Aktive Monitorboxen für Studiozwecke haben in den 90er Jahren die passive Alternative zumindest in den Hintergrund rücken lassen. Weniger Eigenklang dank integriertem Verstärker und die direkten Verkabelungsmöglichkeiten an den Klangerzeuger ohne Umwege sind plausible Gründe dafür. Nichtsdestotrotz gestaltet sich die Wahl nach den richtigen Monitoren fast akribischer als die Suche nach dem Heiligen Gral, denn sowohl im Internet als auch in Fachzeitschriften wird der potentielle Käufer von Testberichten und Expertenwissen sprichwörtlich erschlagen. Gerade im unteren Preissegment, also zwischen 200 und 300 Euro Stückpreis, tummeln sich unzählige Hersteller, von “no name” bis renomiert, und über- oder unterbieten sich mit Kennzahlen und Werten. In diesem Preissegment ein harter Konkurrenzkampf ausgebrochen, der zusätzlich die Kaufentscheidung erschwert. Denn die wichtigsten Anforderungen, die gute Monitorboxen heutzutage an den dicht besiedelten Markt mit sich bringen müssen, stehen oftmals nicht auf dem Papier und lassen sich auch nicht ausschließlich anhand von Frequenzbildern festhalten, denn in erster Linie spiegelt sich das persönliche Meinungsbild über ein Monitorpaar am subjektiven Empfinden des jeweiligen Produzenten wider. Aber wie kann das sein, werdet ihr euch fragen, schließlich sollen doch Monitorboxen möglichst linear klingen? Das ist auch richtig, allerdings ist „möglichst linear“ ein weit gesteckter Begriff, denn auch die unterschiedlichen Raumbedingungen sind für eine vernünftige Abhörsituation entscheidend. Ist der Raum wenig oder schlecht isoliert, dann hilft auch keine noch so lineare Klangwiedergabe der Monitore.
Die neuen Studiomonitore Sinn7 Produzent.5 sowie Sinn7 Produzent.8 sollen neben einem nüchternen und sachlichen Klangbild auch Möglichkeiten anbieten, die Boxen an die räumliche Situation anpassen zu können und spielen dabei gerade für die Homeproduzenten unter euch eine entscheidende Rolle, denn wessen WG-Zimmer kann sich schon über eine studiogerechte Schallisolierung erfreuen? Wir haben die Weiterentwicklung vom Zenit.5 und Zenit.8 von Sinn7 getestet!
Features
- professioneller digitaler Nahfeldmonitor
- magnetisch abgeschirmt
- digitales Interface Modul
- 5 digitale " analoge Eingänge
- Kanalauswahlschalter
- Silk Dome Hochtöner
- vielseitige Raumakustik- und EQ-Einstellungen
- Technische Daten Sinn7 Produzent.5
- 40 Watt RMS-Aktivmonitor
- Frequenzgang: 50 Hz - 20 kHz
- Speaker: 13,35 cm Bass, 2,00 cm Hochtöner
Technische Daten Sinn7 Produzent.8
- 60 Watt RMS-Aktivmonitor
- Frequenzgang: 35 Hz - 20 kHz
- Speaker: 20,32 cm Bass, 2,54 cm Hochtöner
Ein optischer Leckerbissen
Bei der Designfrage stechen die Produzenten im Gegensatz zu den meist eher spartanisch gestalteten Monitorboxen definitiv ins Auge. Insbesondere die weiße Variante vom Produzent.5 und Produzent.8 machen sich neben einem iMac sehr gut und lassen die gesamte DAW wie aus einem Guss erscheinen. Die Farbauswahl bleibt seinem Stil treu – auch bei den Membranen. Hier wurde für die weiße Ausgabe eine entsprechend weiße Membran mit blauem Kranz verbaut, während bei dem Produzent Black die schwarze Membran durch den ebenfalls blauen Kranz Akzente setzt. Auch bei der Produzenten-Reihe wurden die selbstleuchtenden Ein-/Ausschalter auf der Fronseite verbaut – gewissermaßen ein Markenzeichen der Beschallungssysteme von Sinn7. Die Kanten der Boxen sind abgerundet und erscheinen dadurch griffiger und runden die positive Erscheinung sprichwörtlich ab. Weitere Pluspunkte kann Sinn7 bei den haptischen Eigenschaften vorweisen. So bieten beide Monitore einen edlen Klavierlacküberzug, der das durchdachte und stimmige Design der Monitorboxen unterstreicht.
Anschlussvielfalt
Einmal umgedreht wird der erste, positive Eindruck der Vorderseite vom Produzenten durch die zahlreichen Anschlussmöglichkeiten auf der Rückseite verstärkt. Ungewöhnlich für Monitorboxen in dieser Preisklasse bieten beide Produzenten neben Klinke, XLR und Cinch auch digitale Eingänge an. Während ein Cinch-S/PDIF-Eingang den digitaler Standard im Heimgebrauch abdeckt, ist zusätzlich für den professionellen Anwenderbereich ein digitales Interface Modul verbaut. XLR für AES/EBU, wahrscheinlich dem einen oder anderen nicht geläufig, ist in Sachen Digitalverbindung im Profibereich der Standard und übertrifft alle anderen digitalen Übertragungsarten in Sachen Klangreinheit bei minimierter Fehlertoleranz. Bei der Verkabelung mit der Soundkarte wird für den verlustfreien Hörgenuss ein entsprechendes AES/EBU-Kabel benötigt, was einfach an den XLR-Ausgang angeschlossen wird – das war’s. Somit ist der Anwenderbereich dank der Anschlussvielfalt Produzent Nahfeldmonitoren wesentlich vielschichtiger und breiter gefasst, als es sich auf den ersten Blick in der Preisklasse erahnen lässt.
Der Raum passt sich nicht dem Klang an ...
... sondern der Klang dem Raum. Wie eingangs bereits beschrieben, ist es nicht jedem Homestudiobenutzer möglich, sein Wohnzimmer in ein perfekt isoliertes Studio verwandeln zu können. Hierbei bedient sich Sinn7 eines simplen aber effektiven Tricks: Mittels gezielter Eingriffe ist es möglich, das farbliche Klangbild den Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Auf der Geräterückseite finden sich drei Wahlschalter wieder, die sowohl für den Bass- als auch den Höhenbereich bestimmt sind. Ein Acoustic Space-Schalter dient dazu, das räumliche Klangbild einzuschränken, um den Sound nüchterner zu halten. Der Bassbereich lässt sich mittles Low Filter Cutoff auf 60 Hz, 80 Hz oder flat schalten, während die hohen Frequenzen von -2 dB auf +2 dB erhöht oder gesenkt werden können. Natürlich lassen sich die Wahlschalter auch bei einem perfekt isolierten, sprich „toten Raum“, der keine angepasste Klangausgabe benötigt, deaktivieren, um so den natürlichsten Klang der Monitore gewährleisten zu können. Die Lautstärke der Monitorboxen ist ebenfalls direkt über die Rückseite regelbar. Leider ist der Volume-Regler nach meinem Geschmack ein wenig zu flach ausgefallen. Ansonsten kann ich nur positives von der Geräterückseite berichten, denn die vielfältigen Anschluss- und Einstellungsmöglichkeiten der Monitore sind wirklich vorbildlich.
Der Klang: Produzent.5
Der Produzent.5 bietet mit seinen 40 Watt RMS ausreichend Leistung für eine Monitorbox in dieser Größenordnung. Der Frequenzgang beginnt bei 50 Hz und geht bis auf 20 kHz hoch, was auch der „Norm“ entspricht. Das Klangbild vom Produzent 5 ist generell sehr nüchtern gehalten und beschönigt den Sound in keinster Weise, so soll im übrigen eine Monitorbox auch funktionieren, und zeichnet ein sehr trockenes, lineares Klangbild ab. Der Bassbereich wird dezent, aber völlig ausreichend wiedergegeben, dafür neigt der Produzent.5 auch nicht zu Übersteuerungen, was bei Monitorboxen in dieser Größenkategorie leider des öfteren der Fall ist, wenn die Gewichtung beim Hersteller auf eine „saftige“ Basswiedergabe verlagert wird. Auf solche „Psycho-Akkustik-Spielereien“, die letzten Endes nur eine falsche Darstellung des Sounds zur Folge haben, wurde erfreulicherweise bei Sinn7 verzichtet. Eine Kick mit sehr kurz eingestellter Attackzeit und entsprechendem „Klick“-Laut nimmt man bei der Produzent.5 durch einen angenehm, pumpenden Bass im unteren bis mittleren Frequenzbereich, ca. 80 – 100 Hz, bei ausreichendem Klick der Transienten bei ca. 16 kHz wahr. Subbässe sind natürlich schwieriger auszumachen, da das Frequenzbild von dem Monitor bei 50 Hz beginnt und durch die vorgegebene Abmessung des Gehäuses nur bedingt eine Subbass-Darstellung ermöglicht wird. Das liegt aber auch in der Natur der Sache und ist nicht als negativen Aspekt zu werten, vielmehr sollte sich der geneigte Käufer generell bei seiner Monitorauswahl bewusst sein, dass Monitorboxen in dieser Größenordnung über eine korrekte, aber nicht voluminöse oder übertriebene Basswiedergabe verfügen. Abhilfe schafft in diesem Fall im übrigen ein dezent eingestellter Subwoofer wie der Sinn7 Nadir.10 Sub, der für eine füllendere Klangästhetik sorgen kann, so lange die Räumlichkeiten dafür gegeben sind und der Nachbar mitspielt.
Die mittleren und hohen Frequenzen vom Produzent.5 wirken sehr transparent, die einzelnen Instrumente lassen sich in dem Frequenzspektrum gut ausmachen und helfen beim Abmischen und Mastern die einzelnen Instrumente sinnvoll im Klangbild einzuordnen und ihnen die notwendige Brillianz mitgeben zu können. Werden die Hi Hats beispielsweise eine Spur zu trocken über die Produzent dargestellt, dann sind sie es auch. Die Silk Dome Hochtöner verrichten einen zuverlässigen Dienst und können hochfrequenzlastige Sounds präzise wiedergeben und ermöglichen ein Abmischen ohne böse Überraschungen.
Der Klang: Produzent.8
Der 60 Watt laute und knapp 14 kg gewichtige Produzent.8 darf sich zurecht als „großer Bruder“ vom Produzent.5 vorstellen, gilt er doch mit seinem 20 cm Basstellern und einem Frequenzspektrum von 35 Hz – 20 kHz vor allem als die kräftigere Variante der beiden Monitore – ganz so, wie sich das unter Geschwistern nun einmal gehört. Der Bassbereich ist daher auch dementsprechend satt, kräftig und durchsetzungsfähig. Eingespielte Drumkits aus eurer DAW machen mächtig Druck und auch Basslines werden sauber dargestellt – solange diese auch dementsprechend abgemischt sind. Gelten Studiokopfhörer oftmals eher als die Lupe eines Produzenten, so kann man Monitorboxen getrost mit dem wachsamen Auge vergleichen, das stets einen ungetrübten und analytischen Blick auf euren Sound wirft. Diesen Zweck erfüllen die Produzent.8 und liefern euch gerade bei elektronischen Produktionen, bei denen ein dynamisches Mischverhältnis von Kick und Bassline entscheidend ist, ausreichend Hilfestellung, um den Masteringprozess zu vereinfachen bzw. Fehler rechtzeitig hören zu können. Die Silk Dome Hochtöner arbeiten auch hier wie beim Produzent.5 sauber und geben ein nüchternes Urteil über eure hochfrequenzlastigen Instrumente wieder. Dank der eingangs beschriebenen Geräterückseite mit seinen zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten, kann die Soundwiedergabe wirkungsvoll bei Bedarf gewandelt werden. Der Bassbereich lässt sich effektiv absenken und ermöglicht dadurch wiederum noch mehr Spiel für die Silk Dome Hochtöner. Somit lassen sich die Boxen auch für andere Musikrichtungen fernab der technoiden Klänge anpassen, wo ein druckvoller Bassbereich weniger in den Vordergrund stehen muss.
Ein weiteres Empfehlungsschreiben, das an die Djs unter euch adressiert ist, bezieht sich auf den Einsatz der Produzent.8 hinter der DJ-Kanzel. Durch die voluminöse Ausgangsleistung lassen sich die Produzent.8 auch vor euren Mixer oder Controller platzieren, um euch während eures Sets eine lineare und vor allem laute Wiedergabe eures kreativen Schaffens ermöglichen zu können.
Pro/Contra
Pro
- Anschlussvielfalt
- EQ-Einstellungsmöglichkeiten
- Edles Design
- Transparente und Brillante Höhen (Produzent.5)
- Aussagekräftige Basswiedergabe (Produzent.5)
- Voluminöse Ausgangsleistung (Produzent.8)
- Dynamische und kräftige Basswiedergabe (Produzent.8)
- Auch als DJ-Monitore geeginet (Produzent.8)
Contra
- Volume-Regler sehr flach ausgefallen
Fazit
Sowohl die Produzent.5 als auch die Produzent.8 wissen als Studiomonitorboxen zu überzeugen und bieten darüber hinaus ganz unterschiedliche Anwendungsbereiche. Denn neben den vielseitig einsetzbaren Raumakustik- und EQ-Einstellungsmöglichkeiten der Boxen, mit denen zum einen auf das subjektive Hörempfinden als auch die vorhandene Akustik im Studio eingegangen werden kann, lässt sich an Produzent.5 und Produzent. 8 so ziemlich alles anschließen, was einen Ton von sich gibt. Denn neben dem analogen Dreiergespann, bestehend aus XLR, Klinke und Cinch besitzt sowohl die Produzent.5 als auch die Produzent.8 ein digitales Audiointerface. Für Freunde der digitalen und verlustfreien Audioübertragung warten beide Produzenten mit einer S/PDIF und AES/EBU-Schnittstelle auf und ermöglicht somit eine verlustfreie und digitale Audioübertragung für den Home- und Profibereich. Auch in der Klangästhetik machen beide Monitore eine gute Figur. Zwar empfiehlt es sich bei einer Monitorbox wie der Produzent.5 generell einen Subwoofer, wie die Sinn7 Nadir.10, zusätzlich zu betreiben, es ist aber auch nicht zwingend erforderlich, da die Produzent.5 über eine sehr ausgewogene und dynamische Basswiedergabe verfügt. Dagegen weiß der Produzent.8 mit einem voluminösen Anteil im unteren Frequenzbereich zu überzeugen, der auch ein besseres Abstimmen von Bässen und Kicks ermöglicht. Beide Monitore liefern die notwendige Transparenz, um Instrumente innerhalb von einem Mix korrekt zu platzieren und abmischen zu können. Die Produzent.5 ist für 199 €, die Produzent.8 für 249 Euro je Box bei uns im Shop zu haben.
Kategorie: Produkttests Producing
Tags: studio, studio-equipment, sinn7, studio-monitore, produzent.8, produzent.5
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Jan Bürger schrieb am 14.02.2012, 19:03
Ernst zunehmende Konkurrenz für die KRK Rokit?