Im Test: Reloop RHP-20

 

Essentielles Werkzeug

Im DJ-Bereich ist ein guter Kopfhörer so etwas wie der Hammer für den Schmied – ein unentbehrliches Werkzeug. Im Gegensatz zum Schmied reist der DJ aber oft, er ist im Grunde immer auf Tour und in den Clubs dieser Welt zu Hause. Dort ist er stets auf die vorinstallierten Monitorboxen angewiesen, die nicht immer ein Garant für gute Akustik sind. Und nicht nur das: Jegliche PA-Beschallung muss zum Vorhören übertönt werden. Deshalb sind Profi-Kopfhörer auch so essentiell und wichtig. Wie der Schmied sich stets auf seinen Hammer verlassen muss, muss sich der DJ sich auf seine Kopfhörer verlassen können. Das gilt sowohl für den Klang als auch für die Stabilität gleichermaßen. Wenn bei diversen akrobatischen Mix-Einlagen die Headphones krachend auf dem Fußboden landen, dann sollten sie nicht wie Glas auseinander springen!

Ein weiterer wichtiger Aspekt neben Klang und Stabilität ist der Tragekomfort – man will sich beim Auflegen wohlfühlen und nicht eine Erbsenschüssel auf dem Kopf spazieren tragen. Zumindest sollte eine gewisse “Wohlfühlatmosphäre” zwischen Kopfhörer und DJ vorherrschen, vor allem, was den Tragekomfort anbelangt.

Mit dem RHP-20 hat Reloop einen Premiumkopfhörer auf den Markt gebracht, der neben einem außergewöhnlichen Design und einer absolut hochwertigen Verarbeitung auch noch verdammt gut klingen soll – also all die Eigenschaften, die für einen DJ wichtig sind. Die Messlatte wurde vom Hersteller mit dieser Beschreibung ziemlich hoch angelegt, zumal der Reloop RHP-20 schon für 149 Euro zu haben ist, was für einen Premium-DJ-Kopfhörer sicher nicht zu viel verlangt ist. Aber kann so etwas funktionieren? Gut und günstig? Ich habe den Reloop RHP-20 für euch unter die Lupe bzw. auf die Ohren genommen und mit der Konkurrenz verglichen.

Auspackzeremonie & erster Eindruck

Der edle Karton vermittelt schon einmal einen kleinen Trommelwirbel und unterstreicht die hohen Erwartungen, die ein Kopfhörer der Gattung “Deluxe DJ-Headphone” mit sich bringt. Mit einem Magnetclip befestigt, lässt sich der Deckel des Kartons aufklappen, um einen Blick in das Innere erhaschen zu können. Mir gefallen auf den ersten Blick schon einmal die kleinen Raffinessen, die der Kopfhörer ausmacht: Beispielsweise das futuristische Design, das aber dennoch nicht aufdringlich wirkt. Das spiegelt sich auch im Detail wieder, wie es das dezent geprägte Firmenlogo auf dem Aluminiumbügel zeigt. Alles in Allem: Definitiv ein stylischer Hingucker.

Zum Lieferumfang des Reloop RHP-20 gehört eine schwarze Verlourtasche um den Kopfhörer beim Transport vor Schmutz und Kratzern zu schützen. Nicht zu vergessen das spiralförmige Mini-XLR auf 3,5 mm Klinke Kabel. XLR? Richtig, der RHP-20 hat eine Mini-XLR-Buchse, die das spiralförmige Kabel dank Schnappverschluss äußerst sicher in der Buchse hält. Alle Kontakte sind übrigens vergoldet!

