Im Test: Reloop Tape

 
Im Test: Reloop Tape

Es sind bekanntermaßen die kleinen Dinge, die Freude bereiten – und wenn diese auch noch eine gehörige Portion Retro-Charme versprühen, dann kommen gleich zwei Dinge zusammen, die Freude bereiten: In diesem Fall trifft ein kleiner, mobiler Aufnahmerekorder im Kassettengewand den Nerv der Zeit. So avancierte Reloop Tape schon während seiner Produktvorstellungen auf der BPM in Birmingham sowie NAMM in Kalifornien zum Publikumsmagneten und zog die neugierigen Blicke der Besucher auf sich. Mit zahlreichen Vorschusslorbeeren ausgestattet, bahnte sich der smarte Aufnahmeheld langsam seinen Weg in die DJ Stores – und jetzt liegt Reloops jüngster Streich bei mir auf dem Schreibtisch. Was kann der kleine USB Recorder im Kassettengewand, der ohne großen Schnickschnack und TamTam für das simple Recorden von einem DJ Set zuständig ist? Ich habe den Test gemacht.

Was kann die Kassette?

Nicht ohne Grund zieht das Reloop Tape die Blicke auf sich, sobald es neben dem DJ Pult aufgebaut wird. Wir sind Kinder der 80er oder 90er Jahre und schon sehr früh mit der Kassette in Berührung gekommen. Wir haben unsere Lieblingssongs aus dem Radio auf Kassette aufgenommen und im Bus auf dem Weg zur Schule rauf und runter gehört, haben dem heimlichen Schwarm ein Tape mit schmalztriefenden Liebesliedern überspielt und den Bandsalat verflucht. Garantiert bandsalatfrei geht das Rekorden mit dem Reloop Tape vonstatten. Trotz des charmanten Aussehens fragt ihr euch vielleicht zurecht, wofür man eigentlich einen externen Recorder benötigt, wenn die DJ Software selbst über eine Aufnahmemöglichkeit verfügt. Nun, nicht jeder DJ legt mit einer DJ Software auf. Bei den verschiedensten DJ Setups während des Clubbetriebes, kann die Möglichkeit des softwareseitigen Recordens kaum wahrgenommen werden, es sei denn, man beschränkt sich ausschließlich auf die Software und verarbeitet keine anderen Medien, wie beispielsweise CDs, Vinyl oder MP3s. Um einen ganzen Abend mit verschiedenen Künstlern an unterschiedlichsten DJ- oder auch Liveact-Setups festzuhalten, ist dies ohne externen Recorder ein sehr schwieriges Unterfangen. Ein weiterer Störfaktor: Oftmals wird es im Eifer des Gefechtes einfach vergessen, innerhalb der Software den “Record”-Button zu betätigen. Somit macht ein externer Recorder auch 2013 nach wie vor Sinn, möchte man nach ausgeschlafenem Rausch am nächsten morgen nicht feststellen müssen, dass im Rendered-Ordner seiner DJ Software überhaupt keine Datei vom gestrigen Abend erstellt wurde. Und wo wir schon gerade vom Rausch sprechen: Ein Recorder, der mit einem bloßen Knopfdruck aufnimmt, ohne dass man sich in Untermenüs vom Gerät selber verirrt, ist in harten Zeiten der Orientierungslosigkeit hinter der DJ Kanzel schier Gold wert. Aus dem Cluballtag heraus ist auch die Idee zum Tape entstanden: Ein Recorder, der an den Clubmixer angeschlossen wird und mit mit einer “1-Button Technik” die ganze Nacht unkompliziert aufnimmt, egal welcher DJ und vor allem mit welcher Technik auflegt. Ein weiterer Vorteil vom Reloop Tape ist die Multifunktionalität, denn das Gerät fungiert auch als schnelle und unkomplizierte Lösung zum Digitalisieren von Vinyl. Tape bietet neben der passenden Erdung auch eine Vorverstärkung für Plattenspieler an.

Press Record!

