. Im Vergleich zu einem Allen & Heath Analogmischpult, ist der Rane Rotary Empath ein Stückchen leiser.
Der Kopfhörerausgang rauscht ebenfalls leicht. Sobald ein Signal anliegt, wird das Rauschen aber auch hier durch die Musik übertüncht. Ein heute rar gewordenes Feature im Zusammenhang mit dem Kopfhörerkanal ist der einstellbare 2-Band-Kopfhörer-Equalizer, der es ermöglicht, die Klangfarbe des Kopfhörerkanals optimal auf den eigenen Kopfhörer abzustimmen.
Pro/Contra
Pro
- Äußerst hochwertige Rotary Fader
- Klangqualität (warmer analoger Klang)
- Effektintensität pro Kanal steuerbar
- Angenehm abgestimmtes EQ-Verhalten mit Full Kill-Funktion
- Auto Gain-Funktion
Contra
- Dry/Wet Fader statt Potis
- Wackelige EQ-Potis
Fazit
Der Rane Rotary Empath ist ein puristischer 3-Kanal-DJ-Mixer gebaut für DJs mit hohem Anspruch an Qualität und Klang. Das Hauptaugenmerk des Mixers liegt auf seinen Rotary Fadern, mit dem feinfühlige Übergänge weitaus einfacher gelingen, als mit einem Slide Fader. Die Effektschleife des Rane Rotary Empath wurde gut umgesetzt. So kann das sonst so puristische Mischpult um eine externe Effekteinheit ergänzt werden.
Nicht nur aufgrund seiner puristischen Ausstatung, sondern auch aufgrund des Preises von 1099 € fristet der Rane Rotary Empath (bzw. die gesamte Empath-Reihe) trotz der guten Verarbeitungsqualität ein absolutes Nischendasein. Damit ist der Mixer wirklich nur für DJs interessant, die einerseits auf Rotaries schwören und andererseits auf die bewährte Qualität von Rane setzen. Die meisten DJs sind mit den etablierten Clubmixern von Pioneer oder Allen & Heath besser beraten. Das muss aber nicht als Kritik an Rane verstanden werden. Vielmehr ist es löblich, dass Rane trotz der wohl eher geringen Verkaufszahlen mit dem Rotary Empath Liebhabern der weichen Übergänge ein interessantes Produkt anbietet.
Rane Rotary Empath
- Rotary Fader für feinfühligen Mix
- Warmer, analoger Klang
- Auto Gain-Funktion
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