Die ersten haptischen Eindrücke fallen ähnlich positiv aus: Der Kopfhörer vermittelt eine grundsolide und stabile Verarbeitung dank der Kombination aus Hartgummi (Kopfbügel) und Aluminium (Ohrmuschel). Durch einen Schwenk- und Faltmechanismus lässt sich der Kopfhörer bedenkenlos für den Transport einklappen und findet so auch Platz in jeder randvoll gepackten Plattentasche. Für Freunde des einseitigen Vorhörens bietet der Reloop RHP-20 einen praktischen Drehmechanismus, mit dem die Ohrmuschel dauerhaft zur Seite gekippt werden kann. Dadurch bietet der Kopfhörer für viele unterschiedliche Vorhör-Konstellationen eine passende Lösung an. A propos Ohrmuschel, die Ohrpolster fühlen sich angenehm weich an, was an der Verwendung einer speziellen Protein-Oberfläche in Kombination mit der Memory Foam-Füllung liegt. Protein-Leder kommt ursprünglich aus der Auto-Industrie und ist das Echtleder-ähnlichste Material am Markt. Das erklärt auch den sehr angenehmen Tragekomfort des Reloop RHP-20, denn Protein-Leder ist dafür bekannt, dass es eine hervorragende Feuchtigkeitsaufnahme und Entformbarkeit bietet.  Der erste Eindruck des Reloop RHP-20 weiß also auf ganzer Linie zu überzeugen.

Robust!

Wie in meiner Einleitung bereits erwähnt, ist die Stabilität für DJ-Kopfhörer ungemein wichtig. Und so macht der Reloop RHP-20 aus Testzwecken gleich einmal eine unfreiwillige Bekanntschaft mit dem Fußboden, was dem Kopfhörer aber nicht weiter zu stören scheint: Keine Sprünge, Risse, abgebrochene Teile oder ein Klappern irgendwelcher in Mitleidenschaft gezogenen Bauteile.

Unter Dauerbeschuss

Nachdem die äußeren Rahmenbedingungen für den Kopfhörer abgesteckt worden sind, geht es nun an das Eingemachte: Ich habe den Reloop RHP-20 im direkten Vergleich mit dem Sennheiser HD 25-1 II und dem Flaggschiff aus dem Hause Pioneer, dem HDJ 2000, antreten lassen. Preislich liegt der Pioneer mit 249 Euro deutlich vorne, der Sennheiser kostet in der Basis Edition 148 Euro, womit er derzeit einen Euro günstiger ist als der Reloop RHP-20. Also, lasst die Spiele beginnen!

Klang

Der HD-25 beginnt bei 16 Hz und ermöglicht dadurch einen sehr linearen Klang im Bassbereich. Kicks und Basslines kommen sehr kräftig rüber, ein Markenzeichen der beliebten Sennheiser-Reihe. Die Kicks pumpen regelrecht, überhaupt wirkt der Sound beim Sennheiser sehr dicht. Die Ausgangsleistung ist mit 120 dB sehr mächtig und gibt auch bei hoher Ausgangsleistung ein sauberes und unverzerrtes Klangbild wieder. Selbst die Höhen verzerren nicht, wenn mal lauter aufgedreht werden muss, weil die Umgebungslautstärke ins unmenschliche steigt. Das ist aber auch notwendig, da der Sennheiser eine halbgeschlossene Bauweise anbietet und so die Ohren nicht umschließt.

Pioneer setzt dagegen auf eine geschlossene Bauweise. Die Klangwiedergabe im Bassbereich beginnt bei 5 Hz und geht bis auf 30 kHz hoch bei 107 dB Kennschalldruck. Der Sound wirkt einerseits durch die Bauweise, andererseits durch die brilliante Wiedergabe der Höhen mehr “crispy”. Insgesamt kommt der Pioneer HDJ-2000 meiner Meinung nach etwas transparenter rüber als der Sennheiser, während der Bassbereich dagegen weniger voluminös verstärkt wird als beim HD 25, hier geht der Pioneer-Vertreter trockener zu Werke und liefert einen linearen Bassverlauf ab. Freunde der pumpenden Ohrmuscheln gibt der Kopfhörer aus dem Hause Pioneer wahrscheinlich zu wenig Dampf ab, wobei das auch immer eine subjektive Meinung ist.

Der RHP-20 liefert ein Frequenzspektrum von 3 Hz bis 30 kHz, dementsprechend “saftig” klingen Kicks und Bässe. Überhaupt wirkt der Klang im Bassbereich sehr voluminös, gerade im Subbass-Bereich gibt der RHP-20 mächtig dampf ab, was einerseits durch die Wiedergabe ab 3 Hz, andererseits auch durch die geschlossene Bauweise ermöglicht wird, wodurch auch die Umgebungsgeräusche nicht mehr hörbar sind - ideal für den Clubbetrieb. Mit einer Ausgangsleistung von 110 dB bei einem Kopfhörer in geschlossener Bauweise schreit der RHP-20 förmlich “Attacke!”, denn der Kopfhörer ist definitiv mächtig laut. So reicht es schon auf geringer Lautstärke seine Platten zu mixen, denn die mächtige Wiedergabe des Bassbereiches ermöglicht hier problemloses Vorhören des nächsten Tracks. Die Klangwiedergabe der Höhen kommt dem Sennheiser HD 25 sehr nahe.

Komfort

Ganz klar, der Sennheiser ist HD 25 ist nach wie vor einer der beliebtesten und bewährtesten Kopfhörer, nicht nur im DJ-Bereich. Aber: wirklich bequem ist er nicht. Spätestens nach einer Stunde Dauerbeschallung drücken die Kopfhörer, gerade bei “frischen” Modellen, unangenehm auf die Ohren. Für unterwegs in Bus und Bahn empfiehlt sich der Kopfhörer also nicht, das ist aber auch nicht wirklich sein Steckenpferd. Die Vorteile seiner Bauweise gehen zwar zur Lasten vom Komfort, machen dafür umso mehr Pluspunkte in Sachen Stabilität, Robustheit und Haltbarkeit. Dennoch: Bequem ist etwas anderes.

Beim Pioneer HDJ-2000, dem teuersten Vertreter meines kleinen Kopfhörervergleichs, ist der Tragekomfort wirklich vorbildlich. Dank dem weichen Polster kann man den Kopfhörer stundenlang auf den Ohren haben, ohne dass sich ein unangenehmes Drücken auf den Lauschern bemerkbar macht. Allerdings finde ich den Sitz im Offline-Betrieb, also um den Hals geschnallt, sehr beengend, eine große Aussparung bietet der Pioneer-Kopfhörer nicht und wirkt so regelrecht “erwürgend”.

Beim Reloop RHP-20 wird Komfort definitiv großgeschrieben, denn er zeichnet sich durch die einzigartige Verarbeitung der Proteinleder-Oberfläche aus und kann ähnlich wie der Pioneer HDJ-2000 ohne Kompromisse permanent getragen werden. Das bequeme Memory-Foam-Polster garantiert einen festen, aber bequemen Sitz und dank der großzügigen Aussparungen, dem hochwertigen Hartgummi-Kopfbügel und seinem geringen Gewicht, kann er locker um den Hals getragen werden werden.

Design

Funktionalität ist das Schlagwort beim Sennheiser HD 25, denn die einzigartigen Features, wie der spreizbare Kopfhörerbügel oder die Möglichkeit, den Kopfhörer bis in seine letzten Bestandteile auseinanderzunehmen und tauschen zu können, machen das Design konzeptionell schon ziemlich genial. Ganz nach dem Motto “Form follows Function”, macht Sennheiser keine Abstriche in der Funktionalität und bietet seit Jahren ein Konzept an, das vor allem in der Praxis punktet. Aber bekannterweise ist Design auch immer subjektiv zu betrachten, und so gibt es auch eine große Anzahl von DJs, die sich überhaupt nicht mit einem HD-25 anfreunden können, eben wegen seinem rein funktionalen Design. Einseitiges Vorhören ist beim HD 25 übrigens auch möglich, da die rechte Muschel nach hinten gedreht werden kann.

Der Pioneer HDJ-2000 bietet einen Schwenk- und Faltmechanismus, mit dem die Ohrmuscheln aneinandergepresst werden, was den Kopfhörer transportabler erscheinen lässt. Im Gegensatz zum HDJ-1000 hat sich designtechnisch einiges getan, was man aber auch in dieser Preiskategorie durchaus erwarten darf. So ist das Flaggschiff aus dem Hause Pioneer besonders robust und edel verarbeitet und bietet im Gegensatz zu den Konkurrenten eine I-Gelenkverarbeitung, mit dem die Ohrmuscheln um 90 Grad gedreht werden können. Allerdings kann man die Ohrmuscheln nicht dauerhaft hinter das Ohr klemmen, eine Vorrichtung um die Ohrmuscheln anzuwinkeln ist beim HDJ nicht vorgesehen.

Der Reloop RHP-20 bietet eine Fülle an Vorhörmöglichkeiten an. Die Ohrmuscheln können dauerhaft hinter das Ohr geklappt werden, aber auch klassisches Vorhören ist durch die Hartgummiverarbeitung des Kopfhörerbügels möglich, ohne dass die Ohrmuscheln beim mixen “verwackeln”. Im Gegensatz zum Pioneer HDJ-2000 wirkt der Reloop RHP-20 an den Ohren nicht so abstehend, da der Kopfhörer eher kreisförmig Designed wurde.  Wie bereits beschrieben beschreitet der Hersteller mit dem RHP-20 einen minimalistischen und edlen Pfad und so macht der Kopfhörer auch im HIFI-Sessel eine gute Figur. Die gelungene Kombination aus Hartgummi und Aluminium lässt keine Zweifel an der Strapazierfähigkeit der Kopfhörer offen und verleiht dem RHP-20 gleichzeitig seinen futuristischen und edlen Charme.

Fazit

Während der Testphase der Mitkonkurrenten wurde ich das eine oder andere Mal positiv vom Reloop RHP-20 überrascht: Weder im Tragekomfort noch in der Verarbeitung braucht sich der Kopfhörer vor der Konkurrenz zu verstecken. Zieht man das Preis-Leistungsverhältnis zu Rate, dann kann man wirklich von einem gelungenen Wurf sprechen, schließlich erhält man klangtechnisch ein equivalentes Gegenstück zum Sennheiser HD 25 II, wobei der Reloop-Vertreter sogar noch einen Tacken mehr Power im Sub-Bassbereich hat. Gleichzeitig bietet er die optischen Vorzüge eines Pioneer HDJ-2000, kostet aber dafür rund 100 Euro weniger.

Auch im Tragekomfort kann ich dem Reloop RHP-20 nur Gutes abgewinnen, denn was sich hinter dem sagenumwobenen “Protein-Lederpolster” verbirgt, das hat tatsächlich Hand und Fuß und ist nicht bloß eine witzige Idee aus dem Marketing. Selbst beim stundenlangen Tragen fallen die Kopfhörer nicht unangenehm auf, ganz im Gegensatz zu Sennheisers HD 25, liegen aber gleichzeitig wesentlich besser um den Hals als der HDJ-2000.

Also zusammengefasst, für all diejenigen, die mit dem Sennheiser-Vertreter aufgrund seiner halbgeschlossenen Bauweise oder des pragmatischen Designs nichts anfangen können, die sollten sich den RHP-20 einmal näher anschauen.

Pro/Contra

Pro

  • sehr bassbetont
  • futuristisch-puristisches Design
  • hoher Tragekomfort
  • edle Verarbeitung und hochwertige Komponenten
  • günstiger Preis für einen Premium-Kopfhörer

Contra

Reloop RHP-20

  • futuristisches Design
  • praktischer Dreh-Mechanismus
  • für DJs optimierter Klang
Artikelinformationen

Kategorie: Produkttests

Tags: reloop, pioneer, hdj-2000, hd 25, sennheiser, kopfhörer, rhp-20

Kommentare: 4

Kommentare


Dario schrieb am 26.09.2011, 16:40

Das wird mein Geburtstagsgeschenk werden!!
...ja von elevator, auch wenn es erst im Dezember ist.
Reloop begeistert mich immer mehr und mehr.
Weiter so!
LG

Joe G. schrieb am 28.09.2011, 11:08

cooles Ding! Werde ich mir def. anschauen.

Danke für diesen tollen Testbericht.

Weiter so.

PS. Habt ihr schon Neuigkeiten zum neuen Vestax VCM-400, das neue Quad-Core teil von A&H etc? Hab noch nix auf der Seite sehen können.

Fabian schrieb am 30.09.2011, 11:40

Man, echt klasse Testbericht, vielen Dank! grin Den werd ich mir auch holen, jetzt ist es entschieden. Wirklich super, weiter so!

Andyko schrieb am 04.02.2012, 15:50

Hey an alle :D

Ich hab da mal ne frage ist der 6,3mm klinken stecker ein adapter oder kann man den auch zu einem 3,5mm klinken (also handy oder ipod eingang) umfunktionieren ?? :D
Und wenn nicht gibt es da ein austausch-Kabel ?? :D

Thx im vorraus :D
Liebe Grüße, Andyko


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