Reloop Tape ist kein klassischer Recorder mit einem internen Speicher, sondern fungiert als universeller USB Mixrecorder, an dem sowohl Sticks als auch externe USB-Festplatten angeschlossen werden können. Der große Vorteil: Günstiges Speichermedium und einfache Weitergabe sowie Bearbeitung vom aufgenommenen Klangmaterial. Die meisten externen Recorder, die zur Zeit am Markt erhältlich sind, verwenden als Speichermedium eine SD-Karte. Zwar sind SD-Karten heutzutage definitiv keine Seltenheit mehr, jedoch ist die Wiedergabe oder Weiterbearbeitung vom aufgenommenen Klangmaterial auf USB-Medien deutlich kompatibler, denn nach abgeschlossener Aufnahme wird einfach der Stick aus dem Tape gezogen und in den heimischen Rechner geschoben – fertig. Dafür wird das Aufnahmegerät, in dem Fall Reloop Tape, nicht mehr benötigt. Bei Geräten mit einem festen, internen Speicher kann dies nicht ohne den Recorder selber vonstatten gehen, während die SD-Kartenvariante nur bei Rechnern mit entsprechendem SD-Kartenslot Anschluss findet – oder wiederum nur mit dem Recorder selber.

Der Praxistest

Reloop Tape wirbt auf der stylischen Verpackung, die sich im übrigen in Gestalt eines Kassettenrekorders präsentiert, einen Aufnahmeprozess in drei Schritten: USB-Medium anschließen, Tape mit dem Mixer verbinden, Record betätigen – fertig. Mittels im Lieferumfang enthaltenen Netzteil wird Reloop Tape dauerhaft mit Strom versorgt. Vor- und Nachteil sitzen bei dieser Lösung genau gegenüber: Zwar ist man stets auf eine weitere Stromquelle angewiesen, dafür fällt die bangen Frage aus, ob die interne Batterieleistung für den Mix noch ausreichend ist. Die Aufnahmequalität der MP3 ist geräteseitig variabel einstellbar: Entweder 192 kbps, um möglichst viel Stuff auf sein Medium aufnehmen zu können, oder qualitativ bessere, aber speicherintensivere 320 kbps. Eine Möglichkeit, seinen Mix ohne Komprimierungsverfahren zu digitalisieren, wäre sicherlich auch noch schön gewesen. Jedenfalls erzeugt Reloop Tape automatisch einen Ordner auf Stick oder Wechselfestplatte, ungeachtet der bereits sich auf dem Medium befindlichen Daten. Die auf der Kassette angebrachten LEDs signalisieren die verschiedenen Zustände: Power, USB, Record und Signal/Peak geben Informationen über die essentiellen Funktionen vom Tape wieder. Der Peak leuchtet beispielsweise auf, sobald ein Signal anliegt und warnt den Benutzer bei einem zu lauten Eingangspegel.

Anschlüsse

Klassischerweise ist beim Tape vorgesehen, mittels Record-Ausgang am DJ Mixers den Signalpfad mit den im Lieferumfang enthaltenen 3.5 mm Klinke auf Cinch-Kabel abzufangen. Im Test konnte Reloop Tape an einem Pioneer DJM 900 Nexus auch im “kirschgrünen”, sprich roten Bereich der Kanäle gute Ergebnisse erzielen, was die Praxistauglichkeit von dem Gerät verdeutlicht. Letztlich ist es im Clubbetrieb (leider) zum Alltag geworden, dass massiv im roten Bereich gemixt wird – den guten Limitern und der der einzelnen Clubmixer sei dank, dass das Output-Signal dennoch weitestgehend unverzerrt wiedergegeben wird. Bei einem DJ-Wechsel hat man daher oftmals gar keine andere Möglichkeit, als sich in ähnliche Lautstärkegefilde zu bewegen. Umso erfreulicher, dass bei Reloop auch an diese Situation gedacht wurde.
Ein Thru-Port am Tape selber dient der Möglichkeit, das aufgenommene Signal direkt weiter an seinen Verstärker zu leiten – ein großer Vorteil bei Mixern mit nur einem Master Out, bei denen das Signal vom Tape an die Abhörsituation vor Ort weitergeleitet werden kann. Auch beim direkten Digitalisieren von seinen geliebten Vinylschätzen ist die Thru-Möglichkeit sehr vorteilhaft: Ordentlich vorverstärkt und mit Ground-Schraube ausgestattet bietet Reloop Tape nämlich allen Turntables mit austauschbarem Cinch-Kabel, wie beispielsweise den Reloop RP-6000 mk6, die Möglichkeit, den Plattenspieler direkt mit dem Tape zu verbinden und das Signal abhören zu können.

Pro

  • Simples Handling
  • Stylische Retro-Kassettenoptik
  • Gute Aufnahmequalität
  • Phonovorverstärker und Groundanschluss zum Digitaliseren von Vinyl

Kontra

  • Kein Anschluss für SD-Karten

Fazit

Nicht nur in Punkto Style wirbt das Reloop Tape mit seinem Charme, vor allem in der Praxis erfüllt der kleine Aufnahmeheld seine Zwecke und bietet mit einem einmalig einfachen Konzept ein garantiert bandsalatfreies Recorden von seinen Mixsets. Ferner eignet sich Reloop Tape auch zum Digitalisieren von Vinylmaterial. Schade nur, dass der Recorder nicht über die Möglichkeit verfügt, ohne Komprimierungsverfahren aufnehmen zu können. Dafür liefert Reloop Tape jedoch sehr gut klingende Ergebnisse. Mit den beiliegenden Aufklebern für das Reloop Tape lässt sich der stilistisch sichere Retro-Faktor auch noch erweitern und trägt zur Personalisierung von seiner Kassette dazu bei.

Reloop Tape

  • Simples Handling
  • Stylische Retro-Kassettenoptik
  • Gute Aufnahmequalität
Artikelinformationen

Kategorie: Produkttests

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Kommentare: 9

Kommentare


Sascha schrieb am 25.02.2013, 15:11

Die Aufnahme im WAV Format wäre schön…

DJ Sven Cuber schrieb am 27.02.2013, 15:33

Hallo Alex,

wieder sehr schöner Bericht. Das Tape wird auf jeden Fall in meine “Geräte-Sammlung” wandern, nach genau sowas habe ich schon so lange gesucht. Ich hab immer überlegt, hmm, Interface, Laptop, benötigter Platz fürs Setup noch größer und irgendwie viel zu aufwendig, aber jetzt ist ja das Tape da =)

Weiter so, viele Grüße
DJ Sven Cuber

Alex

Alex schrieb am 28.02.2013, 15:36

Hi Sven!

Danke, freut mich, dass der Testbericht gefällt. Wie du es schon treffend beschreibst: Interface, Laptop, noch mehr Platz im Rucksack.. diese Überlegungen sind passé - das Tape lässt sich in der Jackentasche verstauen und fix aufbauen. grin

Grüße, Alex

DJ Ton-Art schrieb am 08.03.2013, 17:13

Einfach ein geiles Teil mit super Aufnahmequalität bei 320 kbs!!!
Einfache Installation, einfache Bedienung und robust!
A MUST HAVE!!!

tty schrieb am 13.03.2013, 8:14

Hab immer noch nicht richtig verstanden, wie die Datei(en) auf dem Stick aussehen. Da ich bei meinen Aufnahmen zwischen Musik und diversen Vorträgen immer wieder anhalte bzw. komplett stoppe, ergibt sich die Frage:
Erzeugt Reloop Tape jedesmal einen neuen Ordner auf meinem Stick, oder werden nach dem ersten Ordner jedesmal weitere, neue Dateien im erzeugten Ordner z.B. mit Datum+Uhrzeit angelegt?

Alex

Alex schrieb am 13.03.2013, 9:30

Hi! Reloop Tape erzeugt chronologische Aufnahmen gesammelt in einem Ordner. Du kannst die aufgenommenen Tracks mit deinem Betriebssystem nach Datum/Uhrzeit sortieren. Anhand der MP3-Titel erkennst du übrigens auch die verwendete Aufnahmequalität. Grüße!

DJ Mike schrieb am 07.04.2013, 17:58

hallo habe das ddj sx ! hast du schon es mit dem Virtual dj aus probiert ? Es geht mit der Sound karte nicht . Wenn es was neues gibt bitte bescheid geben
G.Mike

Alex

Alex schrieb am 21.05.2013, 11:42

Nein, leider nicht. Wenn du die Pro-Version nutzt, bekommst du mit diesem Video-Tutorial Hilfe:
http://www.youtube.com/watch?v=sljx7zaKLqI

Skywalker 74 schrieb am 22.05.2013, 15:47

Hy,habe die American Audio Vms2.Muß ich mit dem Mixtape einfach in den boothausgang und das wars?Gruß Sky